Der dänische Energieversorger und Windparkbetreiber Ørsted hat sich seit dem Absturz auf ein Allzeittief im August wieder deutlich berappelt. Jetzt sendet die Aktie ein spannendes Kaufsignal. 

Der dänische Offshore-Wind-Spezialist Ørsted (Oersted) zählt zu den am stärksten geprügelten Titeln der Energiewende. Nach jahrelanger Talfahrt erreichte der Aktienkurs im August sein bisheriges Allzeittief bei nur noch 96,40 dänischen Kronen, umgerechnet 19,46 Euro. Doch seitdem berappelt sich der Kurs, die Aktie hat binnen fünf Monaten bereits 50 Prozent zugelegt. Dass die Erholung so dynamisch ausfällt, hat damit zu tun, dass die Dänen eine Reihe von Maßnahmen ergriffen haben, um ihr Geschäft dauerhaft zu stabilisieren. 

Verkaufserlöse und frisches Kapital stärkten die Bilanz

Ein Baustein war der Verkauf von Projektanteilen. Anfang November 2025 vereinbarte Ørsted den Verkauf von 50 Prozent an dem britischen Offshore-Windpark Hornsea 3 an die Beteiligungsgesellschaft Apollo. Dafür flossen rund 39 Milliarden dänische Kronen in die Kasse, umgerechnet 5,2 Milliarden Euro. Reuters schreibt, der Schritt sei wichtig gewesen, um eine drohende Herabstufung des Kreditratings zu vermeiden. Denn das Vertrauen der Anleger in das Management war damals nach einer Reihe von Abschreibungen, Wertkorrekturen und Gewinnwarnungen schon stark erschüttert.

Es folgte eine Kapitalerhöhung, in der Ørsted am 6. Oktober 2025 59,6 Milliarden dänische Kronen (8,0 Milliarden Euro) einnahm. Mit dem Geld wurde stärkere Eigenkapitalbasis für den kapitalintensiven Ausbau der verbliebenen Windpark-Projekte geschaffen. Die Dänen gehören zu den weltweit größten Entwicklern von Offshore-Windparks. Deshalb sind regelmäßig Vorfinanzierungen nötig. Die Bezugsrechte für die neuen Aktien mussten jedoch stark rabattiert werden, um überhaupt eine Nachfrage zu schaffen, was für die Altaktionäre eine massive Verwässerung ihre Anteile bedeutete. Das Unternehmen gehört zu 50,1 Prozent dem dänischen Staat.

Anhaltende Probleme in den USA

Der größte Unsicherheitsfaktor für das Unternehmen und seine Aktionäre ist und bleibt jedoch der US-Markt. Ende August 2025 stoppte die US-Regierung unter Donald Trump kurzerhand den Bau des 1,5 Milliarden Dollar teuren Windparkprojekts „Revolution Wind“ vor Rhode Island, das bereits zu 80 Prozent fertiggestellt war. Kurz vor Weihnachten erhielten „Revolution Wind“ und das Partnerprojekt „Sunrise Wind“ die Anweisung, ihre Aktivitäten für weitere 90 Tage auszusetzen. Ebenso wurden die Pachtverträge vorübergehend außer Kraft gesetzt.

Ørsted leitete dagegen rechtliche Schritte ein - und gewann. Am 13. Januar 2026 hob ein US-Gericht den Baustopp für „Revolution Wind“ wieder auf. Die Aktie stieg daraufhin deutlich. Der Fall zeigt zugleich das größte Risiko für Anleger in Ørsted: Sobald Projekte politisch oder regulatorisch ausgebremst werden, können Zeitpläne und Kosten nicht mehr eingehalten werden. Dann wären auch alle Prognosen des Unternehmens hinfällig.

Die Analysten sind sich nicht einig

Anfang Februar 2026 lieferte Ørsted Zahlen für das Geschäftsjahr 2025. Das Unternehmen meldete für im vierten Quartal einen deutlich höheren operativen Cashflow, die Nettoverschuldung sank stärker als von Anaysten erwartet auf 19 Milliarden Kronen. Zudem bekräftigte Ørsted seine Prognose, dass das EBITDA im Kernbetrieb im Jahr 2026 über 28 Milliarden Kronen liegen werde, und hielt an dem bereits kommunizierten Plan fest, ab dem Geschäftsjahr 2026 wieder eine Dividende zu zahlen.

Investoren und Analysten reagierten erleichtert. Wie niedrig die Erwartungen mittlerweile sind, zeigt ein Kommentar der Investmentbank Jefferies: Sie wertete die Tatsache, dass weitere negative Überraschungen aus- und die Zeitpläne für die US-Projekte unverändert blieben, als Pluspunkt. Dagegen kommentierte der Sydbank-Analyst Jacob Pedersen, er halte an seiner Verkaufsempfehlung fest. Auch andere Häuser bleiben vorsichtig. So hob die SEB Anfang Februar 2026 zwar ihr Kursziel auf 150 Kronen leicht an, rät aber dennoch weiterhin zum „Halten“.

Ørsted (WKN: A0NBLH)

Charttechnik sendet Kaufsignale

Vorausgesetzt, Ørsted wird in den USA nicht noch stärker ausgebremst, liefert der Chart mittlerweile regelmäßig Kaufsignale: Bereits Anfang November übersprang der Kurs die 50-Tage-Linie, fiel dann aber mit den schlechten Meldungen am 22. Dezember wieder dahinter zurück. Am gleichen Tag bildete die Aktie jedoch ein sogenanntes Pivot-Tief aus, das heißt sie drehte nach einem starken, erneuten Abverkauf intraday – und ist seitdem fast regelmäßig gestiegen.

Den entscheidenden Schritt machte der Ørsted-Kurs dann am 23. Januar: Der Kurs sprang über die – immer noch fallende – 200-Tage-Linie und bewegt sich seitdem stabil weiter nach oben. Da nun zudem die 50-Tage-Linie die 200-Tage-Linie von unten kreuzt, entsteht gerade das nächste Kaufsignal.

Mutige bauen daher jetzt erste, kleine Positionen auf. Damit der Aufschwung weitergeht, sollte es allerdings auch keine neuen Störfeuer vonseiten der US-Regierung geben. Aber selbst das dürfte mittlerweile im Kurs eingepreist sein.


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Hinweis auf Interessenkonflikte
Der Autor hält unmittelbar Positionen über die in der Publikation angesprochenen nachfolgenden Finanzinstrumente oder hierauf bezogene Derivate, die von der durch die Publikation etwaig resultierenden Kursentwicklung profitieren können: Ørsted.