"Für Pimco beginnt eine neue Ära", sagte einer der zehn größten Allianz-Investoren. "Jetzt müssen sie beweisen, dass stimmt, was sie immer gesagt haben: Dass Pimco mehr ist als nur Bill Gross. Am Ende sind die Ergebnisse entscheidend." Ein anderer Großaktionär äußerte sich ähnlich: "Pimco hat sehr viele Talente in der zweiten Reihe und die müssen jetzt ran. Ob das neue Management-Team funktioniert, werden wir im nächsten halben Jahr sehen." Einige Experten warnen bereits vor einer Beschleunigung der schon seit Monaten anhaltenden Mittelabflüsse.

Gross, der die Pacific Investment Management Company (Pimco) 1971 aus der Taufe gehoben und zur Jahrtausendwende an die Allianz verkauft hatte, war am vergangenen Freitag mit sofortiger Wirkung im Streit abgetreten. Einst galt er als das Maß aller Dinge an den Anleihe-Märkten. Doch in der Niedrigzinsphase verließ den Meister, der sich zu Jahresbeginn auch noch mit seinem langjährigen Kompagnon Mohamed El-Erian überwarf, das Gespür für lukrative Investments. Der von Gross persönlich gemanagte Fonds Total Return, das Flaggschiff von Pimco, hinkt den meisten Konkurrenzprodukten schon seit Monaten hinterher. Der Zeitpunkt von Gross' Rückzug kam für die Märkte dann aber doch überraschend. Der 70-Jährige wechselt mit sofortiger Wirkung zum US-Vermögensverwalter Janus Capital.

Auf Seite 2: Wie sich die Allianz um Schadenbegrenzung bemüht

Die Allianz, die sich zum Thema Pimco in den vergangenen Monaten eher bedeckt gehalten hatte, bemüht sich nach dem verheerenden Kurssturz der Aktie vergangene Woche - zeitweise waren es gut sieben Prozent - nun um Schadensbegrenzung. In einem am Montag veröffentlichten Interview vom "Handelsblatt" betonte der für die Vermögensverwaltung zuständige Allianz-Vorstand Jay Ralph: "Dass es irgendwann auch in der Führung Änderungen geben würde, war absehbar."

Die Allianz sei darauf vorbereitet gewesen. Daniel Ivascyn, der jetzt als oberster Anlagechef das Kommando übernehme, sei ein exzellenter Fondsmanager und Teamplayer und werde für Kontinuität sorgen. Ein Strategiewechsel stehe ebenso wenig an wie eine Abspaltung. Am Nachmittag wollte sich auch Allianz-Chef Michael Diekmann in einer Telefonkonferenz mit Analysten zum Thema äußern. Pimco wird für den Konzernlenker, dessen Vertrag der Aufsichtsrat in dieser Woche Finanzkreisen zufolge wohl noch einmal um ein oder zwei Jahre verlängern wird, immer mehr zur Baustelle.

Anleger reagierten nach dem jüngsten Ausverkauf der Allianz-Aktie besonnen: Das Papier zählte zu Wochenbeginn trotz einiger kritischer Analystenkommentare mit einem Plus von knapp einem Prozent zu den wenigen Gewinnern im Dax.

Auf Seite 3: "DIE PERSÖNLICHKEIT VÖLLIG UNTERSCHÄTZT"

Einige Experten warnen bereits, die Mittelabflüsse bei Pimco könnten sich in den kommenden Monaten noch beschleunigen - erst recht, wenn Gross bei seinem neuen Arbeitgeber offensiv um seine alte Kundschaft wirbt. "Der Markt hat weitere Abflüsse von rund 300 Milliarden Dollar eingepreist", sagte auch einer der Allianz-Großaktionäre. "Aber selbst dann bleibt Pimco ein Riese." Die US-Tochter stellt das Rückgrat der Allianz-Vermögensverwaltung dar, die insgesamt rund 1,8 Billionen Euro verwaltet. Deutlich kleiner ist die europäische Schwestergesellschaft Allianz Global Investors (AGI).

Nach der Pimco-Übernahme zur Jahrtausendwende konnte sich der Münchner Konzern auf einen Schlag mit Branchengrößen wie Blackrock messen. Über die Person Gross, die seit jeher als eigenwillig galt, habe sich die Allianz damals kaum Gedanken gemacht, räumt das frühere Aufsichtsratsmitglied Rudolf Hickel ein. "Man hat das Thema Persönlichkeit völlig unterschätzt", sagte er Reuters. "Es hieß, in den US-Markt müssen wir rein. Da galt Pimco als der große Leckerbissen. Das ist auch viele Jahre gut gegangen.

Rückblickend kann man sagen: auch wir auf der Arbeitnehmerseite waren etwas naiv." Einem Insider zufolge war das Verhältnis zwischen Gross und der Allianz am Ende so schlecht, dass er mit seinem Wechsel zur Konkurrenz einem Rauswurf gerade noch zuvorgekommen war.

rtr