Ein Bericht über eine Kooperation eines großen Chipkonzerns mit OpenAI für einen Smartphone-Chip treibt dessen Aktie kräftig nach oben. Bisher stützt sich vieles auf den Post eines Analysten auf „X“. Steckt mehr dahinter?

Die Aktie von Qualcomm rückt am Montag in den Fokus Börse, nachdem Gerüchte zu einer möglichen Partnerschaft mit dem ChatGPT-Entwickler OpenAI die Runde machen. Auslöser ist ein Post des Analysten Ming-Chi Kuo von TF International Securities auf der Plattform „X“. Dort schreibt Kuo, Qualcomm werde gemeinsam mit dem taiwanischen Chipanbieter MediaTek einen Smartphone-Prozessor für OpenAI entwickeln. Der chinesische Auftragsfertiger Luxshare werde das Gerät mitentwerfen und bauen. Eine Massenproduktion erwartet Kuo erst im Jahr 2028. Qualcomm, OpenAI und MediaTek beantworteten eine Anfrage des US-Börsensenders CNBC zu dem Thema zunächst nicht.

Der Börse ist es egal. Die Qualcomm-Aktie stieg in New York vorbörslich bereits um zwölf Prozent. Doch direkt nach Börsenröffnung verpuffte der Effekt schon wieder.

Was war passiert?

Qualcomm (WKN: 883121)

Wunschdenken oder harte Fakten?

Bislang ist völlig unklar, ob Kuo wirklich von einer entsprechenden Zusammenarbeit gehört hat oder ob er die Kombination nur selbst als „sinnvoll“ erachten würde. Auf jeden Fall würde sie perfekt in den neuesten Trend passen, dass KI künftig nicht mehr nur in der Cloud, sondern direkt auf Endgeräten laufen soll. Kuo begründet OpenAIs Hardware-Ambitionen damit, dass ein wirklich umfassender KI-Dienst nur möglich sei, wenn die Firma Hardware und Betriebssystem stärker kontrolliere. Smartphones seien für KI-Agenten besonders interessant, weil sie den Nutzer in Echtzeit begleiten und damit laufend Kontext liefern. Außerdem hält Kuo die von ihm genannten Hardware-Hersteller für weit genug entwickelt, um relativ schnell ein solches neues Gerät auf die Beine zu stellen.

In seinem Post skizziert der Analyst zudem ein Geschäftsmodell, bei dem OpenAI Hardware mit Abonnements bündelt und ein eigenes Ökosystem um KI-Agenten aufbaut. Sogar einen Zeitplan nennt der Branchenexperte: Die Massenproduktion werde für 2028 erwartet.

Warum verfängt die Story?

Dass die Börse so stark auf das Gerücht anspringt, hat mehrere Gründe: Qualcomm gehört mit seinen Snapdragon-Prozessoren und Mobilfunkmodems zu den Schlüsselzulieferern vieler Android-Smartphones, hat aber bisher noch keinen KI-Prozessor im Angebot. Eine neue Gerätegeneration mit einem „AI first“-Ansatz wäre ein Gamechanger für die Aktie.

OpenAI andererseits würde ein zentrales Problem lösen: Zuletzt hatten Vertreter von OpenAI bei einer öffentlichen Präsentation bemängelt, dass ihnen etwa in der Partnerschaft mit Microsoft der direkte Zugang zu Kunden verwehrt bleibe. Mit einem eigenen Prozessor, der direkt auf dem Smartphone implementiert ist, würde dieses Problem gelöst.

Fazit für Anleger

Aktionäre von Qualcomm sind seit Jahresbeginn rund 13 Prozent im Minus. Davon hat die Aktie mit dem heutigen Kurssprung rund die Hälfte gutgemacht. Schon nach Ostern begann der Kurs nach oben zu drehen. Würde sich das OpenAI-Gerücht wirklich bestätigen, würde die Aktie vermutlich sehr schnell ihr letztes Zwischenhoch bei rund 180 Dollar (umgerechnet 156 Euro) testen. Das entspräche weiteren zwölf Prozent Kurspotenzial. Auf diesem Niveau notierte die Aktie zuletzt zum Jahreswechsel.

Nach den jüngsten Kursrallys bei Intel, Micron udn Infineon zeigt der Fall Qualcomm ernuet, dass an der Börse derzeit im Chipsegment die heißesten Aktien zu finden sind.

Zweistellige Renditen im Chipsektor

Zweistellige prozentuale Kursgewinne waren im Chipsektor zuletzt eher die Regel als die Ausnahme. Wenn Sie möglichst breit auf das Chipsegment setzen wollen, empfehlen wir Ihnen einen Blick auf den "Chip Power"-Index von BÖRSE ONLINE.

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