Das lässt den DAX am Freitag wieder fallen. Im Fokus: Zalando, Stellenabbau in Deutschland, OpenAI, Softbank, Alphabet, Bitcoin und die Fed. 

Hohen Kursverlusten an den Börsen in Tokio und Seoul dürfte sich am Freitag auch der deutsche Aktienmarkt nicht entziehen können. Der X-Dax als außerbörslicher Indikator für den Dax stand vor dem Xetra-Auftakt 0,8 Prozent tiefer bei 24.800 Punkten. Die Erholungsgewinne vom Vortag, die den Dax zeitweise wieder über die 25.000-Punkte-Marke hievten, wären damit fast wieder dahin. Auf Wochensicht zeichnet sich wieder ein Minus ab.

Die Vortagserholung im Technologiesektor, die von gefeierten Resultaten des US-Konzern Micron getrieben war, erweist sich wohl als Strohfeuer. In Asien hatten die Anleger am Freitag direkt wieder Gewinne mitgenommen. Der japanische Nikkei-Index büßte zuletzt fast fünf Prozent ein und der südkoreanische Kospi gut sieben Prozent. Beide Börsenbarometer bleiben damit angeschlagen, nachdem sie bis Anfang der Woche eine Rekordjagd hinter sich hatten.

Die Bedenken angesichts hoher Bewertungen rund um Künstliche Intelligenz seien zurück, schrieb Analyst Thomas Altmann vom Vermögensverwalter QC Partners. Hinzu komme die Sorge vor einer Knappheit von Speicherchips. "Die Stimmung ist gerade dabei, sich zu drehen. Anlegerinnen und Anleger werden generell vorsichtiger. Die Risikoaversion nimmt zu."

An der technologielastigen US-Börse Nasdaq notieren deshalb die Futures am Freitag schon wieder klar in der Verlustzone. Im Chipbereich erfasst die erneute Abwärtsbewegung in der Branche wohl auch viele deutsche Aktien: Der Infineon-Kurs sackte etwa vorbörslich um 2,8 Prozent ab. Für die Ausrüster Aixtron, Suss und PVA Tepla sowie den Waferhersteller Siltronic ging es auf der Plattform Tradegate auch um bis zu drei Prozent bergab. Mit Siemens Energy und Hochtief drohen auch anderen KI-Profiteure wieder unter Druck zu geraten.

DAX (WKN: 846900)

Nachrichten aus Deutschland

Ifo: Unternehmen in Deutschland bauen vermehrt Stellen ab

Die Aussichten für den deutschen Arbeitsmarkt haben sich wieder eingetrübt. "Die Unternehmen planen, wieder vermehrt Stellen abzubauen", meldete das Münchner Ifo-Institut. Das von ihm erhobene Beschäftigungsbarometer sank im Juni um 1,6 auf 92,3 Punkte. Das ist einer der schlechtesten Werte seit der Corona-Pandemie.

"Der Arbeitsmarkt bleibt schwach", sagte Experte Klaus Wohlrabe. "Von einer nachhaltigen Belebung der Beschäftigung ist Deutschland derzeit noch weit entfernt." Im Mai war das Barometer noch ein gutes Stück gestiegen, nun ging es wieder abwärts.

Besonders schlecht sind die Aussichten in der Industrie und im Handel. Der Anteil der Unternehmen, die Jobs abbauen wollen, überwiegt den Anteil der Unternehmen, die Jobs aufbauen wollen, dort um jeweils rund 18 Prozentpunkte. Immerhin hat sich das Barometer in der Industrie minimal verbessert. Im Handel nimmt der Personalabbau der Umfrage zufolge allerdings wieder stärker zu. Das Teilbarometer sank hier um 3,2 Punkte.

Auch bei den Dienstleistern gab das Barometer deutlich nach. Dort überwiegen die Unternehmen mit Abbauplänen diejenigen mit Aufbauplänen jetzt um 4,9 Prozentpunkte - vor einem Monat gab es noch etwas mehr Aufbau- als Abbaupläne. Besonders schwierig bleibt die Lage laut Ifo bei den Leiharbeitsfirmen sowie im Tourismus.

Im Baugewerbe sind den Münchner Wirtschaftsforschern zufolge kaum Veränderungen geplant. Die Unternehmen wollten ihren Personalbestand weitgehend konstant halten.

Zalando-Abschluss wird von der Bafin wegen mölicher Verstöße geprüft

Die Finanzaufsichtsbehörde Bafin hat bei Zalando eine Prüfung des Konzernabschlusses und des zugehörigen Lageberichts eingeleitet. Es liegen konkrete Anhaltspunkte dafür vor, dass der im Dax notierte Konzern gegen Rechnungslegungsvorschriften verstoßen hat, wie die Bafin am Freitag in Bonn und Frankfurt mitteilte. Die möglichen Verstöße stehen den Angaben zufolge im Kontext der About-You-Übernahme. Zalando habe im Anhang des Konzernabschlusses Angaben zu einer Transaktion mit einem nahestehenden Unternehmen im Rahmen des Erwerbs der About You möglicherweise fehlerhaft unterlassen. Da die Bafin die Prüfung öffentlich bekannt gemacht habe, werde sie die Öffentlichkeit über ihr Ergebnis informieren. "Dies geschieht unabhängig davon, ob sie bei der Prüfung Fehler in der Rechnungslegung feststellt oder nicht."

Internationale Nachrichten

US-Notenbanker besorgt über hohe Inflation

In den USA haben sich Notenbanker besorgt über die vergleichsweise starke Teuerung gezeigt. Die Inflation sei "zweifellos erhöht", sagte der Präsident der regionalen Notenbank von New York, John Williams, am Donnerstagabend bei einer Veranstaltung in Jersey City. Angetrieben werde sie durch eine Reihe von Gründen. Williams verwies auf höhere Zölle und auf den Energieschock infolge des Iran-Konflikts.

Darüber hinaus habe auch der Investitionsboom im Bereich der künstlichen Intelligenz (KI) zur verstärkten Teuerung in den USA beigetragen, sagte Williams. In den vergangenen Monaten haben viele US-Technologiekonzerne dank des KI-Booms ihre Investitionen hochgefahren und damit für eine stärkere Nachfrage und steigende Preise gesorgt.

Zwar hätten sich die Auswirkungen der Zölle durch die US-Regierung zuletzt abgeschwächt und die Energiepreise seien wieder gesunken, räumte Williams ein. Dennoch würden weiterhin Risiken für die allgemeine Preisentwicklung bestehen.

Auch der Notenbanker Austan Goolsbee erkannte eine besorgniserregende Entwicklung der Inflation im Bereich Dienstleistungen. Seiner Einschätzung nach könnte der jüngste Rückgang der Ölpreise die US-Wirtschaft beflügeln, sagte der Präsident der regionalen Notenbank von Chicago in der Nacht zum Freitag.

Laut jüngsten Daten ist die US-Inflation im Mai auf 4,2 Prozent gestiegen und damit auf den höchsten Stand seit etwa drei Jahren. In der vergangenen Woche hatte die US-Notenbank die Leitzinsen unverändert in der Spanne zwischen 3,50 Prozent und 3,75 Prozent belassen.

OpenAI erwägt Verschiebung seines Börsengangs auf 2027

OpenAI denkt laut New York Times ernsthaft daran, seinen Börsengang auf 2027 zu verschieben, da der rasche Kursrückgang bei SpaceX nach dessen Debüt sowie allgemeine Bewertungsbedenken bei KI-Unternehmen die Investorenstimmung gedämpft haben. Die Berater des Unternehmens wollen einen Börsengang nur dann vorantreiben, wenn eine Bewertung von über einer Billion Dollar gesichert ist – zuletzt wurde OpenAI mit rund 852 Milliarden Dollar bewertet. Gleichzeitig rückt Konkurrent Anthropic, der nach einer jüngsten Finanzierungsrunde mit 965 Milliarden Dollar nun als wertvollstes KI-Startup der Welt gilt, ebenfalls auf einen möglichen Börsengang zu.

Anleger rotieren aus KI-Hyperscalern in Halbleiter- und Zulieferaktien

Laut Marktbeobachtern verlassen Investoren zunehmend die großen KI-Infrastrukturfinanzierer wie Amazon, Alphabet oder Microsoft und kaufen stattdessen Unternehmen, die direkt von den KI-Ausgaben profitieren – insbesondere Chiphersteller. Der Halbleiterindex SMH legte im bisherigen Jahresverlauf bereits 107 Prozent zu, während die Mag-7-Aktien zusammen rund 8 Prozent verloren, obwohl sie hunderte Milliarden in eben jene Chips investieren. BCA Research erhöhte dennoch sein S&P-500-Jahresendziel auf 8.100 Punkte und verweist auf robustes Gewinnwachstum als stabilisierenden Faktor.

SoftBank bricht nach OpenAI-IPO-Berichten um 13 Prozent ein

SoftBank verlor nach den Berichten über eine mögliche Verschiebung des OpenAI-Börsengangs in Tokio bis zu 13 Prozent – der Konzern hält eine Beteiligung von rund 13 Prozent an OpenAI, die zum Zeitpunkt einer geplanten Vollkapitalisierung im Oktober mit rund 64,6 Milliarden Dollar bewertet werden sollte. Die Kursverluste kamen zu einem besonders ungünstigen Zeitpunkt: SoftBank hatte in der Woche zuvor noch 8 Prozent zugelegt. Neben dem OpenAI-IPO-Schock belastete auch ein Kursrückgang bei Arm Holdings die Aktie.

Google reorganisiert KI-Coding-Team im Wettbewerb mit Anthropic

Google plant laut einem Bericht von The Information, sein erst wenige Monate altes internes KI-Programmier-Spezialteam grundlegend umzustrukturieren, um gegenüber Anthropics Claude-Modellen aufzuholen. Neben Verbesserungen beim KI-Training soll das Team auch auf neue Aufgabenfelder wie Präsentationserstellung ausgeweitet und stärker formalisiert werden. Google äußerte sich auf Anfrage nicht zu den Berichten.

Bitcoin fällt unter 60.000 Dollar – US-Inflationsdaten verschärfen Druck

Bitcoin fiel auf rund 59.700 Dollar – ein Wochenverlust von fast 5 Prozent und ein Monatsminus von knapp 20 Prozent – nachdem neue US-PCE-Inflationsdaten für Mai einen Anstieg auf 4,1 Prozent gegenüber dem Vorjahr zeigten und damit Hoffnungen auf baldige Zinssenkungen der Fed dämpften. Innerhalb von 24 Stunden wurden am Krypto-Markt Positionen im Wert von über einer Milliarde Dollar zwangsliquidiert, wobei Long-Positionen auf Bitcoin allein 489 Millionen Dollar ausmachten. Unterhalb des aktuellen Kursniveaus sollen laut CoinGlass weitere gehebelte Long-Positionen im Umfang von 1,6 Milliarden Dollar liegen, die bei einem weiteren Kursrückgang kaskadierende Zwangsverkäufe auslösen könnten.

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Enthält Material von dpa-AFX

Häufig gestellte Fragen

Platzt jetzt die KI-Blase? Warum die OpenAI-Verschiebung und der Chip-Crash erst der Anfang sein könnten

Die Sorgen vor übertriebenen Bewertungen im KI-Sektor sind zurück. Da OpenAI seinen milliardenschweren Börsengang wegen gedämpfter Investorenstimmung auf 2027 verschieben will, reagieren die Märkte empfindlich: Die Aktie des Großinvestors SoftBank brach in Tokio um 13 Prozent ein. Gleichzeitig erfasst eine Verkaufswelle die Halbleiterbranche, wodurch deutsche KI-Profiteure und Chip-Zulieferer wie Infineon oder Aixtron vorbörslich bis zu drei Prozent einbüßten.

Stellenabbau und Bafin-Prüfung: Steht der deutsche Aktienmarkt vor einem dauerhaften Krisen-Herbst?

Die Fundamentaldaten für die deutsche Wirtschaft trüben sich massiv ein. Das Ifo-Beschäftigungsbarometer ist auf einen der schlechtesten Werte seit der Corona-Pandemie gefallen, da Unternehmen in der Industrie und im Handel vermehrt Stellen abbauen wollen. Zu diesen Konjunktursorgen kommt ein regulatorischer Schock für den DAX: Die Finanzaufsicht Bafin hat eine offizielle Prüfung des Konzernabschlusses von Zalando eingeleitet, da der Verdacht auf fehlerhaft unterlassene Angaben bei der Übernahme von About You besteht.

Bitcoin unter 60.000 Dollar: Droht durch die harte Fed-Zinspolitik jetzt die Milliarden-Liquidation?

Der jüngste Inflationsschub in den USA auf 4,2 Prozent zerstört die Hoffnungen der Anleger auf baldige Zinssenkungen durch die US-Notenbank Fed. Dieser geldpolitische Druck hat den Bitcoin unter die psychologische Marke von 60.000 Dollar gedrückt und innerhalb von 24 Stunden bereits über eine Milliarde Dollar an Zwangsliquidationen am Kryptomarkt ausgelöst. Da laut Daten von CoinGlass knapp unter dem aktuellen Kursniveau weitere gehebelte Long-Positionen im Wert von 1,6 Milliarden Dollar lauern, droht bei anhaltendem Abwärtsdruck eine kaskadenartige Verkaufswelle.