Donald Trump, der Präsidentschaftskandidat der Republikaner, würde ja am liebsten eine Mauer bauen zwischen den USA und Mexiko. Eine Barriere, die das Nachbarland seinen Vorstellungen nach sogar noch selbst bezahlen soll. Für Trump sind die Mexikaner allesamt Schurken und Dealer, mit denen er nichts zu tun haben will. Dabei übersieht er offensichtlich, wie wirtschaftlich eng verflochten die beiden Länder seit Langem sind. 50 Prozent aller Einfuhren nach Mexiko kommen aus den USA. Und sogar 80 Prozent der mexikanischen Ausfuhren werden in das nördliche Nachbarland verfrachtet.

Jüngstes Beispiel für das Miteinander: US-Autobauer Ford plant ein neues Werk für Kompaktwagen im Bundesstaat San Luis Potosí im Zentrum des Landes und investiert dafür 1,6 Milliarden Dollar. Zu beider Seiten Nutzen: Mexiko ist für Ford der viertgrößte Produktionsstandort. Das Unternehmen fertigt dort Autos für den amerikanischen und asiatischen Markt. Bis 2020 sollen in dem neuen Werk 2800 Arbeitsplätze entstehen. Ein weiteres Beispiel für die Verflechtung ist Coca-Cola FEMSA, ein Unternehmen, das - der Name verrät es schon - überwiegend für den US-Brausehersteller Coca-Cola die Getränke abfüllt. Wer also immer nur von China als "Werkbank der Welt" spricht, hat offensichtlich noch nichts von Mexiko gehört.

Mexiko ist aber auch ein Land, das für sagenhafte Ungleichgewichte steht. Die Hälfte der Bevölkerung ist arm, gleichzeitig gibt es im Land laut Wirtschaftsmagazin "Forbes" 14 Milliardäre. Carlos Slim etwa, der Chef des Mobilfunkkonzerns América Móvil, ist mit einem geschätzten Vermögen von 50 Milliarden Dollar der viertreichste Mensch der Welt.

Überraschende Aktionen



Abgesehen von der Armut im Land gibt es weitere große Probleme: etwa die Drogenkartelle, die Politik und Gesellschaft im Griff haben. Des Weiteren macht der niedrige Ölpreis der großen staatlichen Ölgesellschaft Pemex zu schaffen. Jedoch gab es zuletzt Hoffnungsschimmer: Notenbank-Gouverneur Agustín Carstens hat im Februar überraschend den Leitzins erhöht, um die seit Jahren andauernde Abwertung der Landeswährung Peso zu stoppen. Diese hatte zwar dem Exportsektor geholfen, aber eben auch Importe drastisch verteuert, und zudem schmolzen aufgrund der Währungsverluste die Gewinne am Aktien- und Anleihemarkt für ausländische Aktionäre und Anleihekäufer dahin. Das war eine gefährliche Entwicklung, schließlich wollte und will man ausländische Geldgeber nicht verprellen.

Ein weiteres Plus für Mexiko: Sollte sich die Wirtschaft in den USA erholen - und dafür gibt es ja Anzeichen -, dann stärkt das auch die Konjunktur beim südlichen Nachbarn. Und es scheint schon zu fruchten: Die Prognosen für das Wirtschaftswachstum wurden zuletzt angehoben, für das laufende Jahr geht man inzwischen von einem Plus von immerhin 2,6 Prozent aus. Grund hierfür: Der Einzelhandel und die Konsumkredite entwickeln sich gut. Mexiko drängt zudem auf eine Aktualisierung des Freihandelsabkommens mit der EU, um einen besseren Zugang für seine landwirtschaftlichen Produkte zu bekommen.

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Aussichtsreiche Zykliker



Vom Wirtschaftsaufschwung könnten Frühzykliker wie beispielsweise Cemex profitieren. Das Unternehmen agiert vor allem im Sektor Transportbeton und ist nach dem Schweizer LafargeHolcim der zweitgrößte Zementhersteller der Welt. Die Bewertung ist zwar nicht mehr ganz günstig, aber die Wachstumschancen machen das wett. Und auch charttechnisch ist die Aktie interessant.

Ähnliches gilt für Industrias Penoles, das zweitgrößte Bergbauunternehmen Mexikos. Der Konzern profitiert jetzt schon von den wieder anziehenden Rohstoffpreisen. Für beide Aktien gilt: unbedingt limitieren und auf die Spreads - die Differenz zwischen Kauf- und Verkaufskurs - achten. Letztere fallen je nach Börsenplatz höchst unterschiedlich aus. Zuletzt waren die Notierungen in Frankfurt und Berlin am günstigsten. Bei den größeren Unternehmen ist noch Warten angesagt: Walmart de México ist im Moment zu teuer, und bei América Móvil passt die Charttechnik nicht.

Wer es ganz entspannt möchte, setzt auf einen Index-ETF, der die Börse breit abbildet - etwa auf den X-trackers MSCI Mexico. Der Chart (unten) mag zwar nicht allzu verlockend aussehen, dies ist jedoch auch dem schwachen Peso geschuldet. Aber das dürfte sich ja bessern.





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