BRANCHE UNTER DER LUPE

Auf solidem Fundament: Schwieriges Jahr für die Baubranche - dennoch gibt es aussichtsreiche Aktien

Auf solidem Fundament: Schwieriges Jahr für die Baubranche - dennoch gibt es aussichtsreiche Aktien
14.01.2021 06:59:00

Nach vergleichsweise gutem Pandemie-Jahr wird es für den Bau schwieriger. Doch es gibt aussichtsreiche Aktien. Von Ralf Witzler, Euro am Sonntag

Das Corona-Jahr 2020 hat die Bauindustrie vergleichsweise gut überstanden. Nach Rückschlägen durch Reiseverbote für Arbeitskräfte und Baustellenschließungen aufgrund der Corona-Beschränkungen vor allem zu Beginn der Pandemie lief es besser. So erwarten der Hauptverband der Deutschen Industrie (HDB) und der Zentralverband Deutsches Baugewerbe (ZDB) einen nominalen Umsatzanstieg im Bauhauptgewerbe von drei Prozent für das Gesamtjahr 2020. Für 2021 sind die Verbände für die deutsche Bauindustrie allerdings weniger optimistisch. Prognostiziert wird eine nominale Stagnation und ein reales Minus von zwei Prozent.

Im laufenden Jahr wird es für den Bau und die Zulieferer wichtig, inwieweit die von den Corona-Maßnahmen erheblich stärker belasteten Branchen und die öffentliche Hand in Bauprojekte investieren. Dies gilt nicht allein für Deutschland und die Länder der Europäischen Union (EU), sondern für die Märkte rund um den Globus. In Deutschland beispielsweise hatte der Bau für gewerbliche Investoren schon 2020 deutlich unter den Folgen der Corona-Krise zu leiden, der Wohnungsbau hielt sich dagegen bisher am besten.

Wachstum auf breiter Front

Die Experten der Branchenpublikation International Cement Review erwarten für 2021 einen Anstieg der globalen Zementnachfrage von 2,2 Prozent. Das Wachstum werde von Europa, Nordamerika und den Schwellenländern getragen. Das sind gute Nachrichten für HeidelbergCement, einen der weltweit führenden Hersteller und Händler von Zement, Beton und Baustoffen. Dominik von Achten, seit Februar 2020 Konzernchef, hat strategische Änderungen des Unternehmensportfolios auf die Agenda gesetzt und will sich aus einzelnen Märkten zurückziehen. "Die Grundidee ist, Management- und Kapitalressourcen auf weniger Länder zu konzentrieren", sagte von Achten jüngst in einem Interview.

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Die Geschäftszahlen für die ersten neun Monate des vergangenen Jahres und der Ausblick für das Gesamtjahr waren jedenfalls vielversprechend. Vor allem die Ergebnismarge von mehr 20 Prozent überzeugte. Ein gutes Preisniveau, geringere Energiekosten und Einsparungen von 720 Millionen Euro durch ein zu Beginn der Pandemie aufgesetztes Kostensenkungsprogramm trugen dazu bei. Mittelfristig dürfte HeidelbergCement von den Konjunkturprogrammen in den USA und Europa profitieren, die auch Investitionen in die Infrastruktur vorsehen. Dazu ist es wichtig, dass der Konzern beim Thema CO2-Ausstoß und ESG, den Belangen von Umwelt, Sozialem und guter Unternehmensführung, weiter vorankommt. Denn bei der Vergabe von Aufträgen bekommt das zunehmend Bedeutung.

Renovierungsmarkt stützt

Der weltweit aktive Baustoff- und Industriezulieferkonzern Saint-Gobain zählt zu den größten Anbietern für Baumaterialien, aber auch Hochleistungskunststoffe und Flachglas für die Bau- und Fahrzeugindustrie. Die Franzosen spürten den heftigen Nachfragerückgang durch die Pandemie im zweiten Quartal vor allem bei Hochleistungsmaterialien wie innovativen Keramiken oder feuerfesten Werkstoffen. Dennoch hob Saint-Gobain bereits im Oktober 2020 aufgrund eines verbesserten dritten Quartals die Prognose für das operative Geschäft im zweiten Halbjahr an. Berichten zufolge lief nun auch das vierte Quartal sehr gut. Umsatz und Gewinn sollen kräftig zugelegt haben, die operative Marge auf Rekordniveau liegen. Der Konzern stemmt sich mit Kostensenkungen und reduzierten Investitionen offensichtlich erfolgreich gegen die Auswirkungen der Pandemie.

Mittelfristig dürften Impulse vom robusten Renovierungsmarkt besonders in den Regionen Europa und Nordamerika ausgehen. Er steht für etwa die Hälfte des Konzernumsatzes. Nicht zuletzt die verschärften Klimaziele der EU und die Sanierungsauflagen für institutionelle Investoren dürften die Auftragslage in den kommenden Jahren verbessern. Auch die zuletzt noch schwächelnde Nachfrage aus der Automobilindustrie kommt wieder in Gang.

Dämmung im Trend

Bislang verhältnismäßig gut durch die Krise gekommen ist der Spezialist für Wärmedämmungs-Verbundsysteme und Fassadenelemente Sto. Der Umsatz stieg in den ersten neun Monaten des Jahres hauptsächlich aufgrund von Zukäufen leicht um 1,4 Prozent auf etwas mehr als eine Milliarde Euro. Eine klare Verbesserung gab es nach Unternehmensangaben aber beim operativen Ergebnis (Ebit). Konkrete Zahlen hierzu veröffentlicht Sto nur alle sechs Monate, hob aber die Prognose für das Gesamtjahr 2020 an und erwartet nun ein Ebit in einer Bandbreite von 106 bis 116 Millionen Euro. Zuvor waren es 93 bis 103 Millionen Euro, ein Plus in der Spitze von gut zwölf Prozent.

Ursächlich seien in erster Linie ein verbesserter Produktmix und günstigere Beschaffungskosten. Als Anbieter von Wärmedämmung sowohl mit Naturmaterialien als auch mit konventionellen bedient Sto den Trend zu energieeffizientem Bauen und Sanieren, der sowohl von privaten Bauherren als auch von institutionellen Investoren und Immobilienkonzernen getragen und auch durch den Green Deal der Europäischen Union gefördert wird. Dabei expandieren die Baden-Württemberger bevorzugt in Länder, die wie beispielsweise die Niederlande oder Frankreich das wärmegedämmte Bauen steuerlich unterstützen.
 


INVESTOR-INFO

STO

Genau im Trend

Der Konzern ist über die vergangenen Jahre kontinuierlich gewachsen, und das selbst im Krisenjahr 2020. Die verschärften Klimaziele der Europäischen Union und Auflagen zur Energieeffizienz für institutionelle Immobilienbetreiber dürften das Wachstum des Spezialisten für Wärmedämm-Verbundsysteme dauerhaft treiben. Nicht zuletzt ist die über Jahre stabile Dividendenrendite von knapp unter vier Prozent interessant und macht die Aktie zu einem Kauf.

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HeidelbergCement

In Lauerstellung

Der weltweit tätige Konzern hat seine Kosten auch in der Corona-Krise im Griff. Im Lauf dieses Jahres könnten staatliche Konjunkturprogramme in den Vereinigten Staaten und in Europa Impulse liefern. Die strategische Portfolio-Optimierung dürfte Kapital freisetzen, um die Chancen der Digitalisierung zu nutzen und zur Stärkung der Präsenz in Wachstumsmärkten beitragen. Mehr Chancen als Risiken.

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Saint-Gobain

Zeichen der Hoffnung

Der Konzern ist aussichtsreich aufgestellt. Mit dem Digitalisierungsprogramm kommt Saint-Gobain voran, ebenso mit Kostensenkungen. Das vierte Quartal ist Berichten zufolge bei Umsatz und Gewinn besser ausgefallen als erwartet. Chancen bieten sich etwa durch Energieeffizienz-Auflagen in der Gebäuderenovierung. Das Geschäft mit der Autobranche kommt zurück. Anleger sollten die Chancen auf steigende Kurse nutzen.

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