Nach den Kursgewinnen der vergangenen Woche haben Europas Aktienanleger am Montag auf die Bremse getreten. Der Dax verlor bis zum frühen Nachmittag 0,6 Prozent auf 10.030 Zähler, der EuroStoxx50 0,8 Prozent auf 3252 Punkte. "Die Euphorie ist verschwunden, jetzt machen die Anleger erst einmal Kasse", sagte Pierre Martin, Händler bei der Saxo Bank. IG-Marktanalyst Gregor Kuhn sieht die Börsenampeln bis zum Ende des Jahres aber auf grün. Dafür würden professionelle Anleger sorgen, die sich ihre Bilanz nicht verderben lassen wollten. Dax und EuroStoxx notieren derzeit je etwa fünf Prozent über ihren Niveaus Ende des vergangenen Jahres.

Am Freitag hatte noch ein überraschend starker US-Arbeitsmarktbericht den Dax auf ein neues Allzeithoch von 10.093,13 Punkte gehievt. Gedämpft wurde die Stimmung am Monatag aber durch Handelszahlen aus China, die laut Analysten auf eine Konjunkturabkühlung in der zweitgrößten Volkswirtschaft der Welt hindeuteten. Zugleich verschärft sich die Rezession in Japan. Kopfschmerzen bereitete auch die Kreditwürdigkeit Italiens, nachdem die US-Ratingagentur S&P ihre Bewertung gesenkt hat.

Auch die rekordverwöhnte Wall Street dürfte leichter in die Woche starten . Börsianer rätselten, wann der starke Anstieg des Dollar sich auf die Unternehmensgewinne auswirken werde. Wegen der anhaltenden Spekulationen auf eine Zinswende der Notenbank in der weltgrößten Volkswirtschaft legt der Dollar derzeit kontinuierlich zu: Zum Yen erreichte er am Morgen mit 121,84 das höchste Niveau seit Juli 2007. Zugleich rutschte der Euro bis auf ein neues 2-1/2-Jahres-Tief von 1,2247 Dollar ab. Österreichs Zentralbankchefs Ewald Nowotny hatte erklärt, massive Staatsanleihekäufe durch die EZB könnten ein probates Mittel im Kampf gegen die drohende Deflation sein.

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VERKAUFSEMPFEHLUNGEN MACHEN E.ON UND K+S ZU SCHAFFEN

Im Dax nutzten Anleger eine Verkaufsempfehlung der Berenberg Bank zu Gewinnmitnahmen bei E.ON, die 1,8 Prozent verloren. In der Vorwoche hatten die Anleger die geplante Aufspaltung des Unternehmens mit einem Kursfeuerwerk gefeiert. RWE rutschten um 2,3 Prozent ab. Eine Verkaufsempfehlung von Goldman Sachs drückte die Aktien von K+S um 1,6 Prozent. Die Analysten der US-Investmentbank vermuten, dass der Anstieg der Kali-Preise 2015 an Schwung verliert. Europaweit unter Druck standen die Airline-Aktien, nachdem Bank of America/Merrill Lynch für den nächsten Sommer Gewinnwarnungen prognostiziert hatte.

Gegen den Trend stiegen im MDax die Aktien von Axel Springer um 0,6 Prozent. Das Verlagshaus will sich beim hochprofitablen Geschäft mit Kleinanzeigen im Internet stärker engagieren. Im TecDax fielen Carl Zeiss Meditec um 5,4 Prozent. Der Medizintechnikkonzern ist für die Zukunft skeptisch.

Mit Verkäufen reagierten die Anleger in Paris und Zürich auf den Vorstoß des französischen Baustoffkonzerns Saint Gobain, beim Schweizer Bau-Chemiekonzern Sika die Mehrheit zu übernehmen. Das Sika-Management sieht keine Synergiepotenziale und lehnt den Kontrollwechsel ab. Saint-Gobain brachen um bis zu sieben Prozent, Sika sogar um fast 21 Prozent ein.

Reuters