Teslas Börsenbewertung hängt stark an der Robotaxi-Fantasie. Doch diese Woche kündigte Nvidia an, autonomes Fahren zur Standardware zu machen – mit Partnern wie Uber und BYD. Das könnte Teslas Story Kratzer zufügen. Ein Check für Anleger.

Als Nvidia-Chef Jensen Huang diese Woche auf der hauseigenen GTC-Konferenz Auftragseingänge für KI-Infrastruktur in Höhe von einer Billion US-Dollar bis 2027 in Aussicht stellte, klang das erst einmal nach Rückenwind für die gesamte Tech-Branche. Für Tesla-Anleger allerdings steckte in Huangs Keynote eine vergiftete Botschaft: Denn Nvidia rechnet in diese Zahl erhebliche Erträge aus dem Geschäftsfeld „autonomes Fahren“ mit ein, das der KI-Platzhirsch mit Hilfe von Partnern standardisieren will. Dadurch könnte Teslas Story vom „Full Self Driving“ an Exklusivität verlieren.

Ein erheblicher Teil der Kurs-Fantasie bei Tesla hängt nämlich nicht mehr an den Autoverkäufen, sondern an der Idee, dass Tesla mit selbstfahrenden Autos und Robo-Taxis ein völlig neues Ertragsniveau erreichen wird.

Nvidia plant Robotaxis aus dem Baukasten

Nvidia positioniert seine DRIVE-Plattform dagegen als Brücke zwischen Künstlicher Intelligenz und allen etablierten Herstellern im Autosektor: Sie besteht aus Hardware wie dem Bordcomputer DRIVE AGX Thor plus einem Sensorpaket, inklusive Kameras und einer lasergestützten Abstandsmessung (Lidar). Das Versprechen: Autonomes Fahren soll für viele Hersteller und Flottenbetreiber nutzbar werden, ohne dass jeder von ihnen die gesamte Technik von Grund auf selbst entwickeln muss.

Das ist der Punkt, an dem es für Tesla kritisch wird. Denn Tesla verkauft mit „Full Self-Driving“ (FSD) ein eigenes, proprietäres System und arbeitet außerdem an einem Robo-Taxi (Cybercab), das Tesla sowohl selbst betreiben als auch an Dritte verkaufen will. Etwa an Flottenbetreiber wie Lyft oder Uber.

Nvidia macht Uber, BYD, Hyundai, Nissan zu neuen Konkurrenten für Tesla

Doch Uber plant nun zusammen mit Nvidia eine Flotte von DRIVE-basierten Robo-Taxis in 28 Regionen weltweit bis 2028. Dazu kommen Autohersteller wie BYD, Hyundai und Nissan, die DRIVE ebenfalls für autonomes Fahren nutzen wollen. Auch Mercedes kooperiert bereits mit Nvidia. Mehr Anbieter mit fortgeschrittenen Fahrerassistenz-Systemen im Markt bedeuten auch mehr Alternativen zu Teslas System – und Preisdruck.

Für Anleger bedeutet das: Wenn Nvidia und seine Partner die Zulassung für DRIVE bekommen – die Tesla übrigens in Europa immer noch nicht hat – gibt es für das autonome Fahren plötzlich eine Auswahl von Modellen am Markt, die allesamt gut genug sein könnten, um Tesla Marktanteile streitig zu machen. Damit sinkt die Wahrscheinlichkeit, dass Tesla mit seiner Technik eine monopolartige Marge durchsetzen kann.

Was heißt das für die Tesla-Aktie?

Die Bedeutung des autonomen Fahrens für Teslas Bewertung sei kaum zu überschätzen, warnt das US-Finanzmagazin „Barron’s“. Zumal die reine Nachfrage nach Elektroautos in wichtigen Märkten schwächelt und Teslas Auslieferungen zuletzt rückläufig waren. Dass der Aktienkurs trotzdem in den vergangenen zwei Jahren um 141 Prozent zulegen konnte, liegt fast ausschließlich an der Fantasie, dass Tesla sich über KI-trainierte Robo-Taxis bald ganz neue, sehr große Gewinnquellen erschließen wird.

Laut Barron’s bewertet zum Beispiel die Investmentbank Morgan Stanley allein Teslas FSD-Technologie mit rund 1,2 Billionen US-Dollar, was umgerechnet etwa 270 US-Dollar je Aktie entspricht. Das wären zwei Drittel des aktuellen Aktienkurses, der bei gut 400 Dollar liegt (Stand 18. März 2026)

Tesla (WKN: A1CX3T)

Wird aus Teslas Burggraben ein „Feature“?

Bisher wurde die Story einer eigenen, vollintegrierten Software-Plattform, die, von KI unterstützt, Tesla-Fahrzeuge zu Robo-Taxis macht, als Burgraben für das gesamte Geschäftsmodell aufgefasst. Die Pläne von Nvidia und seinen Partnern greifen dieses Narrativ nun frontal an: Wird aus autonomem Fahren dadurch nur noch ein Feature, das auch andere anbieten können? Wenn es Nvidia tatsächlich gelingen sollte, seine Technologie quasi frei verfügbar für eine große Anzahl an Autoherstellern zu machen, würden diese Funktion zwar ebenfalls als Premium-Ausstattung vermarkten – aber FSD böte nicht mehr den Stoff für Billionenbewertungen, warnt Barron‘s.

Elon Musk gibt sich noch gelassen. Er ließ verlauten, ihm bereite die Nvidia-Ankündigung keine schlaflosen Nächte. Man wird sehen.

Was Anleger jetzt prüfen sollten

Wer Tesla allein wegen der Robo-Taxi-Fantasie im Depot hat und noch keine Nvidia-Aktien besitzt, sollte sich überlegen, ob er den KI-Platzhirsch als möglichen zweiten Gewinner dieser Entwicklung jetzt beimischt.

Nvidia-Aktionären eröffnet sich dagegen mit der jüngsten Ankündigung die Aussicht auf einen weiteren, breiten Ertragsstrom für den KI-Platzhirsch. Das Potenzial wäre vermutlich beträchtlich. Bislang macht das Automotive-Geschäft gerade mal ein gutes Prozent vom Umsatz aus: Im Jahr 2025 setzte Nvidia in dieser Sparte 2,35 Milliarden Dollar um – verglichen mit 193,7 Milliarden Dollar im Geschäft mit Chips für KI-Rechenzentren.

Auch für klassische Autohersteller ist die Nvidia-Ankündigung eine wichtige Nachricht: Zum einen könnte ihnen die Technologie neue Absatz-Chancen eröffnen – auch im Flottengeschäft mit Mobilitäts-Anbietern wie Uber. Andererseits wäre die Nvidia-Technologie eine weitere Komponente, die Hersteller zukaufen müssten – was auf ihre eigenen Margen drückt. Von den deutschen Herstellern kooperiert bisher lediglich Mercedes mit Nvidia. Volkswagen hat eine Zusammenarbeit am Dienstag bereits öffentlich ausgeschlossen und BMW sieht nach den Worten des scheidenden Chefs Oliver Zipse in Qualcomm „einen starken strategischen Partner für die nächste Generation von Fahrerassistenzsystemen“.

Nvidia (WKN: 918422)

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Häufige Fragen und Antworten

Was bedeutet die Abkürzung FSD?

Autonomes Fahren heißt auf Englisch "Full self driving" und wird mit FSD abgekürzt. Vor allem Tesla nutzt den Begriff häufig und hat die Funktion in einigen seiner Fahrzeuge auch schon freigeschaltet. Allerdings handelt es sich um eine Beta-Version, die von den Zulassungsbehörden noch nicht endgültig freigebenen ist. Bisher muss der Fahrer jederzeit eingreifen können - auch wenn manche Tesla-Fahrer das System anders einsetzen. In Europa darf volautonomes FSD beispielsweise gar nicht eingesetzt werden.

Was ist die Lidar-Technologie?

LiDAR (Light Detection and Ranging) bezeichnet Systeme zur präzisen Abstandsmessung mittels Laserstrahlen. Dabei werden kurze Lichtimpulse ausgesendet, deren Reflexion an Objekten im Umfeld die Position, Struktur und Form in Echtzeit udn dreidimensional erfasst. Lidar wird wird häufig für autonomes Fahren und die Steuerung und Zielerkennung von Drohnen genutzt, die Technologie steckt zum Teil aber auch schon in Smartphones.

Welche Autohersteller kooperieren mit Nvidia beim autonomen Fahren?

Von den deutsschen Herstellern hat bisher nur Mercedes eine Kooperation mit Nvidia geschlossen. Bekannte Partner sind außerdem BYD, Hyundai und Nissan sowie der Fahrdienstleister Uber, der darauf hofft, seine Fahrer in naher Zukunft durch Robotaxis ersetzen zu können. 

Hinweis auf Interessenkonflikte
Der Vorstand und Mehrheitsinhaber der Herausgeberin Börsenmedien AG, Herr Bernd Förtsch, ist unmittelbar und mittelbar Positionen über die in der Publikation angesprochenen nachfolgenden Finanzinstrumente oder hierauf bezogene Derivate eingegangen, die von der durch die Publikation etwaig resultierenden Kursentwicklung profitieren können: Tesla, Nvidia.