DÜSSELDORF (dpa-AFX) - Immer neue Zolldrohungen, zunehmende Handelskonflikte: In diesem unsicheren Umfeld zieht Deutschland wieder mehr Investitionen an. Ausländische Unternehmen haben 2025 nach einer Analyse erstmals seit Langem hierzulande wieder mehr Geld investiert als deutsche Unternehmen im Ausland. "In einer immer unsichereren Welt zählt Berechenbarkeit mehr als früher", sagt Jürgen Matthes, Handelsexperte des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW).
Schlaglichter auf die Situation werfen Nachrichten wie diese: Der deutsche Volkswagen
Deutschland punktet mit Rechtssicherheit
Die erratische Politik des US-Präsidenten schade nicht nur den Partnern, sondern auch der US-Wirtschaft, betont Matthes. "Rechtssicherheit und Kalkulierbarkeit werden im globalen Wettbewerb zum Standortvorteil für Deutschland." Außerdem bleibe Deutschland auch als Forschungsstandort hochattraktiv.
Die Experten des arbeitgebernahen Instituts gehen davon aus, dass sich die ausländischen Direktinvestitionen in Deutschland von 43 Milliarden Euro 2024 auf 96 Milliarden Euro im vergangenen Jahr mehr als verdoppelt haben. Deutsche Unternehmen hätten unterdessen eine unterdurchschnittliche Summe im Ausland investiert: 86 Milliarden Euro. Basis der Schätzung seien Zahlen der Deutschen Bundesbank für die ersten elf Monate 2025.
Ökonomen sehen Zölle als "Eigentor"
Ob gleichzeitig weniger in den USA investiert wurde, ist offen. Es liegen für 2025 noch keine vollständigen Zahlen vor. Studien zufolge schaden die Zölle der US-Wirtschaft - denn amerikanische Konsumenten müssen sie über höhere Preise bezahlen. Das Kieler Institut für Weltwirtschaft (IfW) sprach jüngst von einem "Eigentor" Trumps.
Seine Zollpolitik schadet aber auch der deutschen Wirtschaft, die weniger Produkte absetzen kann. Das Ifo-Institut beziffert die negativen Wachstumseffekte der Trump-Zölle für die deutsche Wirtschaft auf 0,3 Prozentpunkte in 2025 und prognostiziert 0,6 Prozentpunkte für 2026. Besonders die Autobranche hat zu kämpfen. Damit schwächt Trump auch potenzielle Investoren, etwa Volkswagen.
VW-Chef: Audi-Werk wegen Zöllen nicht finanzierbar
Den VW-Konzern
Unterdessen droht US-Präsident Donald Trump Kanada. Sollte das Nachbarland einen Deal mit China schließen, werde das Land umgehend mit einem 100-Prozent-Zollsatz auf alle kanadischen Waren, die in die USA importiert werden, belegt, schrieb der Republikaner auf seiner Plattform Truth Social. Wenn Kanadas Premierminister Mark Carney glaube, Kanada zu einem "Umschlagplatz" für China zu machen, damit chinesische Waren in die USA kommen, irre er sich gewaltig.
Unlängst war Carney nach Peking gereist und kündigte danach mehr Zusammenarbeit mit China an./bf/DP/jha
Quelle: dpa-Afx