HAMBURG (dpa-AFX) - Bundeskanzler Friedrich Merz sieht den Nordsee-Gipfel als wichtige Wegmarke für den weiteren Ausbau der Windkraft auf See. "Die Beschlüsse, die wir heute hier in Hamburg getroffen haben, werden unsere Energieversorgung sicherer, kostengünstiger und integrierter machen", sagte Merz nach Beratungen mit Staats- und Regierungschefs von Nordsee-Anrainern in Hamburg. "Europa wird damit insgesamt widerstandsfähiger und wettbewerbsfähiger."
Offshore-Energie soll erheblich effizienter werden, sagte Merz. "Dazu werden wir mehr koordinieren und enger kooperieren." Es gehe um die Planung von Windkraftprojekten sowie Energienetzen. Die Wirtschaft solle bei der Finanzierung von gemeinsamen grenzüberschreitenden Projekten besser unterstützt werden. Die Energieinfrastruktur solle zudem besser vor physischen und virtuellen Angriffen geschützt werden.
Windkraft als Übergangstechnik?
Im Wahlkampf hatte sich der CDU-Chef noch abschätzig zur Windenergie geäußert. "Ich glaube sogar, dass wir, wenn wir was richtig machen, eines Tages die Windkrafträder wieder abbauen können, weil sie hässlich sind und weil sie nicht in die Landschaft passen", sagte er im November 2024 im ZDF.
Merz sagte in Hamburg, er habe immer differenziert zwischen Wind an Land und Wind auf See. Er komme aus einem Wahlkreis, in dem der Ausbau der Windenergie sehr umstritten sei, weil er das Landschaftsbild stark verändere. Merz hat seinen Wahlkreis im Sauerland. "Wir versuchen, das zu kanalisieren, aber auf See gibt es einen weiteren großen Vorteil." Es gebe eine sehr viel höhere Zahl an "Volllaststunden" aufgrund der Windumstände.
Der Kanzler sprach weiter von einer "Übergangstechnologie": "Die wird uns 10 Jahre, 20 Jahre, vielleicht 30 Jahre begleiten." Merz verwies auf den Koalitionsvertrag, dass Deutschland den ersten Fusionsreaktor der Welt ans Netz nehmen wolle. "Das kann noch 10 Jahre, das kann 20 Jahre dauern." Wenn man in der Lage sei, Fusionsenergie zu erzeugen, werde Strom sehr günstig, machte Merz deutlich. "Und dann wird es in diesem Umfang andere Energieerzeugungsmethoden wahrscheinlich nicht mehr brauchen." Dies sei aber Zukunftsmusik./hoe/DP/stk
Quelle: dpa-Afx