Wenn es um den radikalen Umbau von SAP Richtung Cloud geht, ist Vorstandschef Bill McDermott mit sich im Reinen. "SAP", verkündete der gelernte Verkäufer zur Vorlage der Halbjahreszahlen vor einem Jahr, habe sich zu "einer Plattform für die digitale Revolution entwickelt". Das ist wohl nicht übertrieben. Seit die Walldorfer das Geschäft mit der Datenwolke für sich entdeckt haben, geht es richtig rund. Das dürfte sich auch am Donnerstag wieder zeigen, wenn Europas größtes Softwarehaus die Zahlen fürs dritte Quartal vorlegt.

Die Erwartungen der Analysten sind entsprechend hoch. Alleine im dritten Quartal dürften die Erlöse aus dem Verkauf von Software-Abos und Wartung um rund 36 Prozent auf 1,278 Milliarden Euro zulegen, erwarten die Experten. SAP, erinnert DZ-Bank-Analyst Harald Schnitzer in einer aktuellen Studie, "wächst in der Cloud schneller als Oracle oder Salesforce".

Dagegen bröckelt das frühere Kerngeschäft um den Verkauf von Software-Lizenzen ungebrochen. Statt gut einer Milliarde Euro wie noch vor Jahresfrist dürften die Lizenz-Erlöse von Juli bis September um vier Prozent auf 992 Millionen Euro geschrumpft sein, schätzt UBS-Analyst Michael Briest.



Bei SAP geben sie sich dennoch gelassen. "Die meisten Angebote sind bereits auf dem Weg in die Cloud", hatte etwa SAP-Finanzvorstand Luka Mucic Anfang August im Interview mit BÖRSE ONLINE gesagt. Von daher rechne man für 2018 ohnehin mit einem Rückgang der Lizenz-Erlöse "im niedrigen einstelligen Bereich".

Investoren warten auf Fortschritte bei der operativen Marge



Auch unter Analysten sorgt die Entwicklung bislang nur für leise Kritik. Bei der operativen Marge ist das ganz anders. Mit wachsender Ungeduld pochen Investoren auf eine Trendwende bei der Profitabilität. Für das laufende Jahr erwarten die Experten derzeit eine um Sondereffekte (Non-IFRS) bereinigte Ebit-Marge von 29,6 Prozent. Für das jüngste Quartal liegen die Konsens-Erwartungen mit 30,1 Prozent sogar noch etwas höher.



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Einschätzung der Redaktion



SAP legt am Donnerstag seine Zahlen für das dritte Quartal vor. Wir erwarten einen sehr ordentlichen Zwischenbericht. Beim boomenden Cloud-Geschäft ist derzeit kein Strömungsabriss in Sicht - eher im Gegenteil. Erst Anfang Juni hat der Konzern den offiziellen Startschuss zur Einführung von C4/HANA gegeben. Mit der Software-Lösung können Kunden ihre gesamten Kunden-Beziehungen steuern, von Marketing-Aktionen, über den Verkaufsprozess bis hin zu Kunden-Service und Support.



Das Angebot gilt als Frontal-Angriff auf den Branchenprimus Salesforce. Zwar ist C4/HANA IT-Analysten zufolge noch nicht so ausgereift wie die Software-Lösung der Kalifornier. Aber die Integration in das SAP-Umfeld rund um S4/HANA ist deutlich besser und günstiger sind die Walldorfer den Branchen-Experten zufolge obendrein.

Auch beim zentralen Thema Profitabilität dürfte SAP im dritten Quartal wohl weiter vorangekommen sein. Bei der Margen-Entwicklung werde es ab "2018 bergauf gehen - und zwar kontinuierlich", hatte SAP-Finanzvorstand Luka Mucic Anfang August gegenüber BÖRSE ONLINE bekräftigt.

Wie groß die Zuversicht ist, zeigte sich bei der Vorlage der Halbjahreszahlen im Juli gerade wieder. Damals hob Europas größter Software-Anbieter die Prognose für das laufende Jahr leicht an. Danach peilt der Konzern für 2018 nun einen um Sonder-Effekte bereinigten Konzern-Umsatz zwischen 24,975 und 25,3 Mrd. € an nach zuvor 24,80 bis 25,30 Milliarden. Das Betriebsergebnis sehen die Walldorfer 2018 jetzt zwischen 7,4 Mrd.€ und 7,5 Mrd. € (zuvor 7,35 bis 7,50 Mrd. €).

Charttechnisch ist die SAP-Aktie derzeit allerdings etwas angeschlagen. Nach den starken Kurszuwächsen im laufenden Jahr litt das Papier im Zuge des jüngsten Kurssturzes an den Börsen unter Gewinnmitnahmen. Am vergangenen Donnerstag fiel die Aktie sogar unter die 200-Tagelinie, kämpfte sich aber dann wieder zurück.

Anleger sollten also auf der Hut sein. Wenn die Zahlen am Donnerstag gut ausfallen, dürfte die SAP-Aktie rasch Boden Richtung 105 Euro gut machen. Andernfalls droht ein erneuter Rückschlag unter die 200-Tage-Linie. Dann wären auch Kurse zwischen 88 bis 90 Euro drin. Dort verläuft der seit 2009 bestehende Aufwärtstrend.

Wir bleiben bei unserer Einschätzung: Kaufen.

Kursziel: 130 Euro

Stopp: 82