Die US-Staatsverschuldung hat erstmals die Marke von 39 Billionen Dollar überschritten. Das ist nicht nur ein symbolischer Meilenstein, sondern ein handfestes Problem: Die Zinslast wächst rasant und frisst den politischen Spielraum der US-Regierung auf.

Am Mittwoch hat die US-Gesamtverschuldung erstmals die Marke von 39 Billionen US-Dollar überschritten. Das hat das US-Finanzministerium auch auf seiner Website bestätigt. Bemerkenswert ist nicht nur die Zahl, sondern das Tempo: Es ist gerade mal weniger als fünf Monate her, dass die Staatsschulden den Wert von 38 Billionen Dollar überschritten hatten. Budget-Experten und Ökonomen halten dieses Niveau unisono für nicht tragfähig.

Über welche Dimensionen wir reden, bringt die Peter G. Peterson Foundation besonders eindrucksvoll auf den Punkt: 39 Billionen Dollar entsprechen der jährlichen Wirtschaftsleistung von China, Deutschland, Japan, Indien und Großbritannien zusammen. Setzt sich das bisherige Verschuldungstempo fort, heißt das auch, dass jeden Tag 6,9 Milliarden Dollar Schulden hinzukommen – oder 4,8 Millionen Dollar pro Minute.

Was die Politiker in Washington besonders interessieren dürfte: Jeden Tag werden auf diesen Schuldenberg drei Milliarden Dollar Zinsen fällig. Damit steigt die jährliche Zinslast im laufenden Jahr schon in Richtung von 1,1 Billionen Dollar.

Jede Minute machen die USA 4,8 Millionen Dollar neue Schulden
Foto: Grafik: Peter G. Peterson Foundation
Jede Minute machen die USA 4,8 Millionen Dollar neue Schulden.

Seit Trumps erster Amtszeit hat sich der Schuldenberg grob verdoppelt

Ob die Regierung um Donald Trump realisiert hat, welche Fesseln ihr diese Zinslast anlegt, darf bezweifelt werden. So kündigte Verteidigungsminister Pete Hegseth, der sich mittlerweile „Kriegsminister“ nennt, am Donnerstag an, dass sich der bereits vom Pentagon beantragte zusätzliche Bedarf für das Rüstungsbudget in Höhe von 200 Milliarden Dollar womöglich noch einmal „ändern“ könne. „Man braucht Geld, um die Bösen zu töten“, sagte Hegseth bei einer Pressekonferenz, als er gebeten wurde, die Zahl zu bestätigen, über die die „Washington Post“ am Mittwochabend erstmals berichtet hatte. „Wir werden uns erneut an den Kongress und unsere Leute dort wenden, um sicherzustellen, dass wir angemessen finanziert werden.“

Doch das könnte schwierig werden. Zumal der Schuldenberg unter Donald Trump schneller wächst als je zuvor. Das Wirtschaftsmagazin „Fortune“ erinnert den Präsidenten an sein eigenes, früheres Versprechen: Trump hatte 2016 angekündigt, die Staatsschulden binnen acht Jahren zu eliminieren. Stattdessen habe sich die Bruttoverschuldung seit seinem ersten Amtsantritt grob verdoppelt, schreibt Fortune: von 19,9 Billionen Dollar im Januar 2017 auf das heutige Niveau.

„Gesamtschulden“ oder „öffentliche Schulden“ – welche Zahl zählt?

Die Gesamtschuld von 39 Billionen Dollar ist eine leicht kommunizierbare Zahl. Laut Fortune halten jedoch viele Ökonomen die „debt held by the public“ (Schulden, die der Staat bei externen Gläubigern hat) für wirtschaftlich aussagekräftiger. Diese ist etwas niedriger. Kent Smetters, Verfasser des Penn Wharton Budget Model, erklärt sie in Fortune so, dass ein Teil der Bruttoschuld innerhalb des Regierungsapparats entstehe. Es handelt sich, vereinfacht gesagt, um staatliche Verbindlichkeiten, die von der linken in die rechte Tasche wandern. Zieht man diese ab, ist trotzdem auch die „Public Debt“ hoch: Laut Fortune rund 31,3 Billionen Dollar.

Zinsen werden zum teuersten Posten im Staatshaushalt

Deutschland kennt das Problem, wenn ein Posten den gesamten Staatshaushalt dominiert – so wie hierzulande der Zuschuss zum Rentensystem, der dazu führt, dass der Etat des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales im laufenden Bundeshaushalt 2026 197,3 Milliarden Euro umfasst. Das sind 37,6 Prozent des Gesamthaushalts von 524,5 Milliarden Euro.

Das Gute daran: Man könnte im Notfall Ausgaben selbständig kürzen. In den USA ist das anders: Dort haben die Nettozinsen in den ersten drei Monaten des laufenden Fiskaljahres bereits 270 Milliarden Dollar erreicht – und damit beispielsweise schon die Verteidigungsausgaben im gleichen Zeitraum übertroffen. Und die Gläubiger der Staatsanleihen an den Kapitalmärkten lassen schlecht mit sich über Zinsen verhandeln.

Die ausufernden Schulden könnten schon bald einen messbaren Effekt auf die Kurse der US-Staatsanleihen haben. Sobald Investoren und Rating-Analysten glauben, dass ein Staat politisch nicht mehr willens oder fähig ist, diese Dynamik zu bremsen, steigt das Misstrauen – und damit das Zinsniveau, zu dem sich der Staat am Markt neu finanzieren kann. „Billion nach Billion“ („trillion after trillion“) ohne Plan sei die Definition von nicht nachhaltiger Politik, sagt Michael A. Peterson von der Peter G. Peterson Foundation. Das Problem sei, dass der finanzielle Spielraum immer dann schrumpfe, wenn der Staat eigentlich auf eine Krise reagieren müsste.

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