Es war keine ruhige Woche für Meta. Die Meta-Aktie kämpft gerade mit einer Korrekturphase. Und was in den vergangenen Tagen alles auf den Konzern einprasselte, zeigt: Die Probleme reichen von Washington bis in die Rechtsabteilung. Dazu kommt, dass die KI-Ambitionen weiter Milliarden kosten. Ein Überblick.
Mehrere amerikanische Rentnerverbände haben den US-Kongress in einem Brief aufgefordert, Meta wegen betrügerischer Werbeanzeigen zu untersuchen, die gezielt ältere Menschen ansprechen.
Die Vorwürfe sind nicht neu. Die Nonprofit-Organisation Center for Countering Digital Hate hatte bereits im Mai berichtet, Meta profitiere davon, gefälschte Anzeigen stehen zu lassen. Betroffen seien vor allem Empfänger des staatlichen Krankenversicherungsprogramms Medicare.
„Betrügerische Medicare-Anzeigen haben sich auf den Meta-Plattformen verbreitet, und zu viele Senioren werden betrogen, während Meta davon profitiert“, zitiert Politico Richard Fiesta, Geschäftsführer der Alliance for Retired Americans. Meta wies die Vorwürfe zurück und verwies auf Kooperationen mit US-amerikanischen und thailändischen Behörden zur Bekämpfung von Online-Betrug.
Erst im vergangenen November hatten Senatoren die US-Behörden FTC und SEC aufgefordert, gegen Meta zu ermitteln, nachdem Reuters berichtet hatte, der Konzern habe intern damit gerechnet, dass zehn Prozent seiner Werbeeinnahmen 2024 aus betrügerischen Anzeigen stammen würden.
Immunität gegen Kinderschutzklagen?
Parallel dazu berichtet Reuters exklusiv über eine Lobbyingkampagne Metas im US-Senat. Der Konzern soll im Rahmen der Verhandlungen über den Kids Online Safety Act dafür geworben haben, eine Klausel einzufügen, die Plattformen gegen Klagen im Zusammenhang mit Kinderschäden immunisieren würde. Im Gegenzug würde Meta seinen Widerstand gegen das Gesetz aufgeben.
Das Gesetz würde Plattformen verpflichten, bestimmte Funktionen wie endloses Scrollen, Aktivitätsbenachrichtigungen und Schönheitsfilter für Minderjährige einzuschränken. Die vorgeschlagene Sprache würde Online-Unternehmen laut Reuters „immun gegen Klagen oder Haftung nach staatlichem Recht“ machen.
Meta und Google stehen bereits mit dem Rücken zur Wand: Anfang dieses Jahres verloren beide Konzerne den ersten Prozess zu Kinderschäden durch soziale Medien. Das Gericht sprach Schadenersatz von insgesamt sechs Millionen Dollar zu. Tausende weitere Klagen laufen.
Neue KI-Rechenzentren
Unterdessen baut Meta seine KI-Infrastruktur weiter aus. Der Konzern hat unter anderem neue Verträge mit dem Rechenzentrumsanbieter Crusoe abgeschlossen. Betroffen sind zwei Standorte in Childress, Texas, und Warrenton, Missouri. Zusammen sollen sie Meta rund 1,6 Gigawatt an Rechenkapazität liefern. Zum Vergleich: Ein Gigawatt reicht aus, um bis zu 750.000 amerikanische Haushalte gleichzeitig mit Strom zu versorgen.
Meta hat sich verpflichtet, in den kommenden Jahren mindestens 600 Milliarden Dollar in KI-Infrastruktur zu investieren. Der größte Einzelstandort ist ein fast 4.000 Hektar großes Gelände in Louisiana mit bis zu fünf Gigawatt geplanter Kapazität.
Der Druck auf den Konzern wächst, den massiven Kapitalaufwand mit konkreten Einnahmen zu unterlegen. Einen ersten Schritt machte Meta zuletzt mit dem Start von kostenpflichtigen Abonnements für seinen KI-Chatbot.
Fazit
Meta ist operativ nach wie vor ein Ausnahmekonzern. Aber die politische Flanke wird breiter. Die Rechtsrisiken werden größer. Und die KI-Rechnung ist noch nicht bezahlt. Kurzfristig dürfte die Seitwärtstendenz bestehen bleiben.
Hinweis auf Interessenkonflikte
Der Autor hält unmittelbar Positionen über die in der Publikation angesprochenen nachfolgenden Finanzinstrumente oder hierauf bezogene Derivate, die von der durch die Publikation etwaig resultierenden Kursentwicklung profitieren können: Meta.