Der Silberpreis steht derzeit massiv unter Druck und verlor allein im Mai in der Spitze über 17 Prozent an Wert. Viele Anleger fragen sich nun, warum der Silberpreis derzeit so stark abstürzt – und ob sich daraus möglicherweise neue Chancen ergeben.
Aktuell wirken mehrere Belastungsfaktoren gleichzeitig auf den Silbermarkt ein. Besonders problematisch ist die Kombination aus eingetrübten Konjunkturaussichten, steigenden Zinsen und einem starken Dollar. Anders als Gold ist Silber nämlich nicht nur Edelmetall, sondern zugleich ein wichtiges Industriemetall. Genau diese Doppelrolle macht den Markt derzeit besonders anfällig, weshalb einige Analysten mittlerweile eine nachlassende Silbernachfrage befürchten.
Indien, Zinsen und Dollar bremsen die Nachfrage
Ein wichtiger Belastungsfaktor kommt derzeit aus Indien. Das Land zählt traditionell zu den größten Käufern von Gold und Silber weltweit. Nachdem sich die Edelmetallimporte zuletzt stark erhöht hatten und die explodierenden Energiepreise die indische Handelsbilanz sowie die Landeswährung stark belastet haben, reagierte die Regierung mit einem Anheben der Importzölle von 6 auf 15 Prozent und einer Genehmigungspflicht für Silberimporte. Ziel ist offenbar, das Handelsdefizit zu begrenzen und Kapitalabflüsse einzudämmen.
Gerade für Silber ist das problematisch. Denn Indien spielt nicht nur bei Schmuck und Münzen eine zentrale Rolle, sondern auch bei der industriellen Nachfrage. Viele Marktteilnehmer befürchten nun, dass die neuen Vorgaben die Silbernachfrage kurzfristig deutlich bremsen könnten.
Hinzu kommen die anhaltenden Zins- und Inflationssorgen. Die Renditen zehnjähriger US-Staatsanleihen bewegen sich weiterhin auf hohem Niveau, während die Hoffnung auf schnelle Zinssenkungen durch die US-Notenbank schwindet und mittlerweile sogar Zinserhöhungen drohen. Für Edelmetalle wie Silber ist das grundsätzlich negativ, weil unverzinste Anlagen im Vergleich zu Anleihen an Attraktivität verlieren (-> Opportunitätskosten).
Parallel dazu bleibt der Dollar stark. Da Silber weltweit in Dollar gehandelt wird, verteuert ein fester Greenback den Kauf für Anleger außerhalb der USA. Auch das belastet die Nachfrage. Zusätzlich sorgen die trüben Konjunkturperspektiven für Verkaufsdruck. Vor allem Technologie- und Halbleiterwerte gerieten zuletzt unter Druck. Genau dieser Bereich gilt jedoch als wichtiger Treiber der industriellen Silbernachfrage. Silber wird unter anderem in Elektronik, Solartechnik, Rechenzentren und Halbleitern eingesetzt. Schwächere Wachstumserwartungen im Technologiesektor wirken sich daher negativ auf die Stimmung am Silbermarkt aus.
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Hohe Schwankungen bieten Trading-Chancen
Trotz des jüngsten Kursrutsches sollten Anleger nicht übersehen, dass sich Silber seit Monaten in einer ausgeprägten Seitwärtsbewegung befindet. Genau dieses volatile Umfeld eröffnet immer wieder interessante Trading-Chancen.
Auffällig ist dabei ein wiederkehrendes Muster: In den vergangenen drei Monaten kam es nach technischen Rückschlägen gleich mehrfach zu kräftigen Gegenbewegungen. Insgesamt erholte sich der Silberpreis in diesem Zeitraum fünfmal um jeweils mehr als zehn Prozent vom vorherigen Tief. Das zeigt, wie schwankungsanfällig der Markt derzeit ist.
Wer auf solche kurzfristigen Bewegungen setzen möchte, greift häufig auf kostengünstige, börsengehandelte ETCs zurück. Als besonders liquide Lösung gilt beispielsweise der physisch besicherte ETC iShares Physical Silver ETC. Mit ihm können Privatanleger unkompliziert an den Kursbewegungen des Silberpreises zu partizipieren, ohne selbst mehrwertsteuerpflichtiges physisches Silber kaufen und lagern zu müssen.
Fazit: Langfristig bleibt Silber wegen seiner Bedeutung für Zukunftstechnologien und die Energiewende ein aussichtsreicher Markt. Kurzfristig dürften jedoch vor allem Zinspolitik, Dollarentwicklung und Konjunktursorgen die Richtung vorgeben. Anleger sollten sich deshalb weiterhin auf ein volatiles Auf und Ab einstellen – keine schlechten Voraussetzungen für timing-orientierte Call-Strategien nach vorherigen technischen Korrekturen.
Häufige Fragen zu Silber
Macht der Kauf von physischem Silber Sinn?
Eher weniger, da in Deutschland beim Kauf von Silberbarren und -münzen Mehrwertsteuer anfällt, führt dies zwischen An- und Verkaufspreisen zu einem großen Spread, was die Renditechance stark reduziert? Über den Handel via Zollfreilager kann man die Steuer aber auf legale Weise vermeiden, solange die Silberbestände das Lager nicht verlassen.
Was sind die wichtigsten Unterschiede zwischen Gold und Silber?
Der Silbermarkt gilt als weniger liquide als der Goldmarkt, was in der Vergangenheit zu einer deutlich höheren Silber-Volatilität geführt hat. Die industrielle Silbernachfrage fällt dank seiner zahlreichen Eigenschaften physikalischer und antibiotischer Art deutlich höher als beim gelben Edelmetall aus.
Sind bei in Deutschland handelbaren Silber-ETCs realisierte Kursgewinne nach einer Haltedauer von einem Jahr steuerfrei?
Nur, wenn deren Konstruktion ein physisches Hinterlegen des Silbers vorsieht und ein Lieferanspruch besteht. Vor dem Kauf unbedingt beim Emittenten des Papiers informieren.
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