Der Goldpreis bricht derzeit ein. Das steckt konkret dahinter und Anleger sollten jetzt auf diese Niveaus achten bei denen wieder Kaufchancen eintreten könnten.
Der Goldpreis hat seine jüngste Schwächephase ausgeweitet und notiert aktuell bei rund 4.720 US-Dollar je Feinunze, nachdem er bereits im Vorfeld des jüngsten Fed-Entscheids deutlich unter die Marke von 5.000 Dollar gefallen war. Bemerkenswert ist, dass selbst die Eskalation im Nahen Osten bislang keine nachhaltige Flucht in den „sicheren Hafen“ ausgelöst hat. Nach einem kurzfristigen Anstieg auf über 5.400 Dollar drehte der Trend klar nach unten. Wir erklären, was fundamental dahintersteckt und was (chart-)technisch nun wichtig ist.
Fundamentale Hintergründe für den jüngsten Goldabverkauf
Als zentrale Belastungsfaktoren gelten der starke US-Dollar (lesen Sie dazu auch unseren Bericht vom 16.3.2026 "Steigt der Dollar jetzt noch weiter? Das müssen Sie bei Ihren Aktien, Gold und Bitcoin beachten") sowie die veränderten Zinserwartungen für die USA:
Eine festere US-Währung verteuert Gold für internationale Käufer und dämpft die Nachfrage. Gleichzeitig rechnet der Markt inzwischen nicht mehr mit zwei Zinssenkungen in diesem Jahr. Die US-Notenbank hält angesichts erhöhter Inflationsrisiken an ihrer restriktiven Geldpolitik fest und belässt den Leitzins bei 3,5 bis 3,75 Prozent, da der von Trump und der israelischen Regierung vom Zaun gebrochene Irankrieg die Energiepreise in die Höhe schnellen ließ und damit das Inflationsrisiko wieder befeuert hat. Als Folge des veränderten Zinsausblicks sind nun renditestarke Alternativen zu Aktien und Gold, also Anleihen, wieder attraktiver – vorausgesetzt, die Anleger befürchten keinen Zahlungsausfall des Gläubigers.
Zusätzlichen Druck auf den Goldpreis kam auch daher, dass der Irankrieg bei einigen Investoren den Liquiditätsbedarf erhöhte und sie diesen durch Goldverkäufe bedienten.
Das ist nun (chart-)technisch für Goldanleger wichtig
Zunächst lohnt sich aber ein Blick zurück, denn wer aus der Geschichte nichts lernt, ist verdammt, sie zu wiederholen:
Der Tageschart kündigte den jüngsten Abverkauf lehrbuchmäßig an:
Am 29. Januar 2026 markierte Gold noch sein Allzeithoch bei knapp 5599 US-Dollar. Anschließend brach der Goldkurs massiv ein, um sich danach wieder auf 5.419 US-Dollar zu berappeln, bevor es neuerlich nach unten ging. Und dies war der erste Warnschuss: Das Zwischenhoch bei 5.419 US-Dollar lag tiefer als das vorherige Hoch. Als der Goldkurs hiernach mit nur noch 5.239 US-Dollar nochmals ein tieferes Zwischenhoch als zuvor ausbildete, war klar, dass mit hoher Wahrscheinlichkeit ein Trendwechsel erfolgt ist und es nun vorderhand abwärts gehen wird (vgl. orange Pfeile in untenstehender Darstellung).
Wichtig ist nun in charttechnischer Hinsicht, dass die Unterstützungslinien bei rund 4.650 US-Dollar, bzw. die massive Unterstützung bei 4.380 Dollar, halten (die diversen interessanten Unterstützungslinien des Goldcharts sind in der nachfolgenden Abbildung in Türkis und Grün dargestellt). Bereits durchbrochene Unterstützungslinien gelten für die Zukunft übrigens als Widerstände.
Die technischen Indikatoren hierfür sehen aber eher düster aus, denn auf Tageschartbasis sehen wir einen bärisch ansteigenden ADX (also eine Indikation für einen sich noch verstärkenden Abwärtstrend in naher Zukunft) sowie auch einen bärischen MACD (blaue Markierungen in der untenstehenden Grafik). Auf Wochenbasis, also mittelfristig betrachtet, hellt sich das Bild leider ebenfalls nicht auf: Auch hier findet sich ein bärischer MACD (blaue Markierung in der übernächsten Abbildung).
Die gleitenden Durchschnittskurse könnten dem Goldpreis allenfalls Support bieten:
Mögliche Unterstützungen finden sich derzeit – wie die untenstehende Abbildung zeigt – bei 4.632 US-Dollar (100-Tage-Linie), bzw. bei 4.196 US-Dollar (200-Tage-Linie), 4.069 US-Dollar (50-Wochen-Linie). Und im worst-case-Szenario bei 2.897 US-Dollar, wobei ein Absacken auf dieses Niveau aufgrund der fundamentalen Umstände als ziemlich unwahrscheinlich zu betrachten ist und hier nur der vollständig wegen erwähnt wird.
Fazit
Für den Goldpreis dürfte es vorderhand weiter abwärts gehen. Anleger warten mit Vorteil eine Beendigung dieses Trends ab und greifen dann wieder zu.
Anleger, die nicht auf Rohstoffe setzen wollen, werden vermutlich mit dem «Stabile Werte Index» glücklicher.
Sie wollen wissen, wo sie Aktien am günstigsten handeln können? Dann ist unser Broker-Vergleich Ihre nächste Lektüre.
Häufige Fragen zu Gold:
Was sind die größten Vorteile von Gold?
In physischer Form besitzt Gold kein Kontrahentenrisiko und gilt seit Generationen als wirksamer Krisen-, Vermögens- und Inflationsschutz. Im Gegensatz zu den beiden wichtigsten Anlageklassen Aktien und Anleihen kann man mit Goldmünzen und -barren sowie bestimmten Gold-ETCs nach einer Haltedauer von einem Jahr steuerfreie Kursgewinne realisieren.
Und was spricht möglicherweise gegen Gold?
Gold zahlt weder Zinsen noch Dividenden und kann lediglich durch eine wachsende Wertschätzung Renditen erzielen. Außerdem fallen bei sicherer Verwahrung von physischem Gold Lagerkosten an.
Sind bei allen in Deutschland handelbaren Gold-ETCs realisierte Kursgewinne nach einer Haltedauer von einem Jahr steuerfrei?Nur, wenn deren Konstruktion ein physisches Hinterlegen des Goldes vorsieht und ein Lieferanspruch besteht. Vor dem Kauf unbedingt beim Emittenten des Papiers informieren.
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