Anmerkung der Redaktion: Dieser Artikel erschien am 22.12.2016 in Heftausgabe 51/2016

Der Blick zurück auf das Börsenjahr 2016 gleicht hierzulande einer Achterbahnfahrt. Das zeigte sich bereits beim Start. Der DAX verlor allein in den ersten sechs Wochen rund 2000 Punkte oder nahezu 20 Prozent. Schwache Konjunkturdaten aus den USA und die Sorge vor einer deutlichen Wachstumsabschwächung in China wurden seinerzeit als Gründe für den rapiden Kursverfall herangezogen. Dann aber erholten sich die Bluechips - und gaben nach der Brexit-Entscheidung erneut rund ein Zehntel ab. Der darauffolgende Richtungswechsel fiel dann aber ebenso dynamisch aus. Und zum Jahresende hin kam es dann sogar noch zu einer Rally, die dem DAX bis kurz vor Weihnachten ein Jahresplus von etwas mehr als sechs Prozent bescherte.

Hält der Trend?



Interessant wird nun, ob der deutsche Aktienmarkt den zuletzt gewonnenen Rückenwind auch in das neue Jahr mitnehmen kann. Ein Blick auf die Schätzungen der Banken für 2017 zeigt, dass große Unsicherheit herrscht. Die Kursziele für den DAX reichen von 11 000 bis 12 000 Punkte, es ist also ein kleines Minus wie auch ein Plus drin. "Vor dem Hintergrund der anhaltenden politischen Unsicherheit in Europa erwarten wir einen relativ volatilen Kursverlauf zwischen 10 000 und 12 000 Punkten", sagt etwa Commerzbank-Experte Andreas Hürkamp stellvertretend für das Gros der Analysten.

Aus der Industrie kommen derweil positive Signale, insbesondere aus den zyklischen Sektoren wie dem Maschinenbau oder der Automobilbranche. Diese zeigen sich vor allem in der Hoffnung auf eine Verbesserung der Exportwirtschaft optimistischer. Der Euro ist günstig und die Weltkonjunktur zieht an. "Von daher spricht einiges dafür, dass es den 30 DAX-Unternehmen nach der nur mäßigen Entwicklung in diesem Jahr 2017 gelingen wird, ein ordentliches Gewinnwachstum zu erzielen", lautet das Fazit der Fachleute des Bankhauses M. M. Warburg.

Für die Bluechips sprechen auch die hohen Ausschüttungen, die im kommenden Jahr zu erwarten sind. "21 DAX-Unternehmen werden nach unserer Prognose ihre Dividenden anheben, und die DAX-Dividendensumme könnte um fünf Prozent auf ein neues Allzeithoch von 30,7 Milliarden Euro steigen", rechnet Commerzbank-Experte Hürkamp vor. Er rät Anlegern, vor allem nervöse Marktphasen, in denen der Volatilitätsindex VDAX auf über 25 steigt, zum Aufstocken von DAX-Positionen zu nutzen.

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Aussichtsreicher Zehnerpack



Wir haben uns auf die Suche nach den Top-Picks für das kommende Jahr gemacht - und das nicht nur im DAX. Auch in der zweiten und dritten Börsenreihe gibt es Kandidaten, die hohes Kurspotenzial versprechen. Mit SinnerSchrader haben wir beispielsweise im vergangenen Jahr einen Top-Performer erwischt. Im kommenden Jahr versprechen wir uns von dem Small Cap GK Software ähnliche Kurssteigerungen. Das Unternehmen schaffte 2016 den Turnaround und sollte im kommenden Jahr richtig durchstarten. Der Durchschnitt der Analysten rechnet mit einer Gewinnverdopplung.

Aus dem DAX sind SAP und Deutsche Post unsere Favoriten. Der Gelbe Riese profitiert unter anderem von einem starken Express- und B2C/E-Commerce-Geschäft. Das sehen auch die Analysten von Goldman Sachs so. Sie trauen der Aktie in den kommenden drei Jahren zu, die Marke von 50 Euro zu erreichen - ein Potenzial von 60 Prozent.

Eine Börsenliga tiefer, im MDAX, setzen wir auf Zalando und MTU Aero Engines. Der Triebwerksbauer stellt höhere Dividenden und Gewinne in Aussicht. Ab 2018 soll das operative Ergebnis überproportional zum Umsatz steigen und die Aktionäre sollen stärker am Profit beteiligt werden. Da die Börse die Zukunft handelt, sollten sich Anleger schon jetzt rechtzeitig positionieren.

Der TecDAX hält mit Bechtle, RIB Software und S & T sogar ein aussichtsreiches Trio in seinen Reihen. Letztgenannter ist nicht nur wegen seines operativen Wachstumskurses interessant, zudem schwingt etwas Übernahmefantasie mit. Im Zuge des Deals mit Kontron hat sich die Foxconn-Tochter Ennoconn an den Österreichern beteiligt. "Ich gehe davon aus, dass Foxconn uns komplett übernimmt, wenn wir uns schlecht entwickeln und der Aktienpreis deutlich fällt", sagte jüngst S & T-Chef Hannes Niederhauser. Komplettiert wird unsere Auswahl für 2017 von den SDAX-Titeln Rocket Internet und Deutz.



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Deutschland auf einen Blick



Chancen und Risiken halten sich 2017 die Waage. Während die Wahl einen Unsicherheitsfaktor darstellt, spricht ein solider Wirtschaftsaufschwung für deutsche Aktien.







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Europa: Aufbruch in bessere Zeiten



Europäische Aktien hatten 2016 wieder einmal das Nachsehen. Nur eine Nullrunde steht für den Euro Stoxx 50 kurz vor dem Jahresende zu Buche. Allerdings könnten die Kurse auf dem alten Kontinent im neuen Jahr Fahrt aufnehmen. Die Prognosen reichen bis 3450 Punkte.

Unterstützung kommt von der Wirtschaft. So blieb der Einkaufsmanagerindex für die Privatwirtschaft im Dezember weiter auf dem Jahreshoch von 53,9 Punkten. Werte über 50 signalisieren Wachstum. "Die Eurozone hat im Dezember ein starkes Finale hingelegt", kommentiert Chris Williamson, Chefvolkswirt des Analysehauses Markit. Das BIP dürfte nach Ansicht des Instituts im vierten Quartal um 0,4 Prozent gewachsen sein und damit stärker als in den drei Vorquartalen.

Besonders die Industrieunternehmen machen derzeit eine gute Figur. Das hat einen einfachen Grund: den schwachen Euro. In den vergangenen drei Monaten wertete die Gemeinschaftswährung gegenüber dem US-Dollar um mehr als sechs Prozent ab. Dadurch werden die Produkte für Ausländer billiger - und diese griffen zuletzt beherzt zu. "Die Geschäfte sind so gut gelaufen wie seit fünfeinhalb Jahren nicht mehr", verdeutlicht Williamson.

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Aktien haben Nachholpotenzial



Als Exportregion profitiert Europa nicht nur von der positiven Situation in den USA, auch das stabile Wachstum in China sowie die verbesserte Lage in den Rohstoffländern geben der Wirtschaft des Kontinents Rückenwind. "Die Unternehmensgewinne können im zweistelligen Bereich zulegen", prognostiziert Christian Heger von der HSBC. Der Experte zeigt sich daher auch optimistisch hinsichtlich der Aktienkurse. Zuletzt haben seiner Ansicht nach politische Unsicherheiten Investoren ferngehalten. "Dadurch haben europäische Aktien deutlichen Aufholbedarf. Wir sehen für 2017 durchaus Potenzial für ein Kursplus von 20 Prozent", sagt Heger.

In das gleiche Horn bläst M. M. Warburg: "Die schon im gesamten Jahr dominierenden Sorgen vor politischen und wirtschaftlichen Unwägbarkeiten führen dazu, dass die Kassequoten bei vielen Anlegern weiterhin sehr hoch und die Bewertungsmultiplikatoren eher tief sind." Das Researchhaus hält daher ebenfalls höhere Kurse für gerechtfertigt, verweist gleichzeitig aber auf weiterhin starke Schwankungen: "Gute Nerven bleiben deshalb auch im nächsten Jahr gefragt."

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Acht Favoriten fürs neue Jahr



Wie schwierig es ist, in Europa die Toptitel herauszufiltern, zeigt ein Blick auf 2016. Unser damaliger Favorit Easyjet verlor im Zuge des Brexit rund die Hälfte seines Werts. Dies wiederum zeigt, wie wichtig Stoppkurse sind. Sie begrenzten den Verlust bei der Airline-Aktie auf ein Fünftel. Auch 2017 schweben mit den zahlreichen Wahlen viele Unsicherheiten über den Kursen. Wir setzen bei unserer neuen Auswahl ausschließlich auf einen Mix aus aussichtsreicher Strategie, Bewertung und Wachstumspotenzial.

Die neue Auswahl deckt sich nur bei einem Titel mit der Vorjahreszusammensetzung: Inditex. Die spanische Modekette, die mit den Marken Zara, Pull & Bear und Massimo Dutti bekannt ist, legte 2016 bei Umsatz und Gewinn weiter stark zu. Aufgrund seiner flexiblen Produktion schlägt sich das Unternehmen deutlich besser als die Konkurrenz. Das lässt sich auch am Aktienkurs ablesen. Während beispielsweise Erzrivale H & M in diesem Jahr 16 Prozent an Wert verlor, zog die Inditex-Aktie um gut zwei Prozent an.

Aus regionaler Sicht setzen wir aus Frankreich auf Michelin und LVMH, in der Schweiz trauen wir Novartis und in Österreich Zumtobel großes Aufholpotenzial zu. In den Niederlanden fiel die Wahl auf ASML und Philips. Letzteres Unternehmen befindet sich gerade in einem lukrativen Transformationsprozess. Philips ist dabei, das Lichtgeschäft zu veräußern und sich in Zukunft verstärkt auf die Medizintechnik sowie Elektronikgeräte zu konzentrieren. Dabei gelang dem Konzern im Dezember noch der Verkauf seiner Tochter Lumileds an den Finanzinvestor Apollo. Die Neuausrichtung dürfte Philips künftig höhere Margen bescheren - und damit auch einen steigenden Aktienkurs.

Aus dem hohen Norden Europas zählt Stora Enso zu unseren Favoriten. Der finnische Papierhersteller befindet sich ebenfalls gerade in einem Umbruch. Die Firma schwenkt von Zeitungspapier mit niedrigen Margen hin zu den profitableren Lebensmittelverpackungen. An der Börse wird das bereits honoriert, im November nahm die Aktie Fahrt auf. ci



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Europa auf einen Blick



Politische Börsen haben kurze Beine, heißt es. Die Vielzahl an Wahlen in diesem Jahr in Europa dürfte die Finanzmärkte allerdings in Atem halten. Die Konjunktur könnte derweil weiter zulegen.







In Teil eins geben wir Ihnen einen Überblick über das abgelaufene und das kommende Jahr. In
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