Der chinesische Elektroauto-Konzern BYD steht vor einem imageträchtigen Schritt. Dazu traf sich BYD-Vizepräsidentin Stella Li Berichten zufolge mit Auto-Bossen in Monte Carlo– wo gerade zufällig ein Formel-1-Rennen stattfindet.

BYD, der weltgrößte Hersteller von Elektrofahrzeugen, will offenbar in den Rennsport einsteigen. Stella Li, Vizepräsidentin des chinesischen Konzerns und Chefin für die Regionen Amerika, Europa und Naher Osten, hat zuletzt kaum noch einen Hehl daraus gemacht, dass sie die Formel 1 als ideale Bühne für das internationale Markenimage von BYD betrachtet. Beim Großen Preis von Monaco traf sich Li nun nach einem Bericht von „Motorsport-Total“ mit hochrangigen Vertretern der Rennserie, um mögliche Einstiegsoptionen zu sondieren. Allerdings befinden sich die Gespräche nach Informationen des Motorsport-Portals noch in einem sehr frühen Stadium.

Drei Szenarien wären laut „Motorsport-Total“ denkbar – doch alle haben ihren Preis.

Szenario eins: Titelsponsoring

Der einfachste und schnellste Weg in die Formel 1 wäre ein Titelsponsoring. Dabei würde BYD den Markennamen eines bestehenden Teams übernehmen oder zumindest prominent im Teamnamen platzieren, ähnlich wie es das Luxuslabel Gucci ab 2027 beim Alpine-Team plant. Ein weiteres Beispiel aus der jüngeren Vergangenheit ist Alfa Romeo, das über mehrere Jahre hinweg den Namen des Sauber-Teams trug. Diese Option ist logistisch überschaubar und lässt sich ohne langwierige Genehmigungsverfahren umsetzen. Sie bietet allerdings nur begrenzte strategische Kontrolle über das Team und dessen Ausrichtung.

Szenario zwei: Teamübernahme

Wer mehr Kontrolle anstrebt, kommt um den Kauf eines bestehenden Teams nicht herum. Doch dieser Weg ist steinig. In den vergangenen Monaten haben mehrere Investmentfonds und mindestens ein großer Automobilhersteller Gerüchten zufolge jeweils mehr als zwei Milliarden US-Dollar für die Übernahme von Formel-1-Rennställen geboten – und sind abgeblitzt. Kein Team ist bereit zu verkaufen, denn die Bewertungen dürften in den kommenden Jahren weiter steigen. Für BYD bedeutet das: Selbst mit den erheblichen finanziellen Mitteln des Konzerns ist der Kauf eines Teams für die Chinesen derzeit kaum realistisch.

Szenario drei: ein zwölftes Team gründen

Die dritte Option wäre die Gründung eines völlig neuen, zwölften Teams. Doch auch dieser Weg ist mit erheblichen Hürden verbunden. Die Formel 1 hat gerade erst nach einem langwierigen Prozess das neue Cadillac-Team als elften Starter zugelassen und kann die kommerziellen sowie logistischen Folgen eines weiteren Teams noch nicht vollständig abschätzen. Enge Boxengassen auf Stadtkursen wie Monaco oder Montreal lassen sich nicht ohne weiteres vergrößern. Hinzu kommt eine sogenannte Antiverwässerungsgebühr, die ein Neuling zahlen müsste und die angesichts der aktuellen Teambewertungen erheblich ausfallen würde. Insofern scheint die Zeit für ein zwölftes Team noch nicht reif.

Welche Rolle spielt Christian Horner?

Im Zusammenhang mit einem Formel-1-Einstieg von BYD fällt neuerdings öfter der Name Christian Horner. Der langjährige Red-Bull-Teamchef, der das Team verlassen hat, wurde gemeinsam mit Stella Li beim Filmfestival in Cannes fotografiert. Prompt befeuerte dieser Auftritt Spekulationen über eine gemeinsame Initiative. Horner ist zudem an einem Investorenkonsortium beteiligt, das einen 24-prozentigen Anteil am Alpine-Team übernehmen möchte und damit in Konkurrenz zu Mercedes steht. Seine Verbindung zu BYD bleibt vorerst unklar.

Unabhängig davon, welches Szenario letztlich eintreten wird: Die Spekulationen rund um BYD verdeutlichen einmal mehr, wie attraktiv die Formel 1 als Marketing-Plattform ist. Für die Chinesen spricht, dass Formel-1-Chef Stefano Domenicali und FIA-Präsident Mohammed Ben Sulayem den chinesischen Markt gezielt weiterentwickeln wollen. Ein Einstieg von BYD würde diesem Ziel nützen.

Für Anleger von BYD heißt das: BYD will expandieren und seine Absatzzahlen weltweit deutlich steigern. Der Konzern denkt dabei groß, global und scheut auch große Bühnen nicht. Bei der Fußball-Europameisterschaft 2024 in Deutschland war BYD erstmals als Hauptsponsor aufgetreten, hatte danach aber zu wenig aus der neu gewonnenen Bekanntheit gemacht. Das soll nun anders werden.

BYD (WKN: A0M4W9)

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Häufige Fragen zum Thema

Warum interessiert sich BYD für die Formel 1?

Ein Engagement in der Formel 1 bietet eine weltweite Werbeplattform. Außerdem kann sich ein Autohersteller dort als technisch führend präsentieren - sofern die Fahrzeuge mittelfristig konkurrenzfähig sind.

Was will BYD in der Formel 1? Sind sie nicht ein reiner Elektroauto-Hersteller?

Nein. BYD baut zwar überwiegend Elektroautos, hat aber auch Fahrzeuge mit Hybridmotoren im Angebot. Dass die Formel-1-Rennwagen neuerdings auch als Hybride konzipiert sind - auch wenn der Elektroantrieb noch verhältnismäßig klein ist - macht dei Rennserie für BYD zusätzlich interessant.

Welche Autohersteller haben eigene Teams in der Formel 1?

In der Formel 1 gibt es aktuell mehrere Automobilhersteller, die als eigenständige Werksteams antreten; das bedeutet, das sie auf eine eigene Fahrzeug-Konstruktion setzen und eigene Motoren verbauen. Diese Teams sind Mercedes (Teamname: Mercedes-AMG PETRONAS F1 Team), Ferrari, Alpine (gehört zum Renault-Konzern) und seit 2026 erstmals Audi. Die Deutschen haben dafür das bisherige Sauber-Team komplett übernommen. Auch Aston Martin und Cadillac sind in der Formel 1 präsent, nutzen jedoch zum Teil Partnerschaften oder konzentrieren sich auf bestimmte Bereiche, während beispielsweise die Motoren von externen Partnern bezogen werden. Als Motorenlieferant ohne eigens Werksteam tritt etwa Honda auf.