LÄNDERREPORT

Brasilien: Kein Aufwind trotz versprochener Liberalisierungen

Brasilien: Kein Aufwind trotz versprochener Liberalisierungen
03.12.2019 21:00:33

Präsident Bolsonaro ist unter Druck. Bis auf die Rentenreform ist ihm noch nicht viel gelungen. Zudem ist mit Lula sein größter politischer Gegner wieder aktiv. Unruhige Zeiten. Von Martin Blümel

Er ist wieder da: Luiz Inácio Lula da Silva, Brasiliens Ex-Präsident, wurde aus der Haft entlassen. Die Revision gegen das 2017 verhängte Urteil, das ihn wegen Korruption hinter Gitter brachte, läuft. Und kaum in Freiheit versucht er seine Anhänger gegen die Regierung zu mobilisieren. Der Kampf sei noch nicht ­vorbei, so der 74-Jährige, der von 2003 bis 2010 der starke Mann Brasiliens war. Jair Bolsonaro, das aktuelle Staatsoberhaupt des Landes, ignoriert den markigen Auftritt bisher. Er selbst machte zuletzt Schlagzeilen, weil er es schaffte, die umstrittene Rentenreform durch den Kongress zu bekommen. Ein wichtiger Erfolg, denn Bolsonaro ist unter Druck. Seit Jahresanfang, also seit dem Antritt seiner Regierung, hat das Vertrauen seiner Landsleute in die wirtschaftliche Erholung Brasiliens deutlich abgenommen. Kein Wunder: Die Unternehmer halten sich mit Investitionen immer noch zurück. Außerdem laufen die Ausschreibungen für In­frastrukturprojekte, etwa für Flughäfen, Straßen, Schienen und Kraftwerke, nur langsam an. Zu einem echten Investitionsschub ist es trotz aller Versprechungen noch nicht gekommen.

Dabei sprach zu Jahresbeginn noch vieles für einen beginnenden Konjunkturboom in Brasilien. Die Wirtschaft setzte große Hoffnungen in das liberale Wirtschaftsprogramm des neuen Präsidenten. Im Verlauf des Jahres änderte sich die Stimmung, und Brasilien - oder besser: ganz Lateinamerika - gilt für viele inzwischen sogar eher als Risikofaktor für die Weltwirtschaft.

Das hat mit den politischen Unruhen auf dem Kontinent zu tun, mit den weltweit stark kritisierten drastischen Rodungen des Regenwalds, aber es liegt auch daran, dass ganz Südamerika ein Opfer der China-USA-Streitigkeiten wurde. Die Region ist Rohstofflieferant - und damit von der Konjunktur in China und den USA stärker abhängig als Staaten, die besser in die globalen Wertschöpfungsketten der Industrie integriert sind.

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Das sorgte vor allem in der ersten Jahreshälfte auch für Verdruss an der Börse. Von Februar bis Mitte Mai war mit Brasiliens Aktienmarkt kaum etwas zu verdienen. Der Leit­index Ibovespa pendelte lustlos seitwärts. Allerdings sieht es seit ein paar Monaten für Börsianer wieder besser aus. Je mehr die Hoffnung zunimmt, dass die USA und China sich im Streit einigen könnten, desto besser lief es an der Börse São Paulo.



Raus aus Rezession und Stagnation

Und auch wenn der konjunkturelle Befreiungsschlag bisher ausgeblieben ist, so hellt sich in der mit Abstand größten Ökonomie Lateinamerikas die Konjunktur - wenn auch sehr langsam - etwas auf. Ein Wachstum um ein Prozent erwarten die meisten Investmentbanken in diesem Jahr. Für das nächste rechnen sie immerhin mit zwei Prozent Plus. Das ist passabel, wenn man weiß, dass Brasiliens Ökonomie drei Rezessions- und zwei Stagnationsjahre hinter sich hat.

Wichtig wäre, dass die Politik weitere Reformen folgen lässt. Nachdem der Senat die Pensionsänderungen gebilligt hat, sollte sich die Regierung nun schnell um Themen wie Importzölle, Privatisierungen, Infrastruktur und Bankwesen kümmern. Allerdings geht es da auch um heiße Eisen. Die geplante Privatisierung des großen staatlichen Energieversorgers beispielsweise könnte die soziale Situation von Millionen Brasilianern drastisch verschlechtern.

Immerhin gibt es "Hilfe" durch die brasilianische Notenbank. Die hat zuletzt den Leitzins um einen halben Punkt auf ein Rekordtief von 5,5 Prozent gesenkt. Die Entscheidung der neun Mitglieder des geldpolitischen Ausschusses sei einstimmig gewesen. Außerdem signalisierten die Währungshüter angesichts der niedrigen Inflation eine weitere Reduzierung des Leitzinses in näherer Zukunft.

Gravierende Folgen des Dammbruchs

Vielleicht hilft das den Unternehmen auf die Sprünge. Wer breit investieren will, tut dies am besten mit dem DWS Brazilian Equities. Für Mutigere bietet sich Vale an. Der Bergbauriese kämpft mit den Folgen des Dammbruchs im Januar in Brasilien und der Schlammlawine danach. Viele Menschen starben und auch die Produktion wurde in Mitleidenschaft gezogen. Dennoch hat Vale im abgelaufenen Quartal Umsatz und Ergebnis teilweise deutlich gesteigert - aber die Analysten­erwartungen verfehlt. Die Aktie rutschte im August auf ein Jahrestief. Seitdem kam es zu einer Erholung. Positiv könnte es sich auswirken, wenn sich die USA und China im Handelsstreit einigen. Dann dürften auch die Eisenerzpreise wieder anziehen, was wiederum Vale hilft.

Interessant auch BRF (Brasil Foods). Der größte Fleischlieferant des Landes profitiert von der weltweit steigenden Nachfrage und steigerte zuletzt Umsatz und Gewinn deutlich. Gerade in den arabischen Ländern sind die teils halal produzierten Waren gefragt. BRF will daher in Saudi-­Arabien eine große Produktionsstätte aufbauen.











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