Der KI-Chipriese Nvidia hat seine Quartalszahlen gemeldet und am Tag danach bewegt sich die Aktie – gar nicht. Woran das liegt und warum das sogar ein gutes Zeichen ist.

Die Quartalszahlen, die Nvidia am Mittwochabend um 22:21 Uhr in die Welt hinaus sendete, waren ein echtes Brett: 81,6 Milliarden Dollar Umsatz von Januar bis März, eine fast unveränderte Rohertragsmarge von 74,9 Prozent und ein Gewinn je Aktie, der mit 1,87 Dollar (bereinigt) zehn Cent oder umgerechnet 5,6 Prozent über den Konsensschätzungen der Analysten lag.

Zum Vergleich: Damit macht Nvidia in einem Quartal so viel Umsatz wie BASF in einem ganzen Jahr.

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Gleichzeitig kündigte der KI-Platzhirsch, der bislang fast keine Dividende zahlt, ein Aktienrückkaufprogramm im Volumen von 80 Milliarden Dollar an. Man hat’s ja.

Die Börsenreaktion

Die Reaktion der Börse: Schulterzucken. Zwar ging der Kurs am Mittwochabend in den Minuten nach den Zahlen auf eine Achterbahnfahrt, fiel zeitweise um zwei Prozent ab, holte die Lücke dann aber binnen Minuten wieder auf – und lag am Ende gegen Mitternacht deutscher Zeit wie festgetackert etwas oberhalb von 23 Dollar. Genau da, wo die Aktie um 22 Uhr den offiziellen Handel beendet hatte.

Ist also gar nichts passiert? Ein Non-Event?

Weit gefehlt, denn bei näherem, Hinsehen hat Nvidia eine Menge über die Zukunft verraten – und die bietet sogar Potenzial für einen anhaltenden Kursanstieg.

Nvidia (WKN: 918422)

Die 5 wichtigsten Erkenntnisse aus den Quartalszahlen

1. Die Prognose

Zum Abschluss ihrer Zahlenmeldung gab Nvidias Finanzchefin Colette Kress einen Ausblick auf das 2. Quartal. Und der lag unerwartet deutlich über den Erwartungen: 91 Milliarden Dollar will Nvidia in Q2 umsetzen, 87,2 Milliarden lautet bisher die Konsenserwartung. Noch überraschender ist jedoch die prognostizierte Rohertragsmarge: Nvidia will die 75-Prozent-Marke halten. Das hieße, dass der Rohertrag noch einmal um zehn Prozent steigt. Vor allem bedeutet es: Egal, welche Konkurrenz Intel, AMD oder Broadcom zusammenlöten: Nvidia betrifft das nicht. Der Konzern kann seine Preise offenbar weiterhin durchsetzen, weil die Nachfrage immer noch größer ist als das Angebot.

Das ist auch eine gute Nachricht für alle anderen Hersteller von KI-Prozessoren wie Broadcom, AMD, Qualcomm oder Intel. Denn ohne Preiskampf werden auch ihre Margen auf dem gegenwärtigen, hohen Niveau bleiben – oder sich sogar verbessern.

2. Der Aktienrückkauf

Dass Nvidia Aktien zurückkauft, ist normal. Das Unternehmen tut das seit Jahren immer wieder, auch um seine eigenen Mitarbeiterprogramme (stock based compensation, SBC) bedienen zu können. Das Volumen von 80 Milliarden Euro war aber offenbar genau richtig gewählt: Nicht zu klein, damit der Kurs nicht im Zuge von „sell on good news“ absackt, und nicht zu groß, um die Aktie nicht überschießen zu lassen. Das zeigt: Der Nvidia-Vorstand um Jensen Huang und Colette Kress betreibt ein nahezu perfektes Erwartungsmanagement, von dem sich viele andere Konzern eine Scheibe abschneiden können. Zweistellige Kursauschläge, weil Zahlen den Markt auf dem falschen Fuß erwischen, sind bei Nvidia nicht zu erwarten.

Für Anleger bedeutet das: Die Zahlenevents von Nvidia werden nur noch selten Kurssprünge ausläsen. Es sind die anderen Nachrichten rund um den KI-Boom, während des Quartals, die zählen.

3. Die Bewertung

„Nvidia kauf ich nicht, die ist mir zu teuer und überbewertet“, hieß es oft von Anlegern, die bei dem KI-Pionier nicht investiert sind. Der Blick auf die nackten Zahlen zeigt: Das ist falsch. Heimlich, still und leise ist Nvidia in seien Bewertung hineingewachsen. Das KGV auf Basis der erwarteten Gewinne in 2026 steht bei 27, für 2027 sinkt es auf 19, danach auf 17. Für einen Hot-Stock in einem der am schnellsten wachsenden Märkte auf dem Globus ist das geradezu günstig – sofern das Wachstum tatsächlich noch Jahre anhält.

4. China

Wen man ein Haar in der Suppe finden will, dann ist es der Absatzmarkt China, der an Nvidia derzeit fast völlig vorbei geht. Erst war es das Exportverbot für H200-Chips, das die Regierung von Donald Trump erlassen hatte, um China im KI-Wettrenne Knüppel zwischen die Beine zuwerfen. Kürzlich hat Trump das Exportverbot aufgehoben. Doch jetzt wollen die Chinesen nicht mehr und untersagen ihren Unternehmen den Kauf der Nvidia-Technik. Stattdessen sollen sei beim einheimischen Tech-Riesen Huawei kaufen, der mit immer schnelleren Schritten aufholt.

Am Mittwochabend sagte Nvidia-Chef Jensen Huang, sein Unternehmen habe den chinesischen Markt für KI-Chips „weitgehend“ an Huawei verloren. „Die Nachfrage in China ist ziemlich groß“, sagte Huang gegenüber dem US-Börsensender CNBC. „Huawei ist sehr, sehr stark. Sie hatten ein Rekordjahr, sie werden wahrscheinlich, sehr wahrscheinlich, ein außergewöhnliches Jahr vor sich haben. Und ihr lokales Ökosystem aus Chip-Unternehmen läuft ziemlich gut, weil wir diesen Markt aufgegeben haben. (…) Wir haben diesen Markt wirklich weitgehend an sie abgetreten.“

Lauert also dort das große Problem für Nvidia? Es ist eher eine Chance. Die Quartalzahlen zeigen, dass das wertvollste Unternehmen der Welt derzeit auch ohne China sein Wachstum aufrechterhalten kann. Sollte sich die Tür ins Reich der Mitte doch wieder öffnen, etwa weil China Konkurrenz zulassen muss, um Huawei von Monopolpreisen abzuhalten, käme für Huang ein riesiges Umsatzpotenzial hinzu. Experten schätzen es auf 50 Milliarden Dollar im Jahr.

5. Neue Geschäftsfelder

Nvidia hat schon lange damit begonnen, neben dem Geschäft mit Chips und anderer Technik für KI-Rechenzentren, das mittlerweile 80 Prozent des Umsatzes ausmacht, weitere zukunftsträchtige Geschäftsfelder aufzubauen. So werden Nvidia-Chips auch in selbstfahrenden Autos oder humanoiden Robotern eingesetzt. Fast unbemerkt von schnellen Lesern hat der Konzern all diese Aktivitäten in ein neues Segment eingruppiert, das den Namen „Edge Computing“ trägt. Seim Umsatz stieg im 1. Quartal um 290 Prozent auf knapp 6,4 Milliarden Dollar. Das klingt noch nicht viel – aber diese Wachstumsraten hätten andere gerne.

Fazit für Anleger

Wer schon investiert ist, hält seine Nvidia-Aktien und nimmt, falls der Kursgewinn schon sehr hoch ist, vielleicht anfänglichen seinen Einsatz raus und lässt den Rest der Position weiterlaufen.

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Alle, die jetzt erst einsteigen wollen, müssen darauf vertrauen, dass der Nvidia-Vorstand weiterhin die Klaviatur der Analystenerwartungen perfekt spielt. Das KGV ist durchaus verlockend und reflektiert das Risiko, dass der KI-Boom eines Tages schlagartig abebbt, nur bedingt. Doch ohne Risiko keine Rendite.

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Häufig gestellte Fragen

Warum hat sich die Nvidia-Aktie nach den starken Quartalszahlen kaum bewegt?

Die fehlende Kursreaktion ist kein schlechtes Zeichen, sondern Ausdruck eines nahezu perfekten Erwartungsmanagements des Nvidia-Vorstands. Starke Zahlen waren bereits eingepreist.

Ist die Nvidia-Aktie trotz des hohen Kursniveaus noch günstig bewertet?

Gemessen an den erwarteten Gewinnen ist die Bewertung weniger hoch als oft angenommen. Das Kurs-Gewinn-Verhältnis auf Basis der 2026er-Schätzungen liegt bei 27, fällt für 2027 auf 19 und danach weiter auf 17. Für ein Unternehmen mit diesem Wachstumstempo in einem der dynamischsten Märkte der Welt gilt das als durchaus moderat – vorausgesetzt, das Wachstum hält noch mehrere Jahre an.

Wie gefährlich ist der Verlust des China-Geschäfts für Nvidia?

Nvidia-Chef Jensen Huang räumte ein, den chinesischen KI-Chip-Markt weitgehend an den einheimischen Anbieter Huawei verloren zu haben. Kurzfristig schmerzt das, doch die aktuellen Quartalszahlen zeigen, dass Nvidia sein Wachstum auch ohne China aufrechterhalten kann. Sollte sich der chinesische Markt künftig wieder öffnen, wäre das ein zusätzliches Umsatzpotenzial von geschätzten 50 Milliarden Dollar pro Jahr.

Hinweis auf Interessenkonflikte
Der Vorstand und Mehrheitsinhaber der Herausgeberin Börsenmedien AG, Herr Bernd Förtsch, ist unmittelbar und mittelbar Positionen über die in der Publikation angesprochenen nachfolgenden Finanzinstrumente oder hierauf bezogene Derivate eingegangen, die von der durch die Publikation etwaig resultierenden Kursentwicklung profitieren können: Nvidia.