Die Aktie der Franzosen im vergangenen Jahr einen bemerkenswerten Kurssprung hingelegt. Den Spekulationen um eine Übernahme tut das keinen Abbruch.

Der Markt für entzündliche Darm­erkrankungen, kurz IBD, zählt zu den dynamischsten Segmenten der gesamten Biopharma-Industrie. Allein das Therapiegebiet Colitis ulcerosa wird global auf rund 20 Milliarden US-Dollar taxiert, Tendenz steigend: Trotz zahlreicher Biologika und Januskinase-Hemmer gilt ein ­erheblicher Teil der Patienten als unzureichend behandelt. Genau diese Versorgungslücke macht den Sektor für große Pharmakonzerne strategisch hochinteressant. Pfizer übernahm 2022 Arena Pharmaceuticals für 6,7 Milliarden Dollar, Merck griff 2023 bei Prometheus Biosciences für 10,8 Milliarden Dollar zu. Beide Konzerne sicherten sich so den Zugang zu differenzierten Wirkmechanismen in der Gastro­enterologie. Die Bereitschaft, für vielversprechende Kandidaten erhebliche Prämien zu zahlen, ist im IBD-Bereich seit Jahren ausgeprägt.

In diesem Umfeld hat sich das französische Biotechunternehmen Abivax mit seinem Wirkstoff Obefazimod als einer der aussichtsreichsten Übernahmekandidaten positioniert. Obefazimod wirkt über einen neuartigen Mechanismus: Als sogenannter miR-124-Enhancer greift er in die körpereigene Immunregulation ein, ohne klassisch immunsuppressiv zu wirken — ein entscheidender Vorteil gegenüber etablierten Therapien. Im Juli 2025 lieferte Abivax den klinischen Beweis. Die Phase-­III-Induktionsdaten zeigten hochsignifikante Remissionsraten von 20,8 Prozent gegenüber 4,4 Prozent unter Placebo. Der Aktienkurs vervielfachte sich daraufhin um rund 470 Prozent, was einer der spektakulärsten Kurssprünge im europäischen Biotechsektor seit Jahren war. Seither verdichteten sich die Übernahmegerüchte zusehends. Im Dezember letzten Jahres berichtete Reuters, dass Eli Lilly eine Akquisition im Volumen von rund 15 Milliarden Euro prüfe. Der Abivax-­CEO wies die Spekulationen zwar als „Lärm“ zurück, doch die Signale aus dem Markt bleiben eindeutig.

Abivax (WKN: A3EWCP)

Erhebliche Aufschläge bezahlt

Die in vergleichbaren Transaktionen gezahlten Prämien untermauern die Übernahmefantasie. Bei den jüngsten IBD-Übernahmen lagen die Aufschläge auf den unbeeinflussten Aktienkurs zwischen 50 und 80 Prozent, die Bewertungen ­erreichten das Vier- bis Sechsfache der geschätzten Spitzenumsätze. ­Gemessen an den Peak-Sales-Schätzungen von rund 3,5 Milliarden Euro für Obefazimod allein in der Colitis-ulcerosa-Indikation ergibt sich daraus bei den Franzosen ein beträchtlicher Bewertungsspielraum nach oben.

Fazit

Im Falle einer Übernahme wäre ein Preis im Bereich von 160 Euro je Abivax-­Aktie durchaus realistisch. Doch auch ohne einen solchen Deal besitzt die Aktie Aufwärtspotenzial. Die Phase-III-Maintenance-Daten, erwartet Ende des zweiten Quartals 2026, dürften den nächsten Katalysator liefern. Fallen sie positiv aus, rückt die Zulassung in greifbare Nähe und damit auch eine eigenständige Neubewertung des Unternehmens.

Dieser Artikel stammt aus BÖRSE ONLINE

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