Buffett tritt in den Hintergrund, doch Berkshire bleibt seiner Strategie treu. Greg Abel setzt auf Geduld, Cash und Effizienz – und könnte bei einem Aktiencrash besonders profitieren.

Das Ende einer Ära: Bei der 60. jährlichen Hauptversammlung von Berkshire Hathaway am 2. Mai 2026 stand nicht mehr Warren Buffett im Mittelpunkt, sondern sein Nachfolger als CEO, Greg Abel. Buffett hatte Berkshire in den 59 Jahren zuvor von einem strauchelnden Textilunternehmen zu einem der größten Konglomerate der Welt geformt.

Operativ lieferte der Konzern ein starkes Quartal. Der operative Gewinn lag mit 11,3 Milliarden US-Dollar 18 Prozent über dem Vorjahresquartal. Besonders gut entwickelte sich das Versicherungsgeschäft: Der Underwriting-Gewinn, also der Gewinn aus dem eigentlichen Versicherungsgeschäft ohne Kapitalanlageerträge, stieg um 29 Prozent. Lediglich der Gewinn aus Versicherungs-Investments ging im Vergleich zum Vorjahr um sieben Prozent zurück, vor allem wegen niedrigerer Zinsen.

Trotz der starken Zahlen stand vor allem die Frage im Mittelpunkt, ob Berkshire auch ohne Buffett als Hauptfigur funktionieren kann. Im Folgenden die drei wichtigsten Erkenntnisse für die Zukunft des Konzerns.

Berkshire bleibt Berkshire

Auch wenn Greg Abel auf der Hauptversammlung deutlich nüchterner auftrat als Warren Buffett, sollen die Grundprinzipien des Konzerns erhalten bleiben. Abel machte klar, dass auch für ihn Geduld, langfristiges Denken und konservative Kapitalallokation zentral sind. Eine Aufspaltung des Konzerns schloss er aus.

Einzelne Verkäufe kämen nur infrage, wenn ein Geschäft nicht mehr nachhaltig ist, Reputationsrisiken schafft oder strukturelle Probleme nicht lösbar sind. Entscheidend sei jedoch, dass Berkshires Konglomeratsmodell weiterhin mit wenig Bürokratie, niedrigen Kosten und hoher Flexibilität funktioniert.

Abel hält den Daumen auf der Kasse

Im ersten Quartal 2026 ist der Bestand an Barmitteln und kurzfristigen Anlagen auf gigantische 397 Milliarden US-Dollar angewachsen. Berkshire habe zwar einige potenzielle Investments im Blick, halte die Bewertungen derzeit aber für zu hoch, sagte Abel. Aufgrund der enormen Größe des Konzerns kommen ohnehin nur sehr große Deals infrage.

Am Rande der Hauptversammlung betonte Warren Buffett, dass er an den Märkten derzeit eine spekulative Stimmung sieht. Neue Investments sollen erst dann erfolgen, wenn die Bewertungen wieder attraktiver sind. Auch Abel hob mehrfach hervor, dass Geduld eine der größten Stärken von Berkshire sei.

Die hohe Cash-Position macht Berkshire im Versicherungsgeschäft unabhängiger von Banken und Kapitalmärkten. Gerade in diesem Bereich ist jederzeitige Zahlungsfähigkeit entscheidend, wenn etwa nach einer Naturkatastrophe hohe Schadenssummen auf einmal ausgezahlt werden müssen. Zudem ist das Geld nicht komplett unproduktiv: Ein Großteil liegt in kurzlaufenden US-Staatsanleihen und erwirtschaftet dadurch laufende Zinserträge.

Technologie und KI werden wichtiger

Während Buffett vor allem für seine Kapitalallokation bekannt war, gilt Abel als starker Manager der einzelnen Tochtergesellschaften. Genau dort setzt er nun an: Die Unternehmen sollen effizienter arbeiten, Ressourcen besser einsetzen und Technologie gezielter nutzen. Künstliche Intelligenz soll jedoch nur dort zum Einsatz kommen, wo sie dem Geschäft einen konkreten Mehrwert liefert – zum Beispiel durch niedrigere Kosten oder zusätzliches Wachstum.

Beispielsweise soll die Eisenbahntochter BNSF mithilfe von KI effizienter werden, etwa durch eine bessere Ressourcennutzung und schnellere Abläufe. Im Versicherungsgeschäft will Berkshire nach einer schwächeren Wachstumsphase wieder mehr Kunden gewinnen und gleichzeitig die Preise besser an die jeweiligen Risiken anpassen.

Fazit: Kapitalallokation bleibt richtungsweisend für die Aktie

Auch unter Greg Abel dürfte Berkshire seinen Grundprinzipien treu bleiben. Der neue CEO setzt auf Kontinuität, Geduld und konservative Kapitalallokation, will den Konzern aber zugleich operativ und technologisch weiterentwickeln.

Die zentrale Frage bleibt, ob Berkshire die hohen Cash-Reserven künftig renditestark einsetzen kann. Aktuell wartet der Konzern auf günstigere Einstiegschancen. Bleibt ein größerer Rücksetzer jedoch aus, könnte Berkshire attraktive Kaufgelegenheiten verpassen.

Für defensive Anleger bleibt die Aktie dennoch interessant. In starken Marktphasen dürfte Berkshire zwar schlechter abschneiden als der Gesamtmarkt, wie Buffett selbst sagt. Dafür bleibt der Konzern in Krisen handlungsfähig und kann antizyklisch günstige Kaufgelegenheiten nutzen. In solchen Phasen dürfte auch die Aktienperformance besser ausfallen als beim Gesamtmarkt.

Der Best of Billionaires Index von BÖRSE ONLINE bündelt Aktien, auf die einige der bekanntesten Investoren der Welt setzen. Dazu gehören Berkshire Hathaway, Beteiligungen aus dem Berkshire-Portfolio sowie weitere Werte von Bill Gates, Bill Ackman und Ken Fisher.

Weiterführende Links

Häufig gestellte Fragen:

Wer führt Berkshire Hathaway nach Warren Buffett?

Nach dem Führungswechsel steht Greg Abel als CEO an der Spitze von Berkshire Hathaway. Er gilt als operativ starker Manager und will die Grundprinzipien des Konzerns fortführen: Geduld, langfristiges Denken und konservative Kapitalallokation.

Warum hält Berkshire Hathaway so viel Cash?

Berkshire Hathaway hält hohe Cash-Reserven, um in Krisen handlungsfähig zu bleiben und bei günstigeren Bewertungen investieren zu können. Aktuell sieht das Unternehmen keine attraktiven Investmentchancen.

Welche Rolle spielt KI bei Berkshire Hathaway?

Künstliche Intelligenz soll bei Berkshire dort eingesetzt werden, wo sie dem Geschäft konkreten Mehrwert liefert – etwa durch niedrigere Kosten, effizientere Abläufe oder zusätzliches Wachstum.

Hinweis auf Interessenkonflikte:
Der Chefredakteur dieser Publikation, Herr xxx xxx, ist unmittelbar und mittelbar Positionen über die in der Publikation angesprochenen nachfolgenden Finanzinstrumente oder hierauf bezogene Derivate eingegangen, die von der durch die Publikation etwaig resultierenden Kursentwicklung profitieren können: Berkshire Hathaway.