So bewegt sich der DAX vor der wichtigen Fed-Zinsentscheidung am Abend. Im Fokus stehen diese Themen: BMW, SpaceX, Fresenius, Öl, Auto1, Microsoft, Oracle.

Der Dax könnte das Ringen um die 25.000-Punkte-Marke am Mittwoch vorerst verlieren. Zweimal ist der deutsche Leitindex in dieser Woche darüber schon abgedreht und nun droht ihm ein moderater Rücksetzer unter die Tausendermarke. Vorsicht prägt vor dem US-Zinsentscheid am Abend das Geschehen.

Knapp vor Handelsbeginn signalisierte der X-Dax als außerbörslicher Indikator für den Dax einen Start bei 24.835 Punkten. Damit liegt die Indikation 0,3 Prozent unter dem Schlussniveau vom Vortag. Auch die 21-Tage-Linie kommt damit wieder nah.

Der Marktbeobachter Jochen Stanzl vom Broker CMC Markets spricht von "Berührungsängsten mit den 25.000 Punkten". Es mangele dem Dax an einem "zündenden Funken" für den Ausbruch nach oben. Das Trendthema Künstliche Intelligenz (KI) und der fulminante SpaceX-Börsengang zögen zurzeit sehr viel Aufmerksamkeit auf sich, die anderen Märkten fehlten.

In New York hatte der SpaceX-Schwung am Vorabend jedoch merklich nachgelassen, bei Technologiewerten wurden dort generell Gewinne mitgenommen. Dem Dow Jones Industrial war zwar ein Rekord gelungen, doch in der Gesamttendenz hielten sich Anleger zurück angesichts der ersten Zinssitzung unter dem neuen Vorsitzenden Kevin Warsh. Dies zeigte sich dann auch in Asien.

Eine Zinsänderung wird nicht erwartet, aber im Mittelpunkt des Interesses stehen wohl Warshs Äußerungen. "Die Märkte wollen vor allem wissen, ob die Fed unabhängig bleibt oder ob der politische Einfluss des Weißen Hauses zunimmt", glaubt der Marktbeobachter Maximilian Wienke vom Broker eToro. Er sieht Warsh in einem Dilemma zwischen dem Kampf gegen die Inflation und der Forderung niedrigerer Zinsen durch US-Präsident Donald Trump. Sollten Zinserhöhungen in Aussicht gestellt werden oder Antworten ausweichend wirken, geht Wienke davon aus, dass dies die Nervosität der Anleger erhöhen würde.

DAX (WKN: 846900)

Bedenken bei Fresenius wegen Helios wohl übertrieben - Citigroup

Die US-Bank Citigroup hat die Einstufung für Fresenius nach einem Treffen mit dem Chef Michael Sen mit einem Kursziel von 53 Euro auf "Buy" belassen. Sorgen am Markt wegen neuer regulatorischer Vorgaben für Krankenhäuser in Deutschland seien übertrieben, schrieb Veronika Dubajova am Mittwoch. Dank des "Cluster"-Modells der Helios-Kliniken dürfte dieses Konzernsegment von möglichen neuen Vorgaben eher profitieren. Weniger gut vorbereitete Krankenhäuser könnten schließen, wodurch es zu einem Anstieg der Zahl zu versorgender Patienten kommen könnte. Auch dürften die vorgeschlagenen gesetzlichen Maßnahmen in Verhandlungen noch abgemildert werden.

Microsoft springt bei Oracle-Rechenzentrums-Deal wegen Sicherheitsbedenken ab

Microsoft hat laut Business Insider von der geplanten Anmietung eines Oracle-Rechenzentrums Abstand genommen, da Oracle sich weigerte, ein Sicherheitsframework für die Verarbeitung von US-Regierungsdaten zu implementieren – der Deal hätte einem Insider zufolge mehr als 3 Milliarden Dollar wert gewesen sein können. Microsoft prüft nun alternative Optionen, während beide Unternehmen sich zur Anfrage von Seeking Alpha nicht äußerten. Die Aktien beider Konzerne gaben am Dienstag nach – Oracle verlor 2,3 Prozent, Microsoft 1,5 Prozent.

Ölpreise nach zuletzt deutlichem Rückgang stabil

Die Ölpreise haben sich am Mittwoch im frühen Handel nach dem kräftigen Rückgang am Vortag stabilisiert. Der Preis für ein Barrel (159 Liter) Rohöl der weltweiten Referenzsorte Brent zur Lieferung im August lag zuletzt bei rund 79 US-Dollar und damit etwas über dem Stand vom Vorabend. In der Nacht war der Preis für die Nordseesorte noch bis auf 78,06 Dollar und damit auf den tiefsten Stand seit Anfang März gefallen.

Inzwischen liegt der Ölpreis für die Sorte Brent nur noch circa neun Prozent über dem Stand vor dem Iran-Krieg. Da der Iran nach dem Angriff durch Israel und die USA die für den Gas- und Ölhandel wichtige Straße von Hormus blockierte, zog der Preis in der Spitze bis auf mehr als 126 Dollar Ende April an.

Doch seitdem ging es wegen der Hoffnung auf ein Ende des Krieges und die damit einhergehende Freigabe der Straße von Hormus Schritt für Schritt wieder nach unten. Zuletzt hatten sich die USA und der Iran auf ein Rahmenabkommen zur Beilegung des Kriegs geeinigt. Das hatte die Ölpreise weiter gedrückt.

Allerdings sieht Rohstoffexpertin Thu Lan Nguyen von der Commerzbank in den kommenden Handelstagen nur ein begrenztes weiteres Abwärtspotenzial. "Einerseits gehen wir davon aus, dass die weiteren Verhandlungen zwischen den USA und dem Iran über ein neues Atomabkommen überaus holprig verlaufen dürften", schrieb die Expertin in einer Analyse am Vortag. Andererseits dürfte es selbst im Fall einer nachhaltigen Öffnung der Straße von Hormus noch geraume Zeit dauern, bis sich der Schiffsverkehr und damit die Energieexporte aus der Golfregion wieder normalisiert haben.

Devisen: Euro bleibt über Marke von 1,16 US-Dollar

Der Euro hat sich am Mittwoch über der Marke von 1,16 US-Dollar gehalten. Im frühen Handel kostete die europäische Gemeinschaftswährung 1,1607 US-Dollar und damit etwas weniger als am Vorabend. Die Europäische Zentralbank (EZB) hatte den Referenzkurs am Vortag auf 1,1594 Dollar festgesetzt.

Vor der Zinsentscheidung der US-Notenbank am Abend prägte Zurückhaltung das Geschehen. Bei der ersten Entscheidung unter dem neuen Notenbank-Chef Kevin Warsh wird zwar keine Änderung beim Leitzins erwartet. Die Sitzung könnte aber Hinweise liefern, welche Neuerungen er plant.

"Die Märkte wollen vor allem wissen, ob die Fed unabhängig bleibt oder ob der politische Einfluss des Weißen Hauses zunimmt", glaubt der Marktbeobachter Maximilian Wienke vom Broker eToro. Er sieht Warsh in einem Dilemma zwischen dem Kampf gegen die Inflation und der Forderung niedrigerer Zinsen durch US-Präsident Donald Trump.

Weltraum-Konzern SpaceX fünftteuerstes Unternehmen der Welt

Dank des Höhenfluges der SpaceX-Aktien ist der Weltraum- und KI-Konzern von Elon Musk nun das fünftwertvollste Unternehmen der Welt. Zum Handelsschluss am Dienstag legten sie gegenüber dem gestrigen Schlusskurs an der US-Technologiebörse Nasdaq um 4,8 Prozent auf 201,80 US-Dollar zu.

Damit schuf SpaceX schon an seinem dritten Handelstag eine historisch beispiellose Wertsteigerung um rund eine Billion Dollar seit der Erstnotiz. Und das Vermögen von Musk - dem ersten echten Billionär der modernen Menschheitsgeschichte - ist nach Berechnungen der Nachrichtenagentur Bloomberg schon nach den ersten zwei SpaceX-Handelstagen auf knapp 1,3 Billionen Dollar gestiegen.

Für weiteren Auftrieb sorgte am Dienstag die Nachricht, dass SpaceX offiziell die Übernahme des KI-Spezialisten Cursor besiegelt hat. Der Kauf des Start-ups für KI-Programmierung ist ein wichtiger Schritt für das Unternehmen in seinen Bemühungen, zu seinen Konkurrenten im Bereich der Programmierwerkzeuge aufzuschließen.

Zwischenzeitlich waren die Aktien von SpaceX um gut 17 Prozent nach oben geschnellt, woraus sich eine Marktkapitalisierung von fast 3 Billionen Dollar ergeben hatte. Damit hatte der Konzern beim Börsenwert sowohl den Handels- und Technologieriesen Amazon als auch den Softwaregiganten Microsoft überholt. Zum Handelsschluss musste SpaceX zwar wieder Microsoft den Vortritt lassen, war aber letztlich knapp mehr wert als Amazon und damit in puncto Marktkapitalisierung weltweit die Nummer fünf.

Zumindest vorerst noch in einer anderen Liga spielen die absoluten Schwergewichte. Der KI-Chip-Hersteller Nvidia als Platzhirsch ist mehr als fünf Billionen Dollar wert. Dahinter folgen der Google-Mutterkonzern Alphabet mit zuletzt 4,5 Billionen und Apple mit 4,4 Billionen Dollar.

Doch gerade die Kursentwicklung der Nvidia-Aktien in den vergangenen zwei Jahren ist ein Paradebeispiel dafür, wie schnell sich der Aufstieg eines Unternehmens vollziehen kann. Lange war Nvidia vor allem Computerspiel-Freaks wegen seiner schnellen Grafikkarten-Prozessoren ein Begriff. Doch dann sorgte der Boom um Künstliche Intelligenz und große Sprachmodelle wie den Chatbot ChatGPT, die sich besonders gut mit leistungsfähigen Prozessoren wie denen von Nvidia trainieren lassen, für eine Kursvervielfachung.

Marktexperte Stephen Innes sprach mit Blick auf SpaceX von "der mit Abstand interessantesten Aktie", die er jemals gehandelt und über die er geschrieben habe. Denn der Börsengang habe es geschafft, "alle modernen Marktbeschleuniger an dieselbe Rakete zu schnallen", unter anderem die Begeisterung der Privatanleger, die Knappheit des Streubesitzes und den "Elon-Bewertungsaufschlag".

BMW enttäuscht mit gekappter Prognose und reißt Branche mit

Nach massiven Prognosesenkungen von BMW stehen die Aktien am Mittwoch klar unter Druck. Der unerwartete Schritt belastet die gesamte Auto-Branche. Auf der Handelsplattform sackten BMW-Papiere vorbörslich mit 62,86 Euro auf das tiefste Niveau seit Herbst 2020 ab. Sie verloren gegenüber dem Xetra-Schluss vom Vortag rund 7,5 Prozent. Auch Mercedes-Benz gerieten mit minus 3 Prozent in den Sog.

Der Experte Jose Asumendi von JPMorgan sprach von einem "Weckruf für die Autobranche". Aus seiner Sicht muss BMW seine Strategie im Kompaktsegment in China komplett überdenken. Hier seien momentan alle europäischen Premiumhersteller preislich nicht konkurrenzfähig.

Experte Henning Cosman von Barclays attestierte eine "dicke Margenwarnung". Das schiere Ausmaß spreche dagegen, dass die Prognosesenkung als entlastendes Großreinemachen empfunden werde.

Eine kleine Beruhigungspille verteilte derweil Experte Christian Frenes von Goldman Sachs. Denn immerhin sei die Ausschüttungspolitik unverändert geblieben. BMW habe die Möglichkeit, die Aktienrückkäufe angesichts der schwachen Kursentwicklung aufzustocken. Diesbezüglich könnten die Markterwartungen sogar zu niedrig liegen. In Reaktion auf die Prognosesenkung rechnet freilich auch er mit deutlich sinkenden Gewinnschätzungen.

Auto1 zieht an - Absatzziel stützt nach Rückschlag am Vortag

Die Aktien von Auto1 können am Mittwoch vorbörslich wieder Boden gut machen nach einem Rückschlag am Vortag. Während Autobauer wie BMW mit Absatzproblemen kämpfen, will der Gebrauchtwagenhändler seine Absätze kräftig steigern.

Am Dienstag hatte die Aktie nach gutem Lauf einen Rückschlag um mehr als fünf Prozent bekommen. Nun zog der Kurs auf der Plattform Tradegate im Vergleich zum Xetra-Schluss wieder um fünf Prozent an in Richtung der 25-Euro-Marke, deren Erreichen zuletzt ein Hoch seit Anfang Februar bedeutet hatte.

Wie Auto1 zum Kapitalmarkttag mitteilte, wird ein Absatz von 1,5 Millionen Fahrzeugen als nächstes Zwischenziel angepeilt. Im vergangenen Jahr hatte das MDax-Unternehmen gut 842.000 Fahrzeuge ausgeliefert. Für das laufende Jahr ist weiterhin ein Absatz von bis zu einer Million angepeilt - auch die übrigen 2026er-Ziele wurden bestätigt. Viel Dynamik verspricht sich Auto1 vor allem im Privatkundenbereich.

Enthält Material von dpa-AFX

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Häufig gestellte Fragen

Warum bricht die BMW-Aktie nach der Prognosesenkung so stark ein?

BMW-Papiere fielen vorbörslich um rund 7,5 Prozent auf das tiefste Niveau seit Herbst 2020, nachdem der Konzern seine Jahresprognose massiv gekappt hatte. JPMorgan-Experte Jose Asumendi spricht von einem Weckruf für die gesamte Autobranche, da BMW seine Strategie im chinesischen Kompaktsegment komplett überdenken müsse. Auch Mercedes-Benz geriet mit einem Minus von 3 Prozent in den Sog der Branchenwarnung. Einziger Lichtblick laut Goldman Sachs: Die Ausschüttungspolitik bleibt unverändert, und BMW könnte angesichts der schwachen Kursentwicklung sogar mehr Aktien zurückkaufen als bisher erwartet.

Worauf wartet der Markt bei der ersten Fed-Zinsentscheidung unter dem neuen Chef Kevin Warsh?

Eine Zinsänderung wird nicht erwartet, im Fokus stehen vielmehr Warshs Aussagen zur Unabhängigkeit der Notenbank. Marktbeobachter Maximilian Wienke sieht Warsh in einem Dilemma zwischen dem Kampf gegen die Inflation und der Forderung niedrigerer Zinsen durch US-Präsident Trump. Sollten Zinserhöhungen in Aussicht gestellt werden oder Antworten ausweichend wirken, dürfte das die Nervosität an den Märkten deutlich erhöhen.

Wie schnell ist SpaceX zu einem der wertvollsten Unternehmen der Welt aufgestiegen?

Bereits am dritten Handelstag hat SpaceX eine Wertsteigerung von rund einer Billion Dollar seit der Erstnotiz erzielt und ist mit einer Marktkapitalisierung von zeitweise fast 3 Billionen Dollar zum fünftwertvollsten Unternehmen der Welt aufgestiegen. Elon Musks Vermögen kletterte dadurch nach nur zwei Handelstagen auf knapp 1,3 Billionen Dollar. Zusätzlichen Auftrieb lieferte die offizielle Übernahme des KI-Programmier-Start-ups Cursor, mit der SpaceX zu Konkurrenten im Bereich der KI-Programmierwerkzeuge aufschließen will.