Wenn sich die Staatschefs der beiden größten Volkswirtschaften der Welt treffen, hält die ganze Welt den Atem an – auch an der Frankfurter Börse. Denn was in Peking in der Großen Halle des Volkes besprochen wird, hat direkte Auswirkungen auf Aktienkurse weltweit.

Diese fünf Themen stechen aus Anlegersicht besonders hervor.

Enthält Material von dpa-AFX

1. Ölpreis: Eine Lösung für die Straße von Hormus

Kaum ein Thema bewegt die Energiemärkte derzeit so stark wie die Lage in der Straße von Hormus im Persischen Golf. Durch die Meerenge zwischen dem Iran und der arabischen Halbinsel fließt rund ein Fünftel des weltweit gehandelten Erdöls. Seit Beginn des Iran-Kriegs am 28. Februar ist die Passage durch iranische Drohungen und Beschuss von Tankschiffen weitgehend blockiert – mit unmittelbaren Folgen für den Ölpreis.

Beim Gipfel in Peking einigten sich Trump und Xi darauf, dass die Straße für den Energietransport offen bleiben müsse. Xi machte Chinas Ablehnung einer Militarisierung der Meerenge deutlich und sprach sich gegen Durchfahrtsgebühren aus. Zudem zeigte China Interesse daran, mehr amerikanisches Öl zu kaufen, um seine Abhängigkeit von Nahost-Lieferungen zu reduzieren. Zunächst reagieret der Ölpreis darauf nur leicht.

Ein dauerhaft hoher Ölpreis belastet energieintensive Unternehmen aus dem DAX, von der Chemiebranche bis zur Luftfahrt. Umgekehrt profitieren Energiekonzerne wie die französische TotalEnergies. Die Internationale Energieagentur (IEA) rechnet wegen des Iran-Kriegs bereits mit einem Rückgang der weltweiten Ölnachfrage um 420.000 Barrel pro Tag auf 104 Millionen Barrel täglich – ein Zeichen dafür, wie stark der Markt bereits unter Druck steht. Jede diplomatische Entspannung könnte den Ölpreis spürbar senken und die Märkte belasten oder entlasten.

2. Autoindustrie: Zölle, E-Autos, Marktöffnung

Die deutsche Automobilindustrie steckt in einer Zwickmühle: Sie ist von China sowohl als Absatzmarkt als auch als Produktionsstandort abhängig. Volkswagen, BMW und Mercedes-Benz erwirtschafteten jahrelang bis zu 30 Prozent ihres Umsatzes in der Volksrepublik. Gleichzeitig bedroht eine Flut chinesischer Elektrofahrzeuge die deutschen Hersteller auf ihrem Heimatmarkt.

Auf dem Gipfel wurde über eine Vertiefung der Handelsbeziehungen gesprochen – darunter ein besserer Marktzugang für US-Unternehmen in China. Sollte dieses Prinzip auch für europäische Hersteller gelten, könnte das den Druck auf VW & Co. etwas lindern. Gleichzeitig besteht die Gefahr, dass ein bilateraler US-China-Deal die deutschen Autobauer benachteiligt: Ein Burgfrieden zwischen Washington und Peking könnte dazu führen, dass amerikanische Marken in China bevorzugt behandelt werden, während europäische Hersteller weiter unter Zollhürden leiden.

Hinzu kommt: Chinesische E-Auto-Exporte nach Europa könnten im Zuge einer Handelsentspannung mit den USA sogar zunehmen, weil Peking Kapazitäten umlenkt. Das wäre für die ohnehin unter Druck stehenden Aktien von VW, BMW und Porsche kein gutes Signal.

3. Solarindustrie: Zwischen Hoffnung und Preisdruck – der Fall SMA Solar

Die Solarbranche ist ein besonders sensibles Thema im US-China-Verhältnis. China dominiert die globale Produktion von Solarmodulen mit einem Marktanteil von weit über 80 Prozent – und flutet die Weltmärkte mit günstigen Produkten, die auch europäische Hersteller unter extremen Preisdruck setzen.

Für SMA Solar, den im MDAX notierten Kasseler Wechselrichter-Hersteller, ist das eine existenzielle Frage. Das Unternehmen kämpft seit Monaten mit sinkenden Margen, weil chinesische Konkurrenten wie Huawei und Sungrow ihre Produkte zu Kampfpreisen anbieten. Sollte der Peking-Gipfel zu einer weiteren Marktöffnung und einem Abbau von Handelsschranken zwischen den USA und China führen, könnte das die Flut chinesischer Solarprodukte auf dem Weltmarkt weiter verstärken.

Umgekehrt könnte eine anhaltende Handelsspannung oder gezielte Importbeschränkungen der EU den Wettbewerb etwas zugunsten europäischer Anbieter verschieben. Anleger in SMA Solar beobachten den Ausgang der Pekinger Gespräche daher mit besonderer Aufmerksamkeit – die Aktie reagiert erfahrungsgemäß stark auf handelspolitische Signale.

Am Donnerstag legte die Aktie von SMA, die seit Wochen einen fulminanten Aufwärtstrend erlebt, allerdings um zehn Prozent zu, nachdem ein Analyst von Jeffereis den jüngsten Kursrutsch als Kaufgelegenheit angepriesen hatte.

SMA Solar (WKN: A0DJ6J)

4. Seltene Erden: Der unsichtbare Hebel Pekings

Eines der mächtigsten wirtschaftlichen Druckmittel Chinas sind die sogenannten Seltenen Erden. Dazu gehören Rohstoffe wie Neodym, Dysprosium oder Yttrium, die in Elektroautos, Windturbinen, Smartphones und Rüstungsgütern unverzichtbar sind. China kontrolliert rund 60 Prozent der Weltproduktion und einen noch größeren Teil der Verarbeitungskapazitäten.

Im vergangenen Herbst hatte Peking bereits mit einem Exportstopp kritischer Rohstoffe gedroht und damit die globalen Märkte in Aufruhr versetzt. Beim Gipfel wird nun auch über Exportbeschränkungen und eine mögliche Vereinbarung zu Seltenen Erden verhandelt. Europäische Regierungsvertreter befürchten, dass ein bilateraler US-China-Deal den Amerikanern bevorzugten Zugang zu diesen Rohstoffen sichern könnte – während Europa weiterhin von Engpässen betroffen bleibt.

Für deutsche Unternehmen, insbesondere in der Automobil- und Windkraftbranche wäre das eine ernste Bedrohung – auch für Siemens Energy oder Nordex. Aber auch die Rüstungsindustrie, Maschinenbaukonzerne und Elektronikhersteller im MDAX und SDAX wären betroffen. Eine Einigung, die Europa außen vor lässt, könnte diese Aktien belasten.

5. Handelszölle: Europa als Kollateralschaden?

Zum vielleicht folgenreichsten Thema für die deutsche Wirtschaft und damit auch für Anleger könnte die Handelspolitik werden. Nachdem Trump im vergangenen Jahr Zölle von über 140 Prozent auf chinesische Waren verhängt hatte, hatte Peking mit einem weitreichenden Exportstopp reagiert. Ein Kompromiss wurde ausgehandelt – doch dieser Burgfrieden läuft im Herbst 2026 aus.

In Peking geht es nun darum, die Grundlage für eine neue, stabilere Handelsbeziehung zu schaffen. Beide Seiten verständigten sich auf eine „konstruktive und strategisch stabile" Beziehung. Das klingt nach Entspannung – birgt aber für Deutschland eine gefährliche Nebenwirkung: Wenn sich die USA und China handelspolitisch annähern, könnte China seine Exportüberschüsse verstärkt nach Europa umlenken. Günstige chinesische Waren, die nicht mehr in die USA gelangen, würden dann den europäischen Markt fluten.

Für deutsche Unternehmen, die bereits mit chinesischer Billigkonkurrenz kämpfen – von der Stahl- bis zur Chemieindustrie – wäre das ein weiterer Gegenwind. Gleichzeitig gilt: Halten sich deutsche Unternehmen an US-Sanktionslisten gegenüber China, riskieren sie Vergeltungsmaßnahmen aus Peking. Das Kölner Institut der deutschen Wirtschaft (IW) warnt bereits: Ein US-China-Deal könnte deutsche Unternehmen in eine gefährliche Sandwichposition bringen.

Wie Anleger reagieren sollten

Der Gipfel in Peking ist kein abstraktes politisches Spektakel. Dort geht es um harte Wirtschaftspolitik mit direkten Auswirkungen auch auf Portfolios deutscher Anleger. Ob Ölpreis, Autoindustrie, Solar, Seltene Erden oder Handelszölle: Die Signale aus der chinesischen Hauptstadt werden die Kurse an der Frankfurter Börse in den kommenden Wochen mitbestimmen. Anleger sollten die Ergebnisse des Treffens genau analysieren und ihre Depot-Positionen entsprechend überprüfen.

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