Die Geschäfte von ABB liefen von April bis Juni dank einer anziehenden Weltkonjunktur und Investitionen in Zukunftstechnologien prächtig. Zudem zahlte sich beim operativen Ergebnis im zweiten Quartal der Umbau von ABB-Chef Björn Rosengren aus, der das Unternehmen auf Rendite trimmen will.

So kletterte die operative Marge auf 15 Prozent nach 10,6 Prozent im Vorjahreszeitraum. Damit erreichte ABB nicht nur den höchsten Wert seit 2008, sondern auch die von Rosengren ausgerufene Vorgabe von 15 Prozent. "Die merklich höhere operative Ebita-Marge spiegelt die Belebung der Nachfrage sowie die verbesserte interne Effizienz und unsere starke Position in den Bereichen Elektrifizierung und Automation wider", erklärte der Manager am Dienstag in Zürich.

Rosengren hatte den einzelnen Geschäften auf Kosten der Konzernzentrale mehr Eigenverantwortung übertragen. Gleichzeitig machte der Schwede seinen Managern klar, dass sie auch kurzfristig an den Margen gemessen würden, wie ein Insider sagte. Entsprechend setzten sie auf Effizienzsteigerungen und drehten an der Kostenschraube.

ABB erhöht Jahresprognose


Einen kräftigen Schub gab es für den Elektrotechnikkonzern auch beim Umsatz. So kletterten die bereinigten Erlöse im Vorjahresvergleich um 14 Prozent auf 7,45 Milliarden Euro. Umsatztreiber waren hohe Nachfrage nach Produkten in den Bereichen Elektrifizierung, Antriebstechnik und Roboter.

Aufgrund der erreichten Q2-Zahlen schraubte der Konzern die Prognose für das Gesamtjahr 2021 erneut nach oben und erwartet nun ein um Wechselkurseinflüsse sowie Käufe und Verkäufe von Geschäftsbereichen bereinigtes Umsatz-Plus von knapp unter zehn Prozent. Bisher hatte das Management einen Anstieg um mindestens fünf Prozent in Aussicht gestellt.

Roboter-Technologie soll die Zukunftsfähigkeit von ABB sichern


Am 20. Juli 2021 hatte ABB den Kauf des spanischen Herstellers von selbstfahrenden Fahrzeugen Asti Mobile Robotics Group bekanntgegeben. Damit baut der Elektrokonzern das Geschäft mit Robotern kräftig aus.

Die Akquisition erweitere bestehende Robotik- und Maschinen-Automatisierungslösungen und schaffe so ein neues Automatisierungsportfolio, teilte ABB am Dienstag mit. Damit soll die weitere Expansion in neue Industriesegmente vorangetrieben werden. "Wir wollen die nächste Generation intelligenter Automation liefern und dabei als "game changer" auftreten", sagte Sami Atiya, der CEO des Geschäftsbereichs Robotics&Discrete Automation von ABB.

Unsere Einschätzung zur ABB-Aktie:


An der Börse in Zürich wurden die Q2-Zahlen von ABB am Morgen im Vergleich zum Vortagesschluss mit einem Plus von 2,23 Prozent auf 33,40 CHF quittiert. Marktteilnehmern zufolge ist das Plus beim Kurs in erster Linie auf Prognoseerhöhung von ABB für das laufenden Geschäftsjahr 2021 zurückzuführen. Das gab auch dem Rivalen Siemens Rückenwind: Die Aktie stieg um 2,6 Prozent an die DAX-Spitze.

Das Ergebnis des zweiten Quartals zeigt, dass der schwedisch-schweizerischer Konzern erfolgreich an der Umsetzung der eigenen Ziele zur Zukunftssicherung und Optimierung der Rendite arbeitet. Dennoch bleibt abzuwarten, ob der aktuell weltweite Chipmangel dem Elektrokonzern bei seinen Expansionsplänen nicht einen Strich durch die Rechnung macht.

Wie auch Siemens braucht ABB gerade im Bereich Robotik dringend Chips, um der Nachfrage nach seinen Produkten Herr zu werden. Eine Besserung bei der Versorgung der Elektrokonzerne mit Halbleitern kann aber noch Monate bis Jahre dauern. Grund hierfür ist die Corona-Krise, die zu einem riesigen Nachfragboom bei elektronischen Geräten wie Konsolen und PCs geführt hat und in der Folge die Lager an Chips schneller als erwartet geleert hatte. Zudem wurden einige große Chip-Fabriken in den USA und China durch Naturkatastrophen schwer beschädigt, was die Lieferengpässe noch verschärfte.

Wir bleiben daher bei unserer Einschätzung Beobachten.

Mit Material von rtr/dpa-AFX