Hierzulande gibt es etwa 25 börsennotierte Unternehmen, die ihre Dividenden 2026 ganz oder teilweise steuerfrei aus den Kapitalreserven zahlen wollen. Doch bei manchen Firmen, die in vergangenen Jahren zu diesem Kreis zählten, werden Aktionäre dieses Jahr vergeblich auf Ausschüttungen ohne Abzug warten.

Zahlung vom Einlagekonto

Voraussetzung für steuerfrei ausbezahlte Dividenden sind neben deren Beschluss auf der HV bilanzrechtliche Umstrukturierungen in der Vergangenheit. 

Dreh-und Angelpunkt ist das Einlagekonto, das die von den Anteilseignern geleistete Gesellschaftereinlagen von selbst erwirtschafteten Gewinnen eines Unternehmens trennt. Aktionäre bekommen so die Ausschüttung  „brutto für netto“ überwiesen. 

Die Steuerfalle

Die Unternehmen müssen den Bestand der steuerlichen Einlagekontos jährlich fortschreiben. Aus dem Grund kann sich dieser fiskalische Status kurzfristig ändern. 


Freenet

Die Dividenden des Telekommunikationsanbieters Freenet wird nach der Hauptversammlung am 13. Mai 2026 in Hamburg nicht mehr, wie noch im Vorjahr, teilweise steuerfrei (zu 60 Prozent) ausgezahlt.

Ab diesem Jahr erfolgt die Auszahlung der Dividende mit vollem Abzug von Kapitalertragsteuer zuzüglich Solidaritätszuschlag und gegebenenfalls Kirchensteuer (zusammen bis zu 27,99 Prozent).

Hintergrund: Das Guthaben auf dem steuerlichen Einlagekonto, aus dem die Dividenden in der Vergangenheit steuerfrei (als Einlagerückgewähr) gezahlt werden konnten, ist bei Freennet voraussichtlich erschöpft.


Deutschen Pfandbriefbank (pbb)

Auf der virtuellen Hauptversammlung der pbb am 21. Mai 2026  gehen Aktionäre in puncto Ausschüttung leer aus. Nach aktuellem Stand wird das im SDAX gelistete Geldinstitut für das Geschäftsjahr 2025 keine Dividende auszahlen. 

Aufgrund hoher Verluste im US-Gewerbeimmobilienmarkt und einer massiven Risikovorsorge wurde diese für 2026 gestrichen.

Hintergrund: Sollte in künftigen Jahren wieder eine Dividende auf der HV beschlossen und gezahlt werden, ist diese bei der pbb grundsätzlich steuerfrei  möglich: Bilanzrechtlich wäre es dann erneut eine Einlagerückgewähr aus dem steuerlichen Einlagekonto. 


Quirin Bank

Auf der Hauptversammlung der Quirin Bank am 19. Juni 2026 in Berlin soll eine Dividende zwischen 0,16 € und 0,18 € pro Aktie beschlossen werden, die aber nicht mehr, wie zuletzt im Jahr 2024, steuerfrei fließen wird.

Hintergrund: Während die Bank in früheren Jahren Ausschüttungen aus dem steuerlichen Einlagekonto vornahm, ist dieses Konto nun erschöpft. Seit der Auszahlung im Jahr 2025 erfolgt die Dividende wieder unter vollem Abzug von Kapitalertragsteuer und Solidaritätszuschlag. 


DHL Group

Die Hauptversammlung der DHL Group, die zuvor als Deutschen Post AG firmierte, findet am 5. Mai in Bonn statt. Die Dividende 2026 soll zwar von  1,85 auf 1,90 Euro pro Aktie angehoben werden, die Auszahlung erfolgt aber unter regulärem Abzug von 25 Prozent  Kapitalertragsteuer sowie Solidaritätszuschlag und gegebenenfalls Kirchensteuer.

Hintergrund: Die DHL Group hat in früheren Jahren steuerfrei aus dem steuerlichen Einlagekonto ausgeschüttet. Doch seit der Dividendenzahlung für das Geschäftsjahr 2020 ist dieses Privileg für Aktionäre aufgehoben.


Die steuerliche Besonderheit

Langfristig profitieren von steuerfreien Ausschüttungen via Einlagekonto nur Anleger, die solche Dividendenpapiere bereits vor Einführung der Abgeltungsteuer 2009 gekauft haben: Sie kassieren auch bei späteren Verkäufen ihre Kursgewinne abgabenfrei.

Alle Aktionäre, die später eingestiegen sind, erzielen zumindest einen „Steuerstundungs“- Effekt: Beim Verkauf werden die steuerfreien Ausschüttungen vom Kaufkurs abgezogen. Auf die Differenz zwischen dem so reduzierten Einstandspreis und Verkaufskurs wird dann Abgeltungsteuer zuzüglich Soli und eventuell Kirchensteuer (maximal 27,99 Prozent) fällig.


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