Im Übernahmepoker um die Commerzbank beginnt der Showdown: Der Markt erwartet am Dienstag das verbindliche Übernahmeangebot von Unicredit. Fällt es sogar attraktiver aus, als bisher gedacht?

Es war in den vergangenen Tagen unübersehbar: Die Börsianer positionieren sich für die besten Plätze im Übernahmepoker um die Commerzbank. „Selbst spekulative Adressen wie Hedgefonds“ interessierten sich mittlerweile für die Aktie, schrieb die „Börsen-Zeitung“. Denn am Montag, den 4. Mai, findet die Hauptversammlung von Unicredit statt, auf der die Aktionäre die Kapitalerhöhung absegnen müssen. Mit den neuen Aktien will Unicredit dann die Commerzbank kaufen. Das offizielle – und damit verbindliche – Übernahmeangebot hat Unicredit-Boss Andrea Orcel in Interviews für Dienstag angekündigt, den 5. Mai.

Drei Tage später wird die Commerzbank-Chefin reagieren

Analysten hoben in den vergangenen Tagen ihre Prognosen und Kursziele für die Commerzbank-Aktie an, weil sie damit rechnen, dass Coba-Chefin Bettina Orlopp kurz darauf, am 8. Mai, mit den Quartalszahlen neue, noch ambitioniertere Finanzziele verkünden wird, um die Übernahme für Unicredit so teuer wie möglich zu machen – und damit abzuwehren.

Der „Unicredit-Put“

Das ist zwar für sich schon spannend genug. Doch zugleich macht rund um die Frankfurter Börse der Begriff vom „Unicredit-Put“ die Runde. Dieser treibe die Aktie zusätzlich an, heißt es. Denn Unicredit hat ja am 16. März bereits ein freiwilliges Angebot kommuniziert: 0,485 Unicredit-Aktien für eine Commerzbank-Aktie. Eingereicht wurde es jedoch nie. Am Freitag stand die Unicredit-Aktie bei 65 Euro. Damit entspricht das Angebot aktuell einem Commerzbank-Kurs von 31,52 Euro – und läge damit weit unter dem Schlusskurs von 34,54 Euro vom Freitag.

Doch zugleich sichert dieses Angebot die Aktie aus Sicht der spekulativen Anleger auch nach unten ab. So wie ein Put, der Aktionäre vor fallenden Kursen schützt. Der Put gilt, sofern die Unicredit-Aktie nicht selber abstürzt; was als unwahrscheinlich gilt, sofern sich Unicredit-Chef Andrea Orcel nicht überhebt.

Commerzbank (WKN: CBK100)

Bietet Unicredit sogar mehr?

In den vergangenen Tagen kam ein weiteres Szenario hinzu: Wird Unicredit womöglich sogar deutlich mehr bieten als ursprünglich angekündigt? Man habe „die Möglichkeit eines höheren Preises nicht ausgeschlossen“, sagte Orcel diese Woche in einem Interview mit der Frankfurter Allgemeinen Zeitung (FAZ). Dafür müsse er sich aber die Zahlen und Synergien zusammen mit der Commerzbank anschauen. Einen solchen Einblick des Konkurrenten in die eigenen Bücher lehnt Coba-Chefin Orlopp bisher strikt ab.

Die Börsianer erwarten ganz offensichtlich einen öffentlichen Ringkampf um den besten Preis, samt satter Prämie. So hat das Bankhaus Metzler sein Kursziel für die Commerzbank in dieser Woche auf 40 Euro angehoben, die Bank of America nennt sogar 42 Euro.

Es ist angerichtet – mögen die Spiele beginnen. Commerzbank-Aktionäre können dabei eigentlich nur gewinnen.

Unicredit (WKN: A2DJV6)

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Häufige Fragen zum Thema

Wieviel bietet Unicredit für die Commerzbank?

Unicredit hat am 16. März ein frewilliges Angebot für die Commerzbank per Pressemitteililung kommuniziert - aber nie offiziell eingereicht. Danach bietet Unicredit 0,485 eigene Aktien für eine Commerzbank-Aktie. Eine Barkomponente gibt es nicht. Auf Basis eines Unicredit-Kurses von 65 Euro (Stand 30.4.2026) entspricht das 31,52 Euro je Commerzbank-Aktie.

Wann wird Unicredit sein offizielles Angebot abgeben?

Unicredit lässt sich von seinen Aktionären am 4. Mai auf der Hauptversammlung eine Kapitalerhöhung genehmigen. Mit diesen neuen Aktien soll dann das Commerzbank-Angebot bezahlt werden. dDs offizielle Übernahemangebot wird einen Tag später, am 5. Mai erwartet.

Wie reagiert der Markt?

Die Commerzbank-Aktie notiert seit Wochen über dem rechnerischen Angebotspreis von Unicredit. Deshalb rechnen Analysten udn Investoren mit einer Anhebung der Offerte.

Hinweis auf Interessenkonflikte
Der Vorstand und Mehrheitsinhaber der Herausgeberin Börsenmedien AG, Herr Bernd Förtsch, ist unmittelbar und mittelbar Positionen über die in der Publikation angesprochenen nachfolgenden Finanzinstrumente oder hierauf bezogene Derivate eingegangen, die von der durch die Publikation etwaig resultierenden Kursentwicklung profitieren können: Commerzbank.