Beim Softwareunternehmen SAP mussten die Börsianer im April eine Flut von wichtigen Unternehmensnachrichten verarbeiten. Vor einer Woche meldete das Management schlechter als erwartete Quartalszahlen und den Weggang von Jennifer Morgan, die bislang zusammen mit Christian Klein das Unternehmen geführt hat. Die Aktie geriet dadurch unter erheblichen Verkaufsdruck. In dieses Negativbild passt der am Freitag gemeldete Insiderverkauf der Sabine Plattner GmbH, die sich von fast 282.000 SAP-Aktien getrennt und dadurch rund 31 Millionen Euro erlöst hat. Besonders interessant: In den vergangenen Monaten gab es ausschließlich Verkäufe zu vermelden. Der jüngste Insiderkauf wurde im Juli 2019 registriert worden. Damals kauften fünf Unternehmensmanager für insgesamt 262.000 Euro mehr als 2.300 Papiere des DAX-Werts. Gemessen an den nachfolgenden Verkäufen kann man deren Volumen allenfalls als "homöopathisch" bezeichnen.

Charttechnik SAP
Der DAX-Wert SAP hat innerhalb von vier Wochen einen Kurssturz von in der Spitze mehr als 30 Prozent erlitten. Mittlerweile befindet sich der Softwaretitel, im Gleichschritt zum Leitindex, aber in einer Erholungsrally. Aus charttechnischer Sicht ist positiv hervorzuheben, dass der im Bereich von 85 Euro angesiedelte massive Boden bislang unverletzt geblieben ist. Doch für eine generelle Entwarnung scheint die Zeit noch nicht reif zu sein. So wird das Marktsentiment vor allem durch das Drehen der langfristigen 200-Tage-Linie nach unten erheblich getrübt, schließlich werten chartorientierte Investoren dies als Trendwechselsignal nach unten. Auf kurze Sicht hat nun das Verteidigen der bei 105 Euro verlaufenden Unterstützungszone höchste Priorität. Bei einem Verletzen dieser Marke könnte nämlich chartinduzierter Verkaufsdruck aufkommen.

Familie Dräger in Kauflaune


In diesem Jahr hat das Unternehmen Drägerwerk für erhebliches Aufsehen gesorgt. Kein Wunder, schließlich gilt der Hersteller von Beatmungsgeräten als Profiteur der aktuellen Pandemie. Um den Auftragsboom zu bewältigen, führte das familiengeführte Unternehmen im April eine Kapitalerhöhung um eine Million Aktien durch und erlöste dadurch 76,5 Millionen Euro. Vorstandschef Stefan Dräger und Großaktionär Heinrich Dräger haben im Zuge dieser Maßnahmen fast 8.500 bzw. 75.000 neue Aktien erworben und damit einen starken Vertrauensbeweis abgeliefert. Nun sorgt die für Donnerstag angekündigte Veröffentlichung aktueller Quartalszahlen für erhöhte Spannung. Neben dem aktuellen Geschäftsverlauf dürften sich die Börsianer vor allem für die weiteren Perspektiven des Medizintechnikunternehmens stark interessieren. Der Optimismus der Analysten bleibt jedoch angesichts lediglich einer Kaufempfehlung überschaubar. So hat die Privatbank Hauck & Aufhäuser am vergangenen Freitag die Vorzugsaktie von Drägerwerk von "Hold" auf "Buy" hochgestuft und das Kursziel von 75 auf 95 Euro angehoben.

Charttechnik Drägerwerk
Mitte März setzte der TECDAX-Wert zu einer beeindruckenden Rally an und hat sich innerhalb von weniger als drei Wochen in der Spitze fast verdoppelt. Die nachfolgende Korrekturphase drückte den Titel dann wieder in Richtung 75 Euro, wo sich mittlerweile ein charttechnischer Boden gebildet hat. Positiv hervorzuheben ist der Umstand, dass in diesem Jahr der Ausbruch aus einem zweijährigen Abwärtstrend gelungen ist. Ende 2019 gab es mit Blick auf den Chart bereits zwei ermutigende Signale zu vermelden. Erstens: Der Abwärtstrendkanal wurde nach oben verlassen. Zweitens: Die langfristige 200-Tage-Linie wechselte vom Abwärts- in den Aufwärtsmodus und generierte dadurch ein starkes Trendwechselsignal. Eine charttechnische Widerstandszone, deren Überwinden kein leichtes Unterfangen werden dürfte, wartet nun im Bereich von 100 bis 105 Euro.

Qiagen-Finanzchef verkauft im großen Stil


Ein anderes Unternehmen, über das im Zuge der Coronakrise ebenfalls verstärkt berichtet wird, ist Qiagen. Dank stark nachgefragter Tests für den Einsatz in der Corona-Pandemie hat Qiagen im ersten Quartal besser abgeschnitten als erwartet. Kein positives Signal lieferte hingegen der Finanzchef der Biotech-Firma Roland Sackers. Dieser nutzte nämlich das erhöhte Kursniveau und verkaufte mehr als 83.000 Qiagen-Aktien (aus einem Mitarbeiterbeteiligungsprogramm) im Gegenwert von fast 3,5 Millionen Dollar. Anleger sollten dies eher als Warnsignal interpretieren und deshalb lieber andere Corona-Profiteure favorisieren.

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