Ein global agierendes Start-up verblüfft in Wilhelmshaven mit einer einfachen Lösung für den klimafreundlichen Energieträger. Milliardeninvestitionen bringen Wachstum. Wie Anleger investieren.

Geht doch! Kurz vor Ostern erteilte die Bundesnetzagentur beschleunigt grünes Licht für den Bau des "Green Energy Hub"-LNG-Terminals des belgischen Wasserstoff-Start-ups Tree Energy Solutions (TES) in Wilhelmshaven. Neben konventionellem Flüssiggas (LNG) will TES dort auch grünes Methan (CH4), sogenanntes e-NG, importieren, dessen Wasserstoff mit regenerativer Energie erzeugt wurde.

TES will grünen Wasserstoff via Elektrolyse in einem globalen Netz aus Ländern mit hohen Anteilen von Wasser-,Solaroder Windenergie selbst herstellen und in transportfähiges electric natural gas (e-NG) verarbeiten, um es auch nach Wilhelmshaven zu verschiffen. An diesen Standorten kann e-NG wieder in Wasserstoff umgewandelt werden, während das Kohlendioxid in einen Kreislauf gespeist wird, um es erneut zur Herstellung von grünem Methan zu verwenden. Der Standort an Deutschlands einzigem Tiefseehafen, der auch für Tanker der Suez-Klasse geeignet ist, wird an das europäische Hochdruckgasnetzwerk, an das H2ercules-Wasserstoffnetz und an das CO2-Transportnetz von TES angeschlossen. Die ersten Lieferungen von LNG und "Grüngas" sind für 2026 geplant. Bis 2044 will TES mit seinen Partnern LNG vollständig durch e-NG ersetzen. Ab 2030 soll die Leistung kontinuierlich steigen, auf bis zu 250 Terawattstunden (TWh) pro Jahr, um damit mehr als fünf Millionen Tonnen Wasserstoff zu importieren und zu liefern.

Schätzungen zufolge könnten langfristig bis zu zehn Prozent von Deutschlands Primärenergiebedarf gedeckt werden. Weltweit könnte grünes Methan mit der Transformation in vielen Branchen ein Blockbuster grüner Energieträger werden. Marco Alverà, seit Sommer 2022 Chef von TES, erklärt den Ansatz: "Kunden nutzen den Wasserstoff, oder sie verwenden das grüne Methan und schicken uns später das Kohlendioxid zurück. Der Vorteil ist, dass die Infrastruktur für Erdgas, LNG und e-NG genutzt werden kann."

Wenn TES Strukturen baue, sei dies nicht für einen Übergang: "Es ist keine Brücke irgendwohin. Diese Anlagen werden für die Ewigkeit gebaut." Vor TES arbeitete der in New York geborene italienische Geschäftsmann für Öl-und Gaskonzerne zuletzt als Chef des italienischen Gasnetzbetreibers Snam. In den großen Unternehmen habe er viel über die Branche gelernt, dann sei er zur Überzeugung gekommen, dass für die Energiewende und die Energiesicherheit "agile Firmen" notwendig seien, sagt Alverà. Ein junges Unternehmen könne sich auf neue Ideen konzentrieren. Alverà startete seine Karriere bei der Investmentbank Goldman Sachs und ist nun in der Energiebranche und in der Finanzwelt bestens verdrahtet. Die TES-Gründer Marcel und Paul van Poecke sind seit geraumer Zeit bekannte Akteure im Energiesektor. Bei TES an Bord ist auch Europas größter Netzbetreiber Eon und die Banken HSBC und Unicredit.

Der Green Energy Hub in Wilhelmshaven ist eine von rund einem Dutzend Fabriken für grünen Wasserstoff und grünes Methan, die TES während der nächsten fünf Jahre weltweit bauen will. Im kanadischen Québec, wo die Belgier Wasserkraft nutzen, bauen sie für vier Milliarden Dollar eine Anlage, die ab 2028 jährlich 70 000 Tonnen grünen Wasserstoff produzieren soll, vor allem für e-NG. Es ist eine der größten Wasserstofffabriken, die Kanada bisher genehmigte. Das Land will mit ähnlich großzügigen Steuernachlässen wie bei Amerikas Inflation Reduction Act (IRA) bis 2050 rund 30 Prozent seines Energiebedarfs mit grünem Wasserstoff abdecken. In den USA baut TES mit Frankreichs Öl- und Gasriesen Totalenergies eine Fabrik mit einer jährlichen Kapazität von bis 200 000 Tonnen Wasserstoff.

Milliardenförderungen schieben jetzt an

Die milliardenschweren Förderungen in Nordamerika, in Europa und sehr wahrscheinlich auch in China bringen nun viel Bewegung ins Geschäft. Weltweit sind mehr als 1400 Projekte mit einer jährlichen Gesamtproduktionskapazität von 45 Millionen Tonnen für 2030 angemeldet, berichtet der Weltverband Hydrogen Council. Weltweit produziert werden aktuell knapp 0,9 Tonnen. Auf den ersten Blick also glänzende Perspektiven für 2030, auf den zweiten Blick werden die Unwägbarkeiten sichtbar: Von 45 Millionen Tonnen sind erst drei gesichert (siehe Grafik Seite 40). Mehr Tempo bei der Umsetzung, vom Bau über die Infrastruktur bis zur Produktion, ist dringend geboten. Um Überkapazitäten in der Produktion zu vermeiden, müsste auch die Nachfrage stark anziehen, mahnen die Experten.

Die milliardenschweren Einsparungen durch Steuererleichterungen locken in den USA auch Ölriesen wie Exxon Mobil ins Geschäft. Bei der Produktion von sogenanntem grauen Wasserstoff aus Erdgas investieren Amerikas Ölriesen Milliarden in Technologien zum Abfangen und Speichern von Kohlendioxid (Carbon Capture and Storage, CCS), um den Energieträger klimafreundlich zu machen. Der mit CCS gereinigte blaue Wasserstoff oder Low Carbon Hydrogen macht 90 Prozent der für 2030 gesicherten jährlichen Produktion von 1,8 Millionen Tonnen in Nordamerika, also USA plus Kanada, aus. Damit ist Nordamerika bei der aktuell gesicherten Produktion mit 58 Prozent der größte Markt, vor China mit 22 Prozent und Europa mit acht Prozent. Bei grünem Wasserstoff für 2030 sind die größten Märkte China mit 0,6 von 1,3 Millionen Tonnen und Europa mit sieben von acht Prozent Marktanteil. Auch Europas Öl- und Gasriesen, allen voran Totalenergies, setzen stark auf diesen Energieträger und unterscheiden sich darin von US-Konkurrenten.

Wasserstoff
Wasserstoff

Poleposition für Industriegasriesen

Bestens verankert im Zukunftsmarkt Wasserstoff und damit auch Top-Investments sind die Industriegasriesen Linde, Air Liquide und Air Products &Chemicals. Sie arbeiten sowohl in den Low-Carbon-Projekten von Amerikas Ölriesen als auch bei Anlagen für grünen Wasserstoff. Dort haben alle drei Allianzen mit Herstellern der sogenannten Elektrolyseure geschlossen, die zur Erzeugung von Wasserstoff mit Strom notwendig sind: Linde mit ITM Power aus Großbritannien, Air Liquide aus Frankreich mit Siemens Energy und der US-Konzern Air Products &Chemicals mit Thyssenkrupp Nucera. An den Niagarafällen nutzt Linde Wasserkraft für seine 35-Megawatt-Wasserstoffanlage mit Elektrolyseuren von ITM. Die Fabrik, die ab 2025 liefern soll, ist eines von mehreren Projekten des deutsch-amerikanischen Konzerns. Die Kooperationen werten die Technologien der Hersteller von Elektrolyseuren in dem schwierigen Zukunftsmarkt Wasserstoff auf und bringen die europäischen Spezialisten in den wichtigen Markt Nordamerika. Das sind gute Nachrichten für die Aktionäre der Zulieferer. Von Thyssenkrupp Nuceras Allianz mit Air Products &Chemicals profitiert auch Industrie De Nora. Die Mailänder Firma liefert unter anderem die Anoden für Thyssenkrupp Nuceras Elektrolyseure und ist ein langjähriger Partner und Großaktionär der Dortmunder.

Spezialisten für Effizienz bei Wasserstoff

Der Aufwind und der große Nachholbedarf beim Aufbau der Infrastrukturen für blauen und grünen Wasserstoff rücken für Anleger nun auch Industriekonglomerate wie ABB in der Schweiz und Alfa Laval in Schweden in den Blick. Ihre Technologien wie etwa Wärmetauscher von Alfa Laval oder Automatisierung von ABB verbessern die Effizienz von der Produktion über die Speicherung, die Verteilung und die Nutzung des Energieträgers.

Beispiel Alfa Laval: Mit 90 Jahren Erfahrungen mit Wärmetauschern sind die Schweden mit ihren Produkten bei Kühlung von Elektrolyseuren, bei der Reinigung des Wassers für Elektrolysen und für die Optimierung der Leistung von Brennstoffzellen, die mit Wasserstoff betrieben werden, und bei der Abscheidung von CO2 bei CCS und grünem Methan dabei. Beim Tanken von Wasserstoff liefern Wärmetauscher die notwendige Kühlung.

ABB liefert Ausrüstung wie Kompressoren und spezielle Pumpen für den Transport und die Lagerung von Wasserstoff sowie Soft-und Hardware für die Elektrifizierung. ABB Software optimiert auch den Energieverbrauch der Elekrolyseure.

Eine Pionierleistung der Schweizer ist das Komplettpaket aus Stromversorgung, Wasserstoffantrieb über Brennstoffzellen und Automatisierung für neue Containerschiffe des niederländischen Logistikkonzerns Samskip. Die zwei 135 Meter langen Schiffe, die als Back-up-Antrieb Dieselmotoren an Bord haben, sollen Ende 2025 geliefert werden.

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Wasserstoff-Aktien
Wasserstoff-Aktien

Investment-Alternativen zu den Einzel-Aktien

Wer breiter in den Megatrend Wasserstoff investieren will kann das über ein Zertifikat  (WKN LS9QTU) auf das Wikifolio Euro Wasserstoff Maxx tun. Die Redaktion des €uro-Magazins, eine Schwesterpublikation von BÖRSE ONLINE, hat das Portfolio für das Wikifolio zusammengestellt und betreut das Wikifolio. Infos über die Zusammensetzung des Portolíos unter diesem Link

Wer in Wasserstoff und weitere Megatrends investieren will für den bietet sich ein Zertifikat (WKN LS9SWT) auf das Wikifolio Euro am Sonntag Moat Kings an, in  dessen Portfolio auch Linde, der Weltmarktführer für Industriegase und langfristige Wasserstoff-Profiteur, enthalten ist. Konzerne wie Linde verfügen in ihren Märkten dank ihrer Größe und ihres krisenbewährten Geschäftsmodells über Wettbewerbsvorteile, die von Konkurrenten und Neueinsteigern nicht ausgeglichen werden können. Anlegerlegende Warren Buffett hat dafür den Begriff economic moat geprägt, hierzulande "wirtschaftlicher Burggraben". Das Wikifolio wird vom Autor des Artikels betreut. Aktuell im Wikifolio enthalten sind folgende "Moat-Könige" (alphabetisch): Adobe, Alphabet, Amazon, Apple, ASML, Berkshire Hathwaway, BlackRock, Costco Wholesale, Eli Lilly, Ferrari, General Electric, L'Oreal, Linde, LVMH, Novo Nordisk, Microsoft, MSCI, Nvidia, S&P Global, Synopsys, Uber Technologies, Visa und Walmart. Weitere Infos unter diesem Link

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