Die Eigenkapitalverzinsung bei Betreibern wie E.ON oder der RWE-Tochter Innogy für Neuanlagen solle bei 6,91 Prozent liegen und bei 5,12 Prozent für Bestandsanlagen. Bislang hatte die Regulierungsbehörde Zinssätze von 9,05 Prozent und 7,14 Prozent genehmigt. Die Versorger warnten vor Verzögerungen bei dem für die Energiewende notwendigen Ausbau der Leitungen.

Die neuen Sätze gelten für fünf Jahre ab 2018 für Gasleitungen und ab 2019 für Stromleitungen. "Die Festlegung der Zinssätze spiegelt die seit längerem niedrigen Zinsen an den Kapitalmärkten wider", sagte der Präsident der Bundesnetzagentur, Jochen Homann. Diese Entwicklung müsse im Interesse der Verbraucher berücksichtigt werden. Auch mit den neuen Sätzen könnten die Betreiber die notwendigen Investitionen stemmen. "Investitionen in Netze bleiben attraktiv."

AUSWIRKUNGEN AUF STROM- UND GASPREISE OFFEN



Ob sich die neuen Sätze spürbar positiv für die Strom- und Gaskunden auswirken, ist offen. Die Netzgebühren machen am Haushaltkundenpreis für Strom etwa ein Fünftel aus und beim Gas ein Viertel. Die Investitionen sind jedoch nur ein Teil davon. Zudem gibt es gegenläufige Faktoren. So müssen nach Informationen der Nachrichtenagentur Reuters die Stromkunden künftig mehr für die Förderung des Ökostroms zahlen. Die Umlage dafür werde 2017 auf 6,88 Cent je Kilowattstunde von 6,35 Cent erhöht, sagten Insider.

Die Versorger äußerten sich enttäuscht über die Entscheidung der Netzagentur. "Wie sicherlich alle anderen Netzbetreiber auch bedauern wir die Entscheidung der Bundesnetzagentur", erklärte E.ON. Sie gehe an der unternehmerischen Wirklichkeit vorbei. Die Auswirkungen auf das Netzgeschäft würden geprüft. "Es ist nicht schön, war aber zu erwarten", sagte ein Sprecher der RWE-Ökostromtochter Innogy. Dort ist ebenso wie bei E.ON das Netzgeschäft der wichtigste Gewinnbringer.

"Der von der Bundesnetzagentur jetzt festgelegte Eigenkapital-Zinssatz liegt auf einem der letzten Plätze in Europa", kritisierte der Stromlobbyverband BDEW. Es bleibe abzuwarten, ob Investoren die erforderlichen Finanzmittel in Milliardenhöhe zügig bereitstellten. "Verzögerungen beim Netzausbau können wir uns nicht leisten." Auch die Stadtwerke, die viele Netze betreiben, warnten: "Die Absenkung um rund 25 Prozent für Neu- und rund 28 Prozent für Altanlagen gegenüber der letzten Regulierungsperiode hat massive negative Auswirkungen auf die Erlössituation der Verteilnetzbetreiber", klagte der Verband kommunaler Unternehmen (VKU).

Der Bundesverband neue Energiewirtschaft (bne) begrüßte hingegen die Entscheidung. Private Verbraucher, Handel, Gewerbe und Industrie würden um 2,5 Milliarden Euro entlastet. Der RWE- und E.ON-Konkurrent LichtBlick kritisierte die Entscheidung der Netzagentur als unzureichend. Die Netzkosten blieben der größte Kostentreiber der Energiewende. Die Renditen behinderten den Wettbewerb. "Es ist ein Skandal, dass Kunden von unabhängigen Anbietern wie LichtBlick unangemessene Netzgebühren zahlen müssen, mit denen RWE, EON und Co den teuren Umbau ihrer Konzerne finanzieren."

rtr