Eigentlich hätte Nabaltec einen guten Grund, sich vom Hype um die Elektromobilität anstecken zu lassen. Das Unternehmen stellt als einer von nur zwei Anbietern weltweit Böhmit her. Dieses Beschichtungsmaterial wird zunehmend in Lithium-Ionen-Akkus eingesetzt. Doch die Bayern bleiben konservativ. Für dieses Jahr erwartet der Hersteller flammschützender Füllstoffe bis zu zehn Prozent wachsende Umsätze und eine Ebit-Marge zwischen zehn und zwölf Prozent. Dabei dürfte Böhmit als Wachstumstreiber erst am Anfang stehen.

Bei dem weißen Pulver handelt es sich um Aluminium-Oxid-Hydroxid, mit dem wegen seiner hohen Hitzebeständigkeit Separatoren in Lithium-Ionen-Akkus beschichtet werden. Im Akku trennt der Separator Kathode von Anode und verhindert damit Kurzschlüsse. Je dünner dabei die Trennfolien, desto schneller das Laden und desto höher die Kapazität. Flache Membranen aber vertragen deutlich weniger Hitze als dickere Trennschichten, gerade beim Schnellladen entstehen jedoch hohe Temperaturen. Mit Böhmit beschichtet halten die Separatoren fast dreimal höhere Temperaturen aus, ohne dicker zu werden.

Neunmal höherer Bedarf


Da die Produktionskapazität für Lithium-Ionen-Akkus stark steigen soll, werden auch für Böhmit immer höhere Absatzmengen erwartet. Würde die Beschichtung für die Hälfte aller Akkus verwendet, könnte der Markt 2030 Schätzungen zufolge ein Volumen von 195 bis 240 Millionen Euro erreichen. Das entspräche dem Neunfachen der Menge, die Nabaltec gegenwärtig herstellt. Noch aber ist die weiße, pulvrige Substanz nur ein Nischenprodukt.

Im vergangenen Jahr stand Böhmit schätzungsweise für gut vier Prozent des insgesamt 176,7 Millionen Euro schweren Umsatzes. Weil die Beschichtung mit etwa 30 Prozent Ebit-Marge jedoch fast dreimal so profitabel ist wie die Hauptprodukte von Nabaltec, steuerte sie knapp elf Prozent zu den 18,5 Millionen Euro Ebit bei. Nachdem der Umsatz mit dem Separatorenschutz vergangenes Jahr um rund 60  Prozent wuchs, rechnen die Analysten des Investmenthauses Montega in den nächsten Jahren mit Wachstumsraten im mittleren bis hohen zweistelligen Prozentbereich. Selbst bei steigendem Wettbewerb und sinkenden Margen soll Böhmit daher "die Margenstruktur nachhaltig stärken".

Gleichzeitig haben die Bayern im Kerngeschäft mit flammhemmenden Füllstoffen, etwa für Kabelummantelungen und Spezialoxiden, die Preise erhöht, beliefern zudem ihre US-Kunden wieder direkt aus Texas und eröffnen ein neues Werk in den USA. Montega hält die Prognose daher für "sehr konservativ" und rechnet "mit einer nachhaltigen Beschleunigung des jährlichen Umsatzanstiegs" sowie wegen des Böhmit-Geschäfts einem "deutlich überproportional" wachsenden Ebit. Die Einnahmen sollen demnach bis 2021 um gut zehn Prozent zulegen, und die Marge soll 14 Prozent erreichen. In den kommenden Jahren dürfte damit zumindest an der Börse die Ansteckungsgefahr für den Hype steigen.