DUISBURG (dpa-AFX) - Erneut will Deutschlands größter Stahlhersteller Thyssenkrupp
An den Standorten von Thyssenkrupp Electrical Steel in Gelsenkirchen und Isbergues arbeiten jeweils rund 600 Menschen. Ende 2025 waren die beiden Standorte bereits für einen halben Monat stillgelegt worden. Seit Januar produziere Isbergues nur mit 50 Prozent der Gesamtkapazität, hieß es.
Thyssenkrupp sieht "ruinöse Importschwemme"
Der Chef der Tochtergesellschaft Thyssenkrupp Electrical Steel, Angelo Di Martino, sprach von einer "ruinösen Importschwemme". Die temporäre Stilllegung des französischen Standortes sei notwendig, um das Unternehmen angesichts einer weiter verschlechterten Auftragslage zu stabilisieren. Vergleichbare Maßnahmen seien in Gelsenkirchen nicht geplant, sagte ein Sprecher der Stahl-Sparte.
Die Importpreise lägen teilweise weit unterhalb der Produktionskosten in der EU. "Wir brauchen daher dringend einen wirksamen Handelsschutz, um faire Wettbewerbsbedingungen für dieses strategisch wichtige Produkt herzustellen", erklärte er. Man sei dazu in einem guten Dialog mit der EU-Kommission und hoffe auf eine zeitnahe Einführung effektiver Handelsschutzmaßnahmen.
Spezialstahl für Trafos und Windräder
Thyssenkrupp Electrical Steel stellt Spezialstähle für die Energiewirtschaft her. Das Material, sogenanntes kornorientiertes Elektroband, wird allgemein für den Stromtransport verwendet, kommt aber auch in Transformatoren in Umspannwerken und Windkraftanlagen zum Einsatz. In Europa gibt es nach Unternehmensangaben nur noch zwei Hersteller dieser Spezialstähle.
Laut Thyssenkrupp haben sich die Importmengen in die EU seit 2022 verdreifacht. Das Unternehmen geht davon aus, dass sie mittlerweile mehr als 50 Prozent des europäischen Marktvolumens ausmachen. "Diese Entwicklungen haben zu einer dramatischen Reduzierung der Auftragsvolumina und somit zur erheblichen Unterauslastung der europäischen Produktionsanlagen geführt", hieß es. Der Markt für kornorientiertes Elektroband bleibe aber attraktiv: "Marktstudien zufolge verdreifacht sich der globale Bedarf bis 2050."/tob/DP/men
Quelle: dpa-Afx