ARLINGTON (dpa-AFX) - Der kriselnde Flugzeughersteller Boeing
"Wir machen gute Fortschritte", sagte der Manager bei der Vorlage der Jahreszahlen am Dienstag in Arlington. Damit gingen jedoch auch Erwartungen einher: "Unsere Kunden und Stakeholder werden in diesem Jahr mehr von uns erwarten."
Im vergangenen Jahr verdiente Boeing unter dem Strich 2,2 Milliarden US-Dollar nach einem Verlust von 11,8 Milliarden ein Jahr zuvor. Die schwarzen Zahlen verdankte der Konzern jedoch dem Verkauf des Geschäfts mit digitalen Dienstleistungen an die Software-Investmentfirma Thoma Bravo, den Boeing im vergangenen April angekündigt hatte. Der Deal brachte Boeing im vierten Quartal einen Sondergewinn von 9,6 Milliarden Dollar ein. Ohne diesen Effekt hätte der Konzern 2025 wie von Analysten erwartet den siebten Jahresverlust in Folge verbucht.
Am Finanzmarkt konnten die Neuigkeiten entsprechend nicht überzeugen: Die Boeing-Aktie verlor kurz nach Handelsstart in New York knapp zwei Prozent an Wert. Im Vergleich zum Jahreswechsel liegt sie damit noch rund 12 Prozent im Plus.
Im Tagesgeschäft erholte sich der Konzern ein Stück von seiner Dauerkrise, die sich Anfang 2024 nach einem Beinahe-Unglück einer Boeing 737 Max deutlich verschärft hatte. Damals hatten die US-Luftfahrtbehörde FAA den Hersteller unter verschärfte Aufsicht gestellt. Die Zahl der ausgelieferten Passagier- und Frachtjets brach seinerzeit auf 348 Stück ein. Im Jahr 2025 sprang sie nun wieder kräftig auf 600 Maschinen nach oben.
Entsprechend legte der Umsatz des Konzerns um gut ein Drittel auf 89,5 Milliarden Dollar zu und übertraf zugleich die Erwartungen von Analysten. Von schwarzen Zahlen im Kerngeschäft mit Passagier- und Frachtjets blieb Boeing jedoch noch weit entfernt: Der operative Verlust der Sparte verringerte sich lediglich von 8 Milliarden auf 7,1 Milliarden Dollar.
Die Rüstungs- und Raumfahrtsparte konnte ihren operativen Verlust immerhin deutlich eindämmen. Schwarze Zahlen schrieb lediglich die Servicesparte - selbst ohne den Verkauf des Digitalgeschäfts, das zu ihrem Bereich gehört hatte.
Boeings Dauerkrise hält schon seit Jahren an. Los ging es mit den Abstürzen zweier Mittelstreckenjets vom Typ 737 Max mit insgesamt 346 Toten in den Jahren 2018 und 2019 und einem mehr als 20-monatigen Flugverbot für das Modell. In den Jahren danach tauchten immer wieder Produktions- und Qualitätsmängel auf, auch bei anderen Modellen. Schon 2019 verlor Boeing die Position als weltgrößter Flugzeugbauer an seinen europäischen Rivalen Airbus, der ihm seitdem weiter davoneilte.
Als eine 737 Max Anfang 2024 im Flug ein türgroßes Rumpfteil verlor, griffen die Behörden durch. Immer wieder musste Boeing auch die Erstauslieferung des modernisierten Großraumjets 777X verschieben. Das Modell liegt inzwischen sieben Jahre hinter dem ursprünglichen Zeitplan. Den Hersteller kostete die Verzögerungen eine Milliardensumme./stw/tav/nas
Quelle: dpa-Afx