Seit Monaten warnen Experten vor unüberschaubaren Risiken in dem schnell wachsenden Markt für Private Kreditfinanzierungen, der in den USA entstanden ist (Private Debt). Dort sammeln unregulierte Kreditvermittler, die oft nicht der Bankenregulierung unterliegen, über Fondskonstruktionen Geld auch von Privatanlegern ein, um es dann in Form von Krediten zu verleihen. Dabei geht es nicht nur um Ratenkredite an Konsumenten, sondern zum Teil auch um Unternehmenskredite in Milliardenhöhe.

Dadurch haben sich Schätzungen zufolge Kreditrisiken in Höhe von 1,8 Billionen Dollar außerhalb der Bankbilanzen aufgebaut, die eine Gefahr für das gesamte Finanzsystem darstellen könnten. Denn viele der Kreditnehmer wenden sich nur deshalb an alternative Kreditfinanzierer, weil sie bei den traditionellen Banken in der Kreditprüfung abgeblitzt sind; entweder, weil ihre Bonität nicht ausreicht, oder weil den Banken die Klumpenrisiken in ihrem Sektor – etwa bei KI-Rechenzentren – zu groß geworden sind.

Ist Blue Owl der Dominostein, der den Markt zum Einsturz bringt?

Einer der größten Player auf dem Markt für Private Debt ist der börsennotierte Vermögensverwalter Blue Owl Capital. Die Firma hat so viel Geld eingesammelt, dass sie mittlerweile auch als Finanzierer milliardenteurer KI-Rechenzentren auftritt, etwa für Oracle oder Meta.

Doch nun könnte ausgerechnet Blue Owl Capital der erste Dominostein sein, der fällt. Am Mittwoch (18. Februar 2026) stoppte Blue Owl die bisher quartalsweise erfolgten Rücknahmen bei seinem Privatkredit-Fonds OBDC II komplett. Das heißt: Anleger, die ihre Anteile zurückgeben wollen, können das nicht mehr in beliebiger Höhe tun. Stattdessen will das Unternehmen Kapital über laufende Ausschüttungen zurückzahlen, die aus Kreditrückzahlungen oder Vermögensverkäufen finanziert werden.

Das Problem der illiquiden Assets

Damit scheint Blue Owl in ähnliche Probleme hineinzulaufen wie vor Jahren die offenen Immobilienfonds: Die Ausgabe von Fondsanteilen suggeriert den Anlegern, sie würden in ein fungibles Asset investieren, aus dem sie jederzeit austeigen können. Weil aber die Projekte, in die die Kredite fließen, üblicherweise lange Laufzeiten haben, steht nicht genügend Geld für vorzeitige Rückzahlungen zur Verfügung, wenn sehr viele Anleger auf einmal ihre Anteile zurückgeben wollen. Deshalb wurden zum Beispiel bei offenen Immobilienfonds in Deutschland nach der Finanzkrise Karenzzeiten von einem Jahr zwischen Kündigung und Auszahlung eingeführt, um die Anbieter vor Notverkäufen mit hohen Preisabschlägen zu schützen.

Zahlen von Blue Owl zufolge hatten in den ersten neun Monaten 2025 Anleger bereits rund 150 Millionen US-Dollar aus den Fonds abgezogen, 20 Prozent mehr als im Vorjahr. Offenbar hält diese Welle an. Um wieder liquide zu werden, hat Blue Owl nun selbst vergebene Kredite im Wert von rund 1,4 Milliarden Dollar an institutionelle Investoren weiterverkauft. Die Käufer sind nordamerikanische Pensionsfonds und Versicherungen.

Blue Owl Capital Corp. (WKN: A2PPPV)

Zweifel am Kreditportfolio

Ob das Problem von Blue Owl sich auf das Thema der illiquiden Assets beschränkt oder ob auch einige der Kredite selbst nicht oder zu spät bedient werden, ist derzeit unklar. Das wäre dann der Tropfen, der das Fass zum Überlaufen bringen könnte.

Die Aktie des Vermögensverwalters sackte jedenfalls am Donnerstag zeitweise um 9,4 Prozent ab und näherte sich wieder ihrem Zweijahres-Tief von Anfang Februar. Craig Packer, Mitgründer von Blue Owl, versucht derweil die Anleger zu beruhigen. Er bezeichnete die Tatsache, dass die Kredite quasi ohne Abschläge zu 99,7 Prozent ihres Nennwerts verkauft wurden, als starkes Signal. Tatsächlich würden Investoren für faule Kredite wohl kaum den vollen Nennwert bezahlen. Bis Ende des Jahres könne Blue Owl die Hälfte des Anlegerkapitals zurückzahlen, versprach Packer.

Star-Ökonom El-Erian warnt vor dem Kanarienvogel-Moment

Doch die mahnenden Stimmen häufen sich. Mohamed El-Erian, der ehemalige Co-Chef von Pimco, stellte öffentlich die Frage, ob dies ein „Kanarienvogel-Moment“ für den Private-Credit-Markt sei. Er verglich die Lage mit dem August 2007, als sich erste Risse im Finanzsystem zeigten und ein Jahr später, im September 2008, endgültig die Finanzkrise ausbrach.

Die Skepsis bezüglich der Bewertungen und der Qualität der billionenschweren Kredite wächst seit Monaten. Denn es gibt weitere Beispiele dafür, dass der Private-Debt-Markt auf Probleme zuläuft: Beim Tech-Fonds OTIC erreichten die Rücknahmegesuche zuletzt 15 Prozent des Nettovermögens. Das zeigt: Die Anleger wollen raus – und ihr Geld zurück.

OTIC und Blue Owl müssen jetzt beweisen, dass die von ihnen eingegangenen Kreditrisiken richtig eingeschätzt wurden und ihr Kreditportfolio wirklich so gut ist wie behauptet. Sonst wird es eng.

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