Offenbar befinden sich die Bergbaukonzerne Rio Tinto und Glencore wieder in Gesprächen über eine Fusion. Der dann größte Bergbau-Deal aller könnte der Auslöser für eine ganze Kette an Übernahmen im Minensektor sein.

Die „Financial Times“ berichtete am Donnerstag als erste von Fusionsgesprächen zwischen Rio Tinto und Glencore. Mittlerweile hat Glencore „vorläufige Gespräche“ mit dem Rivalen bestätigt und damit eine Kursrally ausgelöst: Glencore-Aktien stiegen am Freitag um mehr als acht Prozent, Rio-Tinto-Papiere verloren 1,7 Prozent.

Ein Zusammenschluss der beiden Konzerne würde nicht nur den weltweit größten Bergbaukonzern mit einem Unternehmenswert von 260 Milliarden Dollar (inklusive Schulden) schaffen. Er könnte auch der Auftakt für eine neue, breit angelegte Fusions- und Übernahmewelle im Sektor sein. Denn die Branche steht nicht nur unter Kostendruck, sondern hat auch das Problem, dass sie trotz des aktuellen Rohstoffbooms kaum noch neue Förderstätten erschließen und ausbeuten kann.


Glencore (WKN: A1JAGV)

Alles dreht sich um Kupfer

Im Zentrum der Überlegungen steht Kupfer. Der Preis des Industriemetalls ist zuletzt auf neue Rekorde gestiegen, getrieben von Angebotsausfällen und strategischen Vorratskäufen im Zuge des Zollstreits, insbesondere in den USA. Gleichzeitig gilt Kupfer als Schlüsselrohstoff für die Energiewende: Stromnetze, Elektromobilität, Rechenzentren und erneuerbare Energien wären ohne enorme Mengen Kupfer nicht denkbar. Eine einzige Windkraftanlage benötigt bis zu 30 Tonnen Kupfer, wovon etwa ein Sechstel auf die Anlage selbst und fünf Sechstel auf die Zuleitungen und Transformatoren entfallen.

Branchenexperten warnen seit Jahren vor einer Angebotslücke, da neue Minneprojekte teuer, politisch heikel und langwierig sind. Größe wird im Minensektor damit zum entscheidenden Wettbewerbsvorteil.

Ein Zusammenschluss von Rio Tinto und Glencore würde diese Logik konsequent fortschreiben. Rio erhielte Zugriff auf Glencores erstklassige Kupferassets, darunter Beteiligungen an der chilenischen Collahuasi-Mine, während die stark verschuldete Glencore von Rios Bilanzstärke profitieren würde. Gleichzeitig wäre der Deal ein klares Signal an den Markt: Wer künftig bei strategischen Metallen eine Rolle spielen will, muss entweder wachsen – oder er wird übernommen.

Übernahmen hatten sich angedeutet

Dass in der Kupferbranche eine Fusion anstehen könnte, hatte sich in den vergangenen Monaten bereits abgezeichnet. Immer wieder kursierten Übernahmegerüchte um mehrere mittelgroße Kupferproduzenten. Besonders häufig wurde dabei Antofagasta genannt, das mit seinen chilenischen Minen als attraktives Ziel gilt. Auch First Quantum Minerals stand im Fokus, trotz operativer Rückschläge bei einzelnen Projekten. Der langfristige Wert der Lagerstätten macht das Unternehmen für finanzstarke Käufer interessant. Ebenfalls immer wieder genannt wurde Lundin Mining, das über ein hochwertiges, aber vergleichsweise kleines Kupferportfolio verfügt – ein klassischer Kandidat für eine strategische Übernahme.

Und auch ein bereits zweimal gescheiterter Großdeal rückt wieder ins Blickfeld: Anglo American. BHP hatte bereits 2024 und zuletzt erst vor wenigen Wochen, im November 2025, versucht, den Konkurrenten zu übernehmen – und musste beide Male zurückziehen. Stattdessen will sich Anglo nun mit dem kanadischen Rohstoffkonzern Teck Resources zusammenschließen.

BHP läuft nun die Zeit davon. Steigende Kupferpreise erhöhen den Wert von Anglos Assets, während BHP dort eine Lücke im Portfolio aufweist und unter Druck steht, sein Engagement auszubauen. Da sich BHP bei Anglo aufgrund britischer Börsenregeln nun erst einmal für sechs Monate zurückhalten muss, könnte schon bald ein anderer Kandidat ins Visier geraten.

Dass mittlerweile auch politische Entscheider die Verfügbarkeit kritischer Rohstoffe zunehmend priorisieren, könnte der Branche künftig bei Übernahmen in die Hände spielen. Denn es erscheint möglich, dass regulatorische Hürden relativiert werden, um die Versorgungssicherheit zu erhalten.

Übernahmewelle auch bei Gold- und Silberminen?

Nicht nur bei Basismetallen wie Kupfer dürfte die Fusionsfantasie zunehmen. Auch im Gold- und Silbersektor mehren sich die Anzeichen für eine Konsolidierungswelle. Steigende Produktionskosten, begrenzte Explorations¬erfolge und sich abzeichnende Produktionsengpässe (lesen Sie dazu unseren Artikel zum „Gold Peak“) zwingen viele Produzenten zum Handeln. Größere Einheiten versprechen Kostenvorteile und eine stabilere Produktion.

Im Goldsektor gelten Unternehmen wie Newmont, Barrick Gold und Agnico Eagle aufgrund ihrer Größe als mögliche Konsolidierer, während Mid-Caps wie Kinross Gold, Endeavour Mining oder Gold Fields immer wieder als potenzielle Übernahmekandidaten genannt werden. Besonders attraktiv sind Produzenten mit langfristigen Reserven in politisch stabilen Regionen wie Kanada.

Die Kandidaten

Auch bei Silberminen nimmt der Druck zu. Der Markt ist fragmentiert, gleichzeitig steigt die industrielle Nachfrage – etwa durch Photovoltaik. Unternehmen wie Pan American Silver, First Majestic Silver oder Hecla Mining könnten sowohl Käufer als auch Übernahmeziele sein. Spekuliert wird zudem über mögliche Zusammenschlüsse von Firmen wie Fresnillo oder Coeur Mining, um Skaleneffekte zu heben und Investitionen besser stemmen zu können.

Aus Sicht der Anleger sorgt die neu entfachte Übernahmefantasie kurzfristig für Kursaufschläge, insbesondere bei mittelgroßen Produzenten. Langfristig entscheidet jedoch, ob die entstehenden Großkonzerne ihre Synergien realisieren und die wachsende Nachfrage nach Metallen aller Art bedienen können. Die Gespräche zwischen Glencore und Rio Tinto könnten den Beginn einer neuen Konsolidierungsära markieren – nicht nur bei Kupfer, sondern im gesamten Minensektor.

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