Wer jetzt verstärkt Ausschau hält nach Rendite in Märkten außerhalb von Europa und den USA, stößt auf bessere Rahmenbedingungen als noch vor Jahresfrist. Die Zinssenkungen der US-Notenbank sorgen dafür, dass Schwellenländerinvestments wieder attraktiver werden. Die sinkenden Kreditkosten verbessern die Finanzierungsbedingungen für Investitionen. Zugleich könnte eine Lösung im Handelsstreit zwischen den USA und China für Entspannung sorgen. Ein solcher Schritt würde vor allem die Unternehmensgewinne in zyklischen Branchen wieder ankurbeln.

Das Börsenjahr 2019 hat gezeigt, dass Schwellenländerbörsen besonders stark von politischen Faktoren abhängen. So wurde aus dem starken Aufgalopp an den chinesischen Märkten im Jahresverlauf eine Seitwärtsbewegung, nachdem sich der Handelskrieg mit den USA verschärft hatte. Unterdessen wurden die Börsen in Brasilien zu Jahresbeginn und im letzten Jahresdrittel dann in Indonesien und Indien beflügelt von der Hoffnung auf den Erfolg von Wirtschafts- und Finanzreformen. Der Leit­index der Moskauer Börse, der RTS mit seinen Schwergewichten aus dem Rohstoffsektor, profitierte wiederum von stabilen Preisen für Erdöl und Erdgas.

Die Entwicklung in China und den USA, darüber ist sich das Gros der Finanz­experten einig, wird auch im neuen Jahr die Schwellenmärkte prägen. "Ich sehe es für 2020 als wahrscheinlicher, dass sich das Wirtschaftswachstum in den Schwellenländern gegenüber dem in den Industriestaaten beschleunigt - immer vorausgesetzt, dass die USA nicht in eine Rezession abdriften", sagt Projit Chatterjee, Schwellenländer-Anlagestratege bei der UBS.

David Wehner, Portfoliomanager beim Münchner Vermögensverwalter Do Invest­- ment AG, erwartet für die Schwellenländer unterschiedliche Szenarien: "Das chinesische Wirtschaftswachstum wird auf weniger als sechs Prozent fallen und damit auch das Wachstum im gesamten asiatischen Raum verlangsamen", sagt der Experte. "Dagegen sollte sich das Wachstum bei anderen Schwergewichten wie Brasilien, Russland und Indien stabilisieren. Wegen der moderaten Aussichten werden sich die Inflationsraten kaum beleben."

Sektoren mit Bedacht auswählen


Um die makroökonomischen Risiken auszubalancieren, empfiehlt es sich zum einen, auf Sektoren zu setzen, die von einem verstärkten Binnenkonsum profitieren. Zum anderen gilt es, bereits jetzt in Unternehmen zu investieren, deren Geschäft von einer künftigen Belebung des Welthandels getrieben wird.

Ross Teverson, Anlagestratege bei Jupiter Asset Management, setzt verstärkt auf Branchen, die 2020 unabhängig vom Ausgang des Handelsstreits zwischen den USA und China positive Überraschungen liefern können. Dazu zählt er den Bankensektor: "Vor allem in kleineren Märkten liefern viele Banken starke Erträge und sind zugleich attraktiv bewertet." Auch bei den Halbleiterfirmen sieht er Spielraum für weitere Gewinnsteigerungen, vor allem aufgrund des steigenden Bedarfs an Chips durch den Aufbau von 5G-Netzen im Telekomsektor.

Banken und Versicherer sowie Gesundheitsfirmen zählen zu den Favoriten von Wim-Hein Pals, leitender Anlagestratege für Schwellenländer bei Robeco, jedenfalls solange sie als Nutznießer des strukturellen Wachstums in China gelten. In den anderen Märkten der Schwellenländer sieht er die Wachstumsimpulse in erster Linie bei den Konsumbranchen und den internetaffinen Geschäftsfeldern wie Onlinehandel: "Generell sind wir eher in Geschäftsfeldern für Konsum als in der Industrieproduktion investiert."

Auf Länderebene zählt die Industrienation Japan zu den Märkten, die von einer stabilen chinesischen Wirtschaft beeinflusst werden, sagt Sean Taylor, Schwellenländerstratege bei DWS: "Der Handelskonflikt hat sich negativ auf die Gewinne vieler Unternehmen niedergeschlagen. Umgekehrt sind japanische Aktien derzeit so niedrig bewertet wie seit 15 Jahren nicht mehr."

Rendite über Fonds und ETFs


Schwellenländer, vor allem in Asien, gehören in jedes diversifizierte Depot. Mit ETFs lässt sich in mehrere Schwellenländer gleichzeitig investieren. Es gibt aber auch Produkte, die gezielt ausgewählte Märkte abbilden, die überdurchschnittliche Wachstumsraten versprechen. Die in der Tabelle aufgelisteten Produkte sind für Einsteiger eine gute Wahl. Ausgewählte aktiv verwaltete Aktienfonds, die auf Schwellenländer sowie Japan ausgerichtet sind, bieten dagegen die Chance, eine bessere Rendite zu erzielen als mit ETFs, die einzelne Indizes abbilden.