(neu: Kurs und Analysten)
FRANKFURT (dpa-AFX Broker) - Der Energiekonzern RWE
Um den Deal zu finanzieren, platzierte RWE 74,4 Millionen Aktien am Vorabend zum Stückpreis von 54 Euro. Dies entsprach einem Abschlag von fast drei Prozent zum Schusskurs. Im Bereich von 54 Euro hatte sich im Chart zuletzt eine Unterstützungszone herauskristallisiert. Dieser Unterstützung näherte sich der Kurs am Dienstag im frühen Handel bis auf wenige Cent, erholte sich dann aber etwas.
Um die Amprion-Mehrheit zu bekommen, übernimmt RWE Anteile von einem Konsortium aus Versorgungswerken und institutionellen Investoren aus der Versicherungsbranche - und hat sich dafür rund vier Milliarden Euro am Aktienmarkt besorgt. Ahmed Farman vom Analysehaus Jefferies zeigte sich von der Kapitalerhöhung überrascht. Gut die Hälfte des notwendigen Kapitals stammt aus der Kapitalmaßnahme, der Rest aus dem Verkauf von Anteilen im eigenen Bestand.
Für den Deal an sich gab es lobende Worte. Louis Boujard von der Investmentbank Oddo BHF betonte, das Netzgeschäft werde für RWE ein drittes strategisches Standbein neben den Erneuerbaren Energien und der konventionellen Stromerzeugung. RWE hatte bislang über ein Gemeinschaftsunternehmen 20 Prozent an Amprion besessen und erhöht nun den Anteil auf 55 Prozent.
Der Kaufpreis wurde von vielen Analysten als recht günstig bezeichnet, darunter auch von Boujard. Die Bewertung sei moderat für einen Vermögenswert mit einer hohen regulatorischen Planungssicherheit und einer in diesem Sektor seltenen Wachstumsdynamik. Betont wurde gleich mehrfach, dass der Deal sofort ergebniswirksam werde.
Guido Hoymann von der Privatbank Metzler sieht in dem Schritt strategisch eine "Rolle rückwärts", denn RWE entwickele sich jetzt wieder vom reinen Stromerzeuger zurück zum integrierten Energieversorger. Er wertet dies positiv für das Risikoprofil, da das Netzgeschäft regulatorisch gesicherte Umsätze mit sich bringe. Allerdings werde damit auch der Investmentansatz wieder schwieriger, da die Segmente eigentlich unterschiedliche Investorengruppen ansprächen.
Experte Piotr Dzieciolowski von der Citigroup glaubt derweil, dass die Mehrheitsübernahme bestehende Aktionäre verwirren könnte. Denn 2024 habe RWE noch einen Komplettausstieg bei Amprion in Erwägung gezogen, um notwendigem Finanzierungsbedarf aus dem Weg zu gehen. Nun aber solle künftig bedeutend viel Kapital in die Netze gesteckt werden, so der Experte./tih/bek/jha/
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Quelle: dpa-Afx