Gespannt wartete die Börse am Donnerstagabend auf die Quartalszahlen des größten deutschen Softwarekonzerns. SAP veröffentlichte sie mit etwas Verzögerung um 22:15 Uhr nach US-Börsenschluss - und hat allen Unkenrufen zum Trotz geliefert. Die Zahlen im Detail.

Die Aktie des Softwarekonzerns SAP steht seit Monaten unter Druck. Seit ihrem Höchststand im Februar 2025 hat sie sich nahezu halbiert. Zuletzt stellten Anleger vor allem wegen der wachsenden Konkurrenz durch KI-Agenten das Geschäftsmodell von SAP in Frage.

Die Kursentwicklung im Vorfeld ließ nichts Gutes erahnen: Mehr als sechs Prozent verlor SAP im Laufe des Donnerstagshandels. Über den gesamten Tag hinweg sank der Kurs.

Im Visier der Investoren war vor allem die Umsatzentwicklung im Abonnement-Geschäft, aber auch bei den Cloud-Umsätzen. Gleichzeitig interessierte, wieviel Geld SAP in eigene KI-Rechenzentren und -Agenten investieren will, um die Lücke zu US-Konkurrenten wie Salesforce oder ServiceNow zu schließen.

Doch die Zahlen, die SAP dann vorlegte, ließen die Skeptiker vorerst verstummen. Kurz darauf sprang die Aktie in New York nachbörslich zeitweise um zehn Prozent in die Höhe.

Das hat SAP im ersten Quartal geliefert:

Umsatz: 9,55 Milliarden Euro (erwartet wurden 9,56 Milliarden Euro)

Gewinn nach Steuern: 1,946 Milliarden Euro

Gewinn je Aktie: 1,66 Euro (erwartet wurden 1,64 Euro)

Der Umsatz steigt damit um 6 Prozent, währungsbereinigt sogar um 12 Prozent. Der aus Cloudverträgen in den kommenden zwölf Monaten zu erwartende Umsatz (current cloud backlog - CCB) legte um 20 Prozent auf 21,9 Milliarden Euro zu. Auch im klassischen EREP-Geschäft stiegen die Erlöse um 23 Prozent, währungsbereinigt sogar um 30 Prozent.

Das Betriebsergebnis gemäß IFRS stieg um 17 Prozent, währungsbereinigt um 24 Prozent.

SAP (WKN: 879535)

SAP-Chef deutet große KI-Offensive an

„Mit einem währungsbereinigten Wachstum des Current Cloud Backlog von 25 Prozent und einem Anstieg der Cloud Erlöse um 27 Prozent sind wir stark ins neue Jahr gestartet“, kommentierte SAP-Chef Christian Klein die Zahlen. „Getragen wird dieses Ergebnis vor allem von der hohen Dynamik im Bereich Unternehmens KI, in dem wir unseren Kunden schon heute spürbaren Mehrwert bieten. Wir wachsen deutlich schneller als der Markt, bauen unsere Marktanteile weiter aus und sehen, wie Kunden zunehmend weitere Lösungen aus unserer Suite sowie verstärkt unsere KI Angebote nutzen.“ Auf der Hausmesse SAP Sapphire werden der Konzern den nächsten wichtigen Schritt vorstellen.

Die erste Börsenreaktion war euphorisch: Die Aktie sprang in New York gegenüber ihrem Schlusskurs um mehr als zehn Prozent in die Höhe und pendelte sich dann bei etwa acht Prozent ein. In Deutschland stieg das Papier im späten Handel bei Baader Trading binnen Sekunden um sechs Prozent oder neun Euro auf knapp 149 Euro und machte damit den Tagesverlust vom Donnerstag mehr als wett.

Argument gegen den KI-Trade

Die Zahlen zeigen, dass die Nachfrage naxch SAP-Lösungen unvermindert hoch ist,. Offenbar gelingt es den Walldorfern auch in immer größerem Maße, ihre Kunden mit eigenen und implementierten KI-Anwendungen zu überzeugen. Das widerspricht dem Narrativ, dass KI-Agenten wie Claude oder ChatGPT die Geschäftsmodelle der großen Softwarekonzerne bald obsolet machen könnten.

Den SAP-Konkurrenten ServiceNow hatte die Börse am Tag zuvor noch abgestraft. Bei SAP scheint es komplett anders zu laufen.

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Hinweis auf Interessenkonflikte
Der Autor hält unmittelbar Positionen über die in der Publikation angesprochenen nachfolgenden Finanzinstrumente oder hierauf bezogene Derivate, die von der durch die Publikation etwaig resultierenden Kursentwicklung profitieren können: SAP.