Weil die Anleger vom Quartalsbericht von Microsoft enttäuscht waren, brach die Aktie am Donnerstag um rund zehn Prozent ein. Der Börsenwert schrumpfte um 357 Milliarden Dollar. Die Gründe.

Microsoft hat am Donnerstag einen der heftigsten Börsentage seiner Geschichte erlebt. Nach den Quartalszahlen, die der Softwareriese am Vorabend vorgelegt hatte, fiel die Aktie um rund zehn Prozent. Das war der größte Tagesverlust seit März 2020. Dadurch schrumpfte die Marktkapitalisierung um 357 Milliarden auf 3,22 Billionen Dollar, wie der US-Börsensender CNBC errechnete. Zum Vergleich: Der größte deutsche DAX-Wert, der Softwarekonzern SAP, ist an der Börse umgerechnet 265 Milliarden Dollar wert.

Microsoft (WKN: 870747)

Analysten störten sich an Details

Auslöser für den Microsoft-Kurssturz war nicht etwa ein grundlegend schwaches Zahlenwerk, sondern mehrere, eher kleine Details im Geschäftsbericht, die Investoren jedoch kritisch aufnahmen. Besonders im Fokus stand das Wachstum des Cloud-Geschäfts. Azure und andere Cloud-Services legten um 39 Prozent zu und blieben damit leicht unter den Erwartungen der Analysten. Sie hatten 40 Prozent Wachstum prophezeit. Das Cloud-Wachstum gilt für viele Anleger derzeit als entscheidender Gradmesser für Microsofts Zukunft. Auch bei SAP war ein schwaches Cloud-Wachstum am Donnerstag der Auslöser für den Kurssturz.

Bei Microsoft kamen verhaltene Aussichten für das Segment „More Personal Computing“ hinzu, zu dem unter anderem Windows gehört. Für das kommende Quartal stellte Microsoft hier niedrigere Erlöse in Aussicht als vom Markt erwartet. Auch die prognostizierte operative Marge blieb hinter den Schätzungen zurück.


Finanzchefin verteidigt Cloud-Strategie

Finanzchefin Amy Hood erklärte, dass das Cloud-Wachstum höher hätte ausfallen können, wenn externen Kunden mehr Rechenzentrums-Kapazitäten zur Verfügung gestellt worden wären. Stattdessen priorisierte Microsoft seine eigenen Anwendungen. Die dafür benötigten Grafikprozessoren seien aber bewusst nicht vollständig für Azure eingesetzt worden.

Analysten gespalten

An der Börse stieß dieses Vorgehen auf gemischte Reaktionen. Analyst Ben Reitzes forderte, Microsoft müsse Rechenzentren schneller bauen, um Engpässe zu vermeiden. Kritischer äußerten sich Analysten von UBS: Sie stellten infrage, ob sich hohe Investitionen in KI-Produkte wie Microsoft 365 Copilot ausreichend auszahlen. Die Nutzung entwickle sich bislang nicht so dynamisch wie bei OpenAIs ChatGPT.

Gleichzeitig gab es auch Rückendeckung. Analysten von Bernstein verteidigten die langfristige Ausrichtung des Managements und betonten, Microsoft stelle nachhaltiges Wachstum über kurzfristige Kursgewinne. Finanzchefin Hood kündigte zudem an, dass die Investitionen im laufenden Quartal leicht zurückgehen sollen.

Für Privatanleger zeigt der Kurseinbruch: Selbst bei einem Tech-Giganten wie Microsoft reagiert der Markt mittlerweile sensibel auf kleinste Enttäuschungen. Das lässt für die kommende Tagen, wenn weitere Tech-Konzern Zahlen melden, wenig Gutes erwarten.


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Der Vorstand und Mehrheitsinhaber der Herausgeberin Börsenmedien AG, Herr Bernd Förtsch, ist unmittelbar und mittelbar Positionen über die in der Publikation angesprochenen nachfolgenden Finanzinstrumente oder hierauf bezogene Derivate eingegangen, die von der durch die Publikation etwaig resultierenden Kursentwicklung profitieren können: Microsoft.