Ein Anteilsverkauf sollte die Bilanz dieses deutschen Chemiekonzerns erheblich entlasten. Jetzt ist der Deal erst einmal geplatzt – die Aktie fällt zweistellig.
Die Aktie des Chemiekonzerns Lanxess kommt am Freitag heftig unter die Räder: Zeitweilig verlor das Papier fast 20 Prozent, um 17.30 Uhr notierte die Aktie immer noch mehr als 16 Prozent im Minus bei 13,71 Euro.
Grund dafür ist, dass Lanxess eine fest eingeplante Transaktion nicht vornehmen kann, die die schuldenbeladene Bilanz entlasten sollte: Der Spezialchemiekonzern wird seine Anteile an dem Gemeinschaftsunternehmen Envalior in diesem Jahr nicht an den Joint-Venture-Partner und Finanzinvestor Advent verkaufen. Der Finanzinvestor habe Lanxess diese Entscheidung mitgeteilt und sich dabei auf den vereinbarten Finanzierungsvorbehalt berufen, teilte der MDax Konzern bereits am Donnerstagabend mit.
Anleger fliehen, Analysten gelassen
Für Analyst Chetan Udeshi von der US-Bank JPMorgan halten die Bilanzsorgen bei Lanxess damit an. Sie gelten schon länger als das dominierende Thema der Aktienstory. Am Markt sei aber eine geringe Wahrscheinlichkeit für den Abschluss der Transaktion 2026 bereits eingepreist gewesen, schreibt Udeshi. Er halte die Ankündigung daher für keine große Überraschung.
Auch Anil Shenoy von Barclays hatte so etwas weitgehend erwartet. Der Fokus werde sich nun auf die Verschuldung und das freie Barmittelprofil von Lanxess verlagern, so der Analyst.
Christian Bell von der UBS befürchtet dagegen, dass Lanxess nun bei den Rating-Agenturen den „Investment Grade“-Status verlieren könnte. Damit würden die Finanzierungskosten für das recht hoch verschuldete Unternehmen steigen.
Das sind die nächsten Etappen des Deals
Die Kölner selbst sehen sich dagegen auch ohne die Einnahmen aus dem Anteilsverkauf langfristig solide finanziert. Die Rückzahlung einer im Oktober fälligen Anleihe sei bereits gesichert, so das Unternehmen. Lanxess hatte eigentlich geplant, durch den Verkauf seiner Anteile 1,2 Milliarden Euro einzunehmen. Es geht um rund 41 Prozent an Envalior. Nun gälten die für 2027 und 2028 vereinbarten Ankaufsrechte, hieß es bei Lanxess.
Laut den Verträgen steht Advent im Jahr 2027 ein Erwerbsrecht für die Anteile zum selben Kaufpreis wie im Jahr 2026 zu. Wird dieses nicht ausgeübt, lebt das Andienungsrecht von Lanxess zum 1. April 2028 nach dem gleichen Bewertungs- und Vollzugsmechanismus wieder auf. Im Jahr 2028 steht der Erwerb der Hälfte der von den Kölnern gehaltenen Beteiligung dann jedoch nicht mehr unter einem Finanzierungsvorbehalt oder anderen Bedingungen. Heißt: Dann muss Advent sie kaufen.
Envalior ist ein Spezialist für technische Hochleistungswerkstoffe. Das Unternehmen war im Frühjahr 2023 gegründet worden und entstand durch die Fusion des Bereichs Engineering Materials des niederländischen Konzerns Royal DSM und Lanxess High Performance Materials.
Die Aussichten für Aktionäre
Das Management von Lanxess hatte sich Anfang November bereits in einem weiterhin schwierigen Wirtschaftsumfeld vorsichtiger für die Gewinnentwicklung 2025 gezeigt. Konzernchef Matthias Zachert rechnete für 2025 zuletzt mit einem um Sondereffekte bereinigten Gewinn vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) am unteren Ende der bisher avisierten Spanne von 520 bis 580 Millionen Euro.
Für die Aktie, die sich seit Jahren in einem stabilen Abwärtstrend befindet, ist die Meldung natürlich fatal. Für Anleger gibt es im Moment wenig Gründe zuzugreifen. Die BÖRSE ONLINE-Redaktion hatte zuletzt Ende Juli 2025 einen Stoppkurs bei 16,50 Euro ausgeben. Auch dieser wurde heute gerissen.
Enthält Material von dpa-AFX