TITELGESCHICHTE TEIL 1

Börsen im Stresstest: Worauf sich Anleger gefasst machen sollten

Börsen im Stresstest: Worauf sich Anleger gefasst machen sollten

WKN: DWS100 ISIN: DE000DWS1007 DWS Group GmbH & Co. KGaA

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03.04.2020 - 18:19
29.05.2019 04:10:00

Handelskrieg, Iran-Konflikt, Schicksalswahl in Europa - das Risiko ist zurück an den Märkten. Und das mit Macht. €uro am Sonntag analysiert, auf was sich Anleger gefasst machen sollten und mit welchen Investments sie gut durch die Turbulenzen steuern. Von A. Hohenadl und C. Platt, Euro am Sonntag

Ab in die Schützengräben?", fragt die Fondsgesellschaft DWS provokativ in ihrem jüngsten Kommentar. Das Thema ist - natürlich - der Handelsstreit zwischen China und den USA. Die Warnung der Anlagestrategen lautet: Wenn in den kommenden Wochen kein schneller Abschluss der Gespräche zustande kommt, müssen sich die Märkte auf eine längere Zeit der wirtschaftlichen Grabenkämpfe einstellen.

Gerade hatten sich die Anleger mit dem freundlichen Umfeld an den Aktienbörsen angefreundet, da kommen Stimmungskiller in Serie. US-Präsident Donald Trump fährt im Handelskrieg mit China wieder schweres Geschütz auf und kündigt Strafzölle auf sämtliche chinesische Waren an. Peking seinerseits antwortet mit neuen Zollschranken auf US-Produkte. Die Hoffnung auf eine schnelle Einigung im Handelsstreit - erst mal vorbei.

Auch mit seinem rustikalen Vorgehen im Iran-Konflikt sorgt Trump für einen Adrenalinschub an den Märkten. Der US-Präsident verschärfte nicht nur die Sanktionen gegen den muslimischen Staat. Er lässt auch Kriegsschiffe und Kampfgruppen in den Persischen Golf verlegen, weil der Iran angeblich Anschläge auf amerikanische Soldaten und Ölförderanlagen plane. Eine Drohgebärde, die Beobachtern den Schweiß auf die Stirn treibt. "Wir sind sehr besorgt über das Risiko eines Konflikts, der sich versehentlich ereignet, mit einer Eskalation, die eigentlich von beiden Seiten unbeabsichtigt ist", so der britische Außenminister Jeremy Hunt.

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Riskante Drohgebärde


All das verleitet Heinz-Werner Rapp, Leiter des Feri Cognitive Finance Instituts, zu der Erkenntnis, dass die USA innerhalb weniger Jahre vom Stabilisator der Geopolitik und Weltwirtschaft zum Risikofaktor Nummer 1 mutiert sind. "Den globalen Kapitalmärkten werden durch die Politik der USA ständig neue und kaum berechenbare Risikoszenarien und Risikobewertungen abverlangt", so Rapp. Entsprechend würden die Aktienmärkte durch höhere politische Risikoprämien belastet.

Was das bedeutet, war jüngst deutlich zu sehen. Zum Wochenstart, als China seine Vergeltungszölle auf US-Einfuhren verkündete, hagelte es weltweit an den Börsen Verluste. Zugleich sprangen Kriseninvestments an und der Goldpreis kletterte über die Marke von 1.300 US-Dollar. Ebenfalls verteuerte sich Brent-Öl im Zuge der Verschärfung des Iran-Konflikts. Und der Volatilitäts­index VIX, der die kurzfristig erwartete Schwankungsbreite beim US-Aktien­index S & P 500 widerspiegelt, stieg in der Spitze auf über 20 Punkte, während er im April noch meist unter 14 Zählern dümpelte.

Fragile Stimmungsaufhellung


Die Unsicherheit bei den Anlegern bleibt groß, auch wenn sich zwischenzeitlich die Wogen wieder etwas geglättet haben. Dazu trug bei, dass die USA offenbar planen, zeitnah eine Delegation nach Peking zu schicken, um die Handelsgespräche fortzuführen. Auch sandte Washington Signale, dass man eine diplomatische Lösung im Konflikt mit dem Iran anstrebe. Und schließlich wurde bekannt, dass Trump vorerst keine Strafzölle auf Autoimporte aus ­Europa anstrebt. Neben dem Handelskonflikt mit China möchte er wohl keine weitere Konfrontation dieser Art.

"Das Risiko aber bleibt 280 Zeichen lang", meint Marktanalyst Jochen Stanzl. "Ein Tweet von Trump und die Stimmung kann wieder kippen." Anleger tun also gut daran, sich vorerst auf stärker schwankende Börsen einzustellen und bei der Wahl ihrer Investments vorsichtshalber einen Gang zurückzuschalten. Generell nämlich bleibt das Umfeld für Aktien weiterhin attraktiv.

So weisen die Anlagestrategen von NN Investment Partners darauf hin, dass sich die Markttreiber in den vergangenen Wochen verschoben haben: von nachlassenden Rezessionsrisiken und dem Wechsel zu einer gemäßigteren Zentralbankpolitik im ersten Quartal hin zu Anzeichen für eine wirtschaftliche Belebung. Dies schürt Erwartungen an eine Erholung der Aktienmärkte im zweiten Halbjahr. Die Kombination aus Wachstumsbelebung, einer niedrigen Inflation und einer lockeren Geldpolitik erzeugt laut NN-Stratege Patrick Moonen ein Marktumfeld, das die Entwicklung von Aktienkursen begünstigt.

Diese Konstellation sollte auch europäischen Aktien helfen, die mit ganz anderem Gegenwind zu kämpfen haben. Der Brexit steht trotz der jüngsten Verzögerung weiterhin bevor, in vielen Ländern erstarken populistische Parteien. Proteste wie die der Gelbwesten in Frankreich setzen die nationalen Regierungen unter Druck.

Auf Seite 2: Europawahl als Stimmungstest

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Bildquelle: Fabian Bimmer / Reuters

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