Zum zweiten Mal binnen weniger Wochen lehrt das KI-Startup Anthropic die Softwarebranche das Fürchten. Die Aktienkurse der etablierten Konzerne brachen am Dienstag teils zweistellig ein, 300 Milliarden Dollar Börsenwert wurden ausradiert.
Es kann Verträge prüfen, Compliance-Workflows erleichtern, rechtliche Briefings erstellen – und es hat das Potenzial, etablierte Software- und Datenunternehmen in Bedrängnis zu bringen. Das neue KI-Tool von Anthropic, das am Dienstag vorgestellt wurde, richtet sich explizit an juristische Abteilungen großer Unternehmen und soll alltägliche rechtliche Aufgaben automatisieren.
Zum zweiten Mal binnen weniger Wochen lehrt das KI-Startup damit die Softwarebranche das Fürchten – und lässt Aktienkurse teils zweistellig einbrechen. Allein am DIenstag wurden dadurch laut einem Bericht der Nachrichtenagentur Bloomberg 300 Milliarden Dollar Börsenwert ausradiert.
Die vorgestellte Technologie ist ein Plugin für Anthropics „Claude Cowork“-Plattform – ein KI-Assistent, der Aufgaben wie Vertragsanalyse, Klassifizierung von Geheimhaltungsvereinbarungen (NDAs), Compliance-Prozesse oder standardisierte juristische Antworten übernehmen kann. Damit zielt das Tool genau auf jene Bereiche, die heute oft noch mit spezialisierter Software oder in manueller Arbeit abgewickelt werden.
„Daten“-Aktien brechen zweistellig ein
Die Ankündigung hat an den Finanzmärkten für deutliche Turbulenzen gesorgt. Weltweit rutschten am Dienstag die Kurse zahlreicher klassischer Software- und Datenunternehmen kräftig ab: Nach einer Aufstellung der Nachrichtenagentur Bloomberg verloren etwa Adobe weitere 7,3 Prozen Prozent)t oder Prozent), Legalzoom.com (minus Salesforce 6,8 Prozent. Noch heftiger betroffen waren diesmal Datenlieferanten wie Thomson Reuters (minus 15,8 Prozent), Legalzoom.com (minus 19,7 Prozent) oder Fachverlage wie Relx, Pearson und Wolters Kluwer. Auch die genannten Publisher bieten ihre Dienste längst nicht mehr auf Papier, sondern als Software-Datenbanken im Abo an. Der Software-ETF von State Street brach um fast 17 Prozent, auch der Technologieindex der Londoner Börse, der am frühen Dienstag noch ein Rekordhoch markiert hatte, geriet stark unter Druck. Anleger befürchten, dass die KI-Automatisierung traditionelle Geschäftsmodelle von Datenanalysefirmen und Fachverlagen untergraben könnte.
Das Software-Automatisierungs-Unternehmen ServiceNow geht deshalb einen anderen Weg: Die Kalifornier, die vom früheren SAP-Chef Bill McDermott geführt werden, verkündeten Ende Januar eine Partnerschaft mit Anthropic. ServiceNow will den Anthropic Chatbot Claude als als bevorzugtes Modell für seine gesamte ServiceNow KI-Plattform einsetzen. Claude soll laut Pressemitteilung dabei helfen, sogenannte „Agenten” zu erstellen und zu nutzen, "die selbstständig denken, Entscheidungen treffen und Aufgaben ausführen" können.
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Lizenzmodelle in Gefahr
Hintergrund ist die wachsende Sorge, dass KI-Tools wie dieses nicht nur Assistenzfunktionen bieten, sondern mittelfristig Teile des gesamten Workflows übernehmen könnten, für die heute noch teure Lizenzen für Daten- und Rechtssoftware verkauft werden. Besonders bei Produkten, deren Preise an Nutzerlizenzen oder Datenzugriffe gekoppelt sind, sehen Analysten Ertragsrisiken.
Anthropic selbst betont jedoch, dass das neue Tool keinen rechtlichen Rat ersetzt. Die Ergebnisse sollten weiterhin von qualifizierten Anwälten überprüft werden. Was die Branche ängstigt ist jedoch, dass die Firma weitere Plug-ins angekündigt hat, die Automatisierungsfunktionen über den juristischen Bereich hinaus bieten sollen, beispielsweise in Vertrieb oder Kundenservice.
Weniger Arbeit selbst für gut ausgebildete Fachkräfte
Für die betroffenen Branchen und die Arbeitsplätze dort könnte diese Entwicklung weitreichende Folgen haben. Experten warnen, dass bestimmte Tätigkeiten in traditionellen Wissens- und Beratungsunternehmen durch KI-Automatisierung ersetzt werden könnten. Dadurch würde die Zahl auch gut qualifizierter Job sinken und die Jobprofile in Rechts-, Daten- und Beratungsdiensten dürften sich erheblich verändern.
Gleichzeitig besteht die Chance, dass solche Tools die Produktivität in juristischen Fachabteilungen deutlich erhöhen. Unternehmen könnten Standardprozesse schneller und kostengünstiger gestalten, wenn KI-gestützte Vorarbeiten zuverlässig und effizient funktionieren. Entscheidend bleibt jedoch, wie schnell die Technologie in der Praxis akzeptiert wird und in welchen Bereichen menschliche Kontrolle unverzichtbar bleibt
Softwarebranche besonders anfällig?
Ausgerechnet die einst dominierende Softwarebranche scheint besonders anfällig für die neun KI-Dienste. Im Januar hatten ähnliche Demoversionen, die Antropic für das Kundenmanagement (CRM) oder Buchhaltungsaufgaben (ERP) vorgestellt hatte, bereits die Aktien von Salesforce und SAP einbrechen lassen.
Die erneute Marktreaktion zeigt, dass traditionelle Software-Anbieter offenbar vor einer Phase tiefgreifender Wettbewerbsveränderungen. Den die neuen KI-Lösungen stellen klassische Lizenzmodelle und teure Datenworkflows infrage. Selbst wenn sie die etablierten Software-Architekturen der Platzhirsche nicht sofort abschaffen, so dürfte die neue Konkurrenz auf jeden Fal auf Preise und Margen drücken. Genau das preist der Markt jetzt ein.
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