Im Übernahmepoker um die Commerzbank wird es ernst: Unicredit hat am Dienstag (5. Mai 2026) wie erwartet ein offizielles Angebot für die Frankfurter vorgelegt. Was Aktionäre jetzt wissen müssen.
Was will Unicredit?
Unicredit-Chef Andrea Orcel plant die Übernahme der Commerzbank – vollständig oder auf jeden Fall mehrheitlich. Das Angebot, das Orcel dafür am Dienstag (5. Mai) vorgelegt hat, dürfte dafür aber nicht reichen. Allerdings hat der Unicredit-Boss immer wieder darauf hingewiesen, dass er Gespräche mit dem Commerzbank-Vorstand einer feindlichen Übernahme vorziehen würde. Da Orcel allerdings auch Einblick in die Bücher verlangt, um mögliche Synergien abschätzen zu können, lehnt die Commerzbank bisher jegliche Gespräche ab.
Wie viele Aktien der Commerzbank hat Unicredit schon?
Unicredit hat nach jüngsten Angaben insgesamt direkt (über Aktien) und indirekt (über Optionen) Zugriff auf knapp unter 30 Prozent der Commerzbank-Anteile.
Was bietet Unicredit?
Unicredit hat am Dienstag, 5. Mai, ein offizielles Übernahmeangebot eingericht, das sich mit dem am 16. März kommunizierten freiwilligen Übernahmeangebot deckt. Danach bietet Unicredit 0,485 eigene Aktien für jede Commerzbank-Aktie. Eine Barkomponente ist demnach nicht geplant.
Zum Unicredit-Kurs von rund 67 Euro am Dienstagmittag das etwa 32,50 Euro je Commerzbank-Aktie. Damit bewertet das Angebot die Commerzbank mit rund 35 Milliarden Euro. Doch die Offerte läge weit unter dem aktuellen Kurs der Commerzbank, deren Aktie am Dienstag bei gut 35 Euro notierte.
Wird Unicredit das Angebot aufstocken?
Davon ist auszugehen, denn zum bisher kommunizierten Preis würde kein Commerzbank-Aktionär die Offerte annehmen. Auffällig ist jedoch, dass Commerzbank-Aktie und Unicredit-Aktie sich seit Tagen mehr oder weniger parallel bewegen. Der Markt preist also schon ein höheres Gebot ein.
Was sagen die Analysten?
Das Bankhaus Metzler hat ihr Kursziel für die Commerzbank-Aktie vergangene Woche auf 40 Euro angehoben, die Bank of America setzt sogar 42 Euro an. Beide begründen das mit einem höheren Gewinnpotenzial der Commerzbank. Die neuen Finanzziele werde Commerzbank-Chefin Bettina Orlopp zusammen mit den Quartalszahlen am kommenden Freitag kommunizieren.
Wie ist der Zeitplan?
Bereits erfolgt:
16. März 2026: Unicredit legt per Pressemitteilung ein freiwilliges Übernahmeangebot für die Commerzbank vor, reicht dieses aber noch nicht bei den Behörden ein.
4. Mai: Auf einer außerordentlichen Hauptversammlung der Unicredit in Mailand beschließen die Aktionäre eine Kapitalerhöhung um bis zu 470 Millionen Aktien im Nominalwert von bis zu 6,7 Milliarden Euro, um die Übernahme der Commerzbank zu finanzieren.
5. Mai: Unicredit hat den Aktionären der Commerzbank ein offizielles Übernahmeangebot unterbreitet. Ziel dürfte sein, zusammen mit den bereits gesicherten Aktien auf einen Anteil von mindestens 51 Prozent zu kommen.
Erwartet:
8. Mai: Die Commerzbank legt Zahlen für das erste Quatral vor. Vorstandschefin Bettina Orlopp wird den Termin nutzen, um sich zu dem Unicredit-Angebot zu äußern. Analysten erwarten, das Orlopp neue Finanzziele vorstellen wird, um zu beweisen, dass die Commerzbank ohne Unicredit rentabler sein kann als nach einer Übernahme.
Noch offen: Die Bundesregierung, mit zehn Prozent zweitgrößter Commerzbank-Aktionär nach Unicredit, äußert sich zum Übernahmeangebot.
Noch offen: UniCredit stockt die Offerte auf - zum Beispiel durch eine Barkomponente.
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Hinweis auf Interessenkonflikte
Der Vorstand und Mehrheitsinhaber der Herausgeberin Börsenmedien AG, Herr Bernd Förtsch, ist unmittelbar und mittelbar Positionen über die in der Publikation angesprochenen nachfolgenden Finanzinstrumente oder hierauf bezogene Derivate eingegangen, die von der durch die Publikation etwaig resultierenden Kursentwicklung profitieren können: Commerzbank.