Der Index wird wie erwartet zum 20. September von 30 auf 40 Unternehmen erweitert und steht damit vor der größten Reform seit seiner Einführung 1988. Marktexperten hatten mit einer Rückkehr "Nivea"-Herstellers Beiersdorf in den Dax gerechnet und statt dessen ein Duell von Puma und Qiagen um einen der zehn neuen Plätze erwartet.

Neben Puma und Qiagen rücken acht weitere Unternehmen aus dem Nebenwerte-Index MDax in den Leitindex auf. Das sind Flugzeugbauer Airbus, der Online-Modehändler Zalando, die Medizintechnik-Firmen Siemens Healthineers und Sartorius, der Aromen-Anbieter Symrise, der Volkswagen-Großaktionär Porsche, der Chemikalien-Händler Brenntag und der Lebensmittel-Lieferant Hellofresh.

"Der Dax wird noch attraktiver, denn die neuen Spieler sind jünger und bringen andere Ideen aufs Spielfeld", sagte Christine Bortenlänger, Geschäftsführende Vorständin des Deutschen Aktieninstituts (DAI). Die Neuzugänge seien bereits im MDax erfolgreich gewesen.

ERWEITERUNG IST NICHT ALLES - REFORM SEIT LANGEM GEFORDERT


Die Reform des deutschen Leitindex erschöpft sich allerdings nicht in seiner Erweiterung. Die Deutsche Börse verschärft auch die Regeln für eine Dax-Mitgliedschaft. Damit soll verhindert werden, dass es erneut zu einem Skandal um ein Dax-Mitglied wie beim Zusammenbruch des Zahlungsdienstleisters Wirecard-kommen kann. Außerdem fliegen Firmen bei einer Insolvenz nun binnen zwei Handelstagen aus den Auswahl-Indizes. Bei Wirecard hatte das alte Regelwerk den Dax-Verbleib des Unternehmens trotz der Affäre um Luftbuchungen bis zu einer regulären Prüfung vorgesehen. Die Verschärfung der Kriterien könne aber nur ein erster Schritt sein, um die Attraktivität des Leitindex zu steigern, gab Börsenexperte Tobias Stöhr vom Brokerhaus Spectrum Markets zu bedenken.

Eine Dax-Aufstockung haben einige Marktteilnehmer schon seit längerem gefordert. Sie begründeten dies unter anderem damit, dass im Vergleich zum Startjahr des Dax 1988 es nun viel mehr größere börsennotierte Werte gebe. Zudem enthalten einige andere europäische Leitindizes bereits deutlich mehr Unternehmen. Manfred Schlumberger, Chef-Portfoliomanager des Vermögensverwalters Starcapital, bezweifelte allerdings, dass der Dax dank der Erweiterung zur Konkurrenz aufschließen könne. "US-Aktienindizes sind viel attraktiver als ihre europäischen Pendants, weil sie einen sehr hohen Anteil in zukunftsträchtigen Branchen wie Technologie und Kommunikation haben. Die bekommt der Dax auch durch die Reform nicht, weil es die hierzulande schlicht nicht gibt."

FLUCH ODER SEGEN FÜR DEN MDAX?


Uneins waren sich Experten über die Auswirkungen der Dax-Reform auf den MDax, der nun um zehn auf 50 Werte schrumpft. Die Abgänge machten rund 45 der Marktkapitalisierung des Nebenwerte-Index aus, rechnete DAI-Vorständin Bortenlänger vor. "Diese Lücke wieder zu schließen ist nicht so einfach." Spectrum-Experte Stöhr sieht darin dagegen eine Chance. Die verbliebenen Firmen seien wachstumsstärker.

rtr