Im Übernahmepoker um die Commerzbank haben die Frankfurter ihre Stellungnahme zur Offerte von Unicredit veröffentlicht. Doch der Konkurrent aus Mailand pirscht sich immer näher heran.

Vorstand und Aufsichtsrat der Commerzbank haben am Montag ihre offizielle „Begründete Stellungnahme“ zum Übernahmeangebt der Unicredit veröffentlicht. Wie zu erwarten war, bezeichnet die Commerzbank die Offerte in dem 152-seitigen Dokument als unattraktiv. Am Ende der Begründung stehen drei Kernargumente:

1. Das Angebot spiegele „das Wertschöpfungspotenzial der Commerzbank nicht angemessen wider und bietet keine Prämie“.

2. Die Offerte sei „kein belastbarer Plan für einen Zusammenschluss“, sondern ein „Restrukturierungsvorschlag mit erheblichen Umsetzungsrisiken, geringem Wertschöpfungspotenzial und unklarer Perspektive“.

3. Eine eigenständige Strategie biete „ein höheres Wertschöpfungspotenzial und ein geringeres Umsetzungsrisiko“. Die Commerzbank-Strategie „Momentum 2030“ schaffe dagegen „nachhaltig und messbar Wert“.

„Die Unicredit bietet den Aktionären der Commerzbank keine angemessene Prämie und hat keinen nachvollziehbaren und belastbaren strategischen Plan für einen Zusammenschluss vorgelegt“, heißt esin einem Brief an die Aktionäre, der die Stellungnahme ergänzt. Der Plan sei vage und berge „erhebliche Risiken“. Zudem unterschätze die Unicredit Ertragsverluste, überschätze Synergien und rechne mit einer „unrealistischen Umsetzungsdauer“.

Vorstand und Aufsichtsrat raten den Commerzbank-Aktionären daher – wenig überraschend – dazu, das Umtauschangebot nicht anzunehmen. Beide Gremien seien überzeugt, dass die eigenständige Umsetzung der jüngsten Strategie mit erhöhten Gewinnzielen mehr Wert schaffe. „Was die Unicredit als Zusammenschluss bezeichnet, erweist sich als Restrukturierungsvorschlag, der massiv in unser bewährtes und profitables Geschäftsmodell eingreifen würde“, sagte Vorstandschefin Bettina Orlopp.

Unicredit rückt immer näher heran

Unterdessen schnürt Unicredit das Netz um die Commerzbank immer enger. Nach eigenen Angaben vom Montag sicherten sich die Italiener den Kaufpreis für weitere Anteile an der Commerzbank. Demnach verfügen sie mittlerweile 26,77 Prozent der Commerzbank-Aktien und haben über Finanzinstrumente Zugriff auf weitere 3,22 Prozent. Mit zusammen 29,99 Prozent bleibt Unicredit damit sehr knapp unter der Schwelle von 30 Prozent, die ein Pflichtangebot ausgelöst hätte. Die bisherige Offerte firmiert dagegen als freiwilliges Übernahmeangebot. Bei einem Pflichtangebot würden engere Regularien gelten. So müsste beispielsweise ein Mindestpreis geboten werden, der dem gewichteten inländischen Börsenkurs während der letzten drei Monate vor der Veröffentlichung des Angebots entsprechen muss.

Hat Unicredit schon auf der HV die Mehrheit?

Mit Blick auf die Hauptversammlung der Commerzbank am kommenden Mittwoch ist interessant, dass Unicredit auch eine überproportionale Steigerung der Stimmrechte von 32,64 auf 38,87 Prozent meldete. Darin enthalten seien Kaufpreis-Sicherungen für 8,88 Prozent der Aktien.

Bedenkt man, dass im vergangenen Jahr nur insgesamt 49,65 Prozent der stimmberechtigten Aktionäre auf der Commerzbank-Hauptversammlung vertreten waren, hätte Unicredit mit den aktuellen Stimmrechten theoretisch sogar die Chance auf eine Mehrheit. Denn bei Abstimmungen zählt allein die Präsenz. Allerdings befinden sich aktuell rund 12,7 Prozent der umlaufenden Aktien im Besitz der Bundesrepublik Deutschland, die sicher nicht für Unicredit stimmen wird. Weitere 5,1 Prozent hält der Vermögensverwalter Blackrock, der sich bisher nicht zu seiner Position im Übernahmekampf geäußert hat.

Unicredit könnte seine Stimmrechte nutzen, um einen eigenen Vertreter in den Aufsichtsrat wählen zu lassen. Ein entsprechender Vorschlag wurde bisher aber nicht eingereicht.

Commerzbank (WKN: CBK100)

Angebot notiert unter dem Kurs der Commerzbank-Aktie

Die Italiener hatten am 5. Mai ein freiwilliges Angebot für sämtliche Commerzbank-Anteile vorgelegt. Sie bietet für jede Commerzbank-Aktie 0,485 neue Unicredit-Aktien. So will die Unicredit bis zum 16. Juni weitere Aktien einsammeln, ohne ein Pflichtangebot vorlegen zu müssen, was deutlich teurer wäre. Die Offerte kann bis 3. Juli verlängert werden. Bisher liegt das Angebot rechnerisch unter dem aktuellen Kurs. Das kritisiert auch die Commerzbank. „Die Commerzbank-Aktie notierte nach der Ankündigung des Angebots zu jedem Schlusskurs oberhalb des Angebotswerts“, schrieben Vorstand und Aufsichtsrat in ihrer Stellungnahme.

BÖRSE ONLINE aktualisiert den Wert des Angebots täglich auf seiner Website. Auch wir raten angesichts der Angebotslücke bisher nicht dazu, die Offerte aus Mailand anzunehmen.

Auf Übernahmen an den deutschen Börsen setzen

Mit dem Index-Zertifikat "German M&A", zusammengestellt von der BÖRSE-ONLINE-Redaktion. Hier erfahren Sie mehr dazu.

Weiterführende Links

Hinweis auf Interessenkonflikte
Der Vorstand und Mehrheitsinhaber der Herausgeberin Börsenmedien AG, Herr Bernd Förtsch, ist unmittelbar und mittelbar Positionen über die in der Publikation angesprochenen nachfolgenden Finanzinstrumente oder hierauf bezogene Derivate eingegangen, die von der durch die Publikation etwaig resultierenden Kursentwicklung profitieren können: Commerzbank.