Finanzinvestor Guy Hands dürfte zufrieden sein. Deut­sche Annington, der Immo­ bilienkonzern, den der Brite mit seiner Beteiligungsfirma Terra Firma Capital Partners aufgebaut hat, steigt voraussichtlich im Sep­tember in den MDAX auf. Als Hands 2001 mit dem Kauf von 65 000 Woh­nungen aus dem Bundeseisenbahn­ vermögen startete, war das etwas Neues in der deutschen Immobilien­branche. In Großbritannien aber hatte Hands schon sechs Jahre zuvor mit Annington Homes Wohnungen aus dem Besitz des britischen Ver­teidigungsministeriums erworben.

Heute ist die deutsche Variante von Annington Homes mit ihrem bundesweiten Portfolio von mehr als 200 000 Apartments hierzulande die Nummer 1. Auch auf dem Parkett ist der Konzern mit 5,5 Milliarden Euro Börsenwert schon wesentlich schwerer als seine Rivalen LEG, Deutsche Wohnen, Gagfah und TAG. Weil Finanzinvestor und Großaktio­när Terra Firma den Marktführer im vergangenen Jahr jedoch in einem ungünstigen Umfeld aufs Parkett schickte und deshalb nur wenig An­teile abgab, startete Deutsche An­nington im kleinen Börsensegment SDAX. Nach dem Komplettausstieg des Großaktionärs ist der Weg für einen Index­Aufstieg jetzt frei. Der MDAX dürfte dabei nur eine Zwi­schenstation sein.

Dank der Größe des Portfolios, dem Schwerpunkt in bevölkerungs­reichen Bundesländern mit hoher Nachfrage nach Wohnraum und dem hohen Anteil des Kernportfolios von 95 Prozent hat der Konzern nach Ein­schätzung von Kapitalmarktexper­ten sogar das Potenzial, mittelfristig in den DAX aufzusteigen. Der Börsen­wert des Unternehmens liegt bereits jetzt über den 4,6 Milliarden Euro des DAX-Konzerns und Düngerspe­zialisten K+S. Zudem gilt Deutsche Annington als potenzieller Käufer des Rivalen TAG Immobilien, der sich zuletzt offen für eine Über­nahme zeigte.

Die Aussicht auf einen weiteren Index­aufstieg wird das Interesse institutioneller Anleger verstärken. Auch die Risiko suchenden Co­-Inves­toren des Terra­-Firma­-Beteiligungs­fonds, denen Deutsche ­Annigton-Aktien vor Kurzem übertragen wur­den, haben offensichtlich Interesse, weiter dabei zu sein: Die 90 Tage Haltefrist für ihre Anteile lief zu Wochenbeginn ohne auffällige Be­wegungen bei den Handelsvolumen der Aktie aus. Was Deutsche Anning­ton seinen Aktionären künftig bieten will, ist ein stabiles Geschäftsmodell mit geringem Risiko und nachhaltig hoher Dividendenrendite. Das schät­zen die künftig dominierenden In­vestoren, zu denen Versicherungen und Pensionskassen gehören.

Auf Seite 2: Neues Credo der Branche

NEUES CREDO DER BRANCHE

Deutsche Annington stellt sich auf die Ansprüche seiner neuen Aktio­näre ein. Rolf Buch, seit gut einem Jahr Chef der Konzerns, wirbt um deren Gunst: "Es ist eine Generation von Managern am Ruder, die das Wohnungsgeschäft stabil und auf lange Sicht betreibt. Einige Finanz­investoren wollten mit Wohnungsge­sellschaften durch Verkäufe schnelle Profite erzielen. Sie haben dabei nicht bedacht, dass das Wohnungs­geschäft ein langfristiges ist, und so fehlte oft auch ein Geschäftsmodell."

Das Geschäftsmodell des Markt­führers aus Bochum sei sehr gut skalierbar, sagt Buch und nennt Te­lekomkonzerne, die ihre Dienstleis­tungen Millionen Kunden anbieten, als Vorbild. "Warum soll ein Miet­wohnungskonzern nicht auch eine Million Kunden haben. Es gibt in Deutschland keine maximale Größe für ein Wohnungsunternehmen."

Den jüngsten Zukauf von 41 000 Wohnungen hat der Konzern zügig integriert und seine Strukturen auf eine deutlich größere Anzahl von Mietern vorbereitet. So wurde über die Gemeinschaftsfirma Deutsche TGS mit dem Partner B&O Service und Messtechnik eine eigene Hand­werkerorganisation aufgebaut.

Die 1800 Mitarbeiter sind mit einer ausgeklügelten Logistik bundesweit im Einsatz. Die Kosten für die Reno­vierung einer leerstehenden Woh­nung sind im Vergleich zu externen Angeboten nach Konzernangaben um mehr als ein Viertel niedriger.

Zudem kann der Marktführer so auch Wohnungen günstiger energie­effizient aufrüsten oder seniorenge­recht umbauen. Im laufenden Jahr sollen 11 000 Einheiten entspre­chend angepasst werden.

Damit sollten auch in dem neuen Kapitel bei Deutsche Annington deutliche Wertsteigerungen möglich sein. Finanzinvestor Hands gehören noch fünf Prozent der Anteile. Es ist also gut möglich, dass er noch eine Weile dabei bleibt.

Auf Seite 3: Investor-Info