Am Freitag befindet sich der DAX trotz geschlossener US-Börsen auf Rekordjagd. Im Fokus stehen folgende Themen: SK Hynix, VW, Mercedes, Rheinmetall, Renk, Infineon, Tencent, Krypto, Auto1.
Der deutsche Aktienmarkt dürfte seine Vortagesrally am Freitag gebremst fortsetzen. US-Arbeitsmarktdaten hatten am Donnerstag die Zinssorgen der Anleger gedämpft und sollten weiterhin für Entspannung sorgen. Rückenwind verschaffen am Morgen aber vor allem die klare Kurserholung der Börsen in Südkorea und Japan, nachdem die KI-Rally dort zuletzt ins Stottern geraten war.
Der frühbörsliche Indikator X-Dax signalisierte knapp eine Stunde vor Handelsbeginn ein Plus von 0,5 Prozent bei 25.717 Punkten. Damit deutet sich für den Dax ein Wochengewinn von rund einem Prozent an. Tags zuvor hatte der deutsche Leitindex nach fast sechs Monaten seinen bisherigen Höchststand von Mitte Januar getoppt.
Im Gesamtjahr liegt der Dax vergleichsweise moderate 4,5 Prozent im Plus. Zum Vergleich: Beim EuroStoxx 50 und Dow Jones Industrial sind es rund zehn Prozent und selbst der marktbreite Stoxx Europe 600 ist ähnlich stark gelaufen wie diese beiden Indizes.
Für die Anteilsscheine von Gea ging es auf Tradegate um 1,6 Prozent aufwärts. Die kanadische Bank RBC stufte die Titel des Rüstungsunternehmens von "Sector Perform" auf "Outperform" hoch. "Ein wenig Wachstum und jede Menge Marge - und das alles ohne Geschäft mit KI-Rechenzentren", so fasste Sebastian Kuenne das Potenzial des Anlagenbauers am Freitag in seiner Empfehlung zusammen.
Aktien Deutschland
JPMorgan setzt Auto1 auf 'Positive Catalyst Watch' - 'Overweight'
Die US-Bank JPMorgan hat Auto1 den Stempel "Positive Catalyst Watch" aufgedrückt und die Aktien mit einem Kursziel von 37 Euro auf "Overweight" belassen. Damit gab Marcus Diebel in einem am Freitag vorliegenden Ausblick seinen positiven Erwartungen für die anstehenden Quartalszahlen Ausdruck. Er rechnet mit weiteren Fortschritten bei der Volumenentwicklung des Online-Gebrauchtwagenhändlers. Er hob hervor, dass er für 2027 mit seinen Schätzungen 23 Prozent über dem Konsens liegt.
IG Metall kündigt 'heißen Sommer' für Autobranche an
Tausende Beschäftigte von Mercedes-Benz wollen am Freitag bundesweit gegen die Verschärfung des Sparkurses bei dem Autobauer protestieren. Der Aufruf zu dem Protest vor den Werkstoren kommt von der IG Metall.
Demnach finden Kundgebungen unter anderem an den Standorten Sindelfingen und Untertürkheim (Stuttgart) statt. Aber auch in Rastatt, Kuppenheim, Bremen, Berlin, Hamburg und Germersheim sind Aktionen geplant, wie ein Gewerkschaftssprecher in Frankfurt/Main mitteilte. In Düsseldorf will IG Metall-Chefin Christiane Benner sprechen.
Der Protest bei Mercedes soll der Auftakt für weitere Aktionen sein. "Die IG Metall und die Beschäftigten der Hersteller und Zulieferer werden den Unternehmenslenkern der Autoindustrie einen heißen Sommer und Herbst bescheren, solange sie weiter auf Arbeitsplatzabbau und Verlagerung setzen, statt echte Problemlösungen zu suchen", erklärte die Gewerkschaft im Vorfeld des Aktionstags. In ganz Deutschland sorgten die Entscheider der Automobilhersteller und Zulieferer für schlechte Nachrichten. 50.000 Arbeitsplätze hätten sie vergangenes Jahr in der Automobilindustrie abgebaut - und es werde so weiterlaufen, wenn es nach ihnen gehe. "Aber eines vergessen sie: Die Beschäftigten sind nicht schuld an der Misere."
Ein Mercedes-Sprecher erklärte: "Wir nehmen mögliche Unsicherheiten und Sorgen ernst. Mercedes-Benz ist es wichtig, Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter frühzeitig und transparent zu informieren - auch bei schwierigen Entscheidungen. Wir respektieren, dass sich der Betriebsrat zur Produktivitätsoffensive äußert." Die Beschäftigtenvertretung hatte das Unternehmen vorab über die geplanten Proteste informiert.
Barclays senkt Ziel für Rheinmetall auf 2000 Euro - 'Overweight'
Die britische Investmentbank Barclays hat das Kursziel für Rheinmetall von 2035 auf 2000 Euro gesenkt, die Einstufung aber auf "Overweight" belassen. Die Anleger sollten das große Bild nicht aus den Augen verlieren, schrieb Afonso Osorio am Donnerstag. Er ist vorsichtig optimistisch für die Ergebnisse des zweiten Quartals und rechnet mit einem Wachstum um 59 Prozent auf fast 3,1 Milliarden Euro. Bei anziehendem Muntionsabsatz, einer inspirierenden Telefonkonferenz und einer Unterschrift unter den Boxer-Deal könnten die Papiere der Düsseldorfer wieder in Gang kommen. Das jüngst gescheiterte Fregatten-Geschäft dürfte sich beim Auftragseingang bemerkbar machen, ansonsten erwartet Osorio die Jahresziele aber unverändert.
Kreise: Renk will Marine-Geschäft mit Übernahme ausbauen
Der Getriebehersteller Renk will sich offenbar im Marinegeschäft verstärken. Dazu wolle das Unternehmen den nicht börsennotierten Hersteller David Brown Defence übernehmen, berichtet die Nachrichtenagentur Bloomberg unter Berufung auf informierte Kreise. Der Zukauf könne noch am Freitag angekündigt werden. Dabei könnte David Brown Defence mit 200 Millionen bis 250 Millionen Dollar bewertet werden.
David Brown Defence ist auf Getriebe für U-Boote spezialisiert und gehört zu David Brown Santasalo. Das Unternehmen befindet sich im Besitz von Stellex Capital Management und hat seinen Geschäftssitz im britischen Huddersfield. Die Private-Equity-Gesellschaft hatte David Brown Santasalo nach Angaben auf ihrer Website im Jahr 2023 übernommen.
Der Zukauf würde Renk Zugang zu Technologie für Antriebssysteme für U-Boote verschaffen. Renk fertigt unter anderem die Getriebe für den deutschen Kampfpanzer Leopard 2 und die Panzerhaubitze 2000, aber auch den französischen Panzer Leclerc. Darüber hinaus produziert Renk Pumpen, Kompressoren und Getriebe für die Öl- und Gasindustrie.
Erholung in Asien treibt auch in Europa KI-Werte wieder an
In Asien haben die Anleger nach der jüngsten Korrektur am Freitagmorgen bei den Highflyern der KI-Rally wieder zugegriffen. Im südkoreanischen Leitindex Kospi, der mit einer guten Verdopplung im Jahr 2026 zum Taktgeber der Rekordjagd im KI-Bereich geworden ist, gewannen unter anderem SK Hynix und Samsung zweistellig. Dieser frische Mut schwappt am Morgen etwas auf Europa über. Hier sind die Aktien aus der Halbleiterbranche wie Infineon, ASML, STMicro, Aixtron und Suss Microtec vorbörslich ebenfalls gefragt. Aber auch andere Werte mit KI-Fantasie wie Siemens Energy.
Die Kursgewinne fallen kleiner aus als in Asien, wie allerdings auch die vorherige Korrektur geringer war. So erholen sich Infineon auf der Handelsplattform Tradegate um 1,8 Prozent gegenüber dem Xetra-Schluss, nachdem sie vom Rekord in der Vorwoche um 15 Prozent korrigiert hatten. Bei SK Hynix war der Rückschlag mehr als doppelt so hoch ausgefallen.
Die Anleger hatten sich zuletzt immer mehr Sorgen vor einem Überangebot an Rechenkapazitäten für KI gemacht, nachdem ambitionierten Pläne des Meta-Konzerns für ein eigenes Cloud-Geschäft durchgesickert waren.
Internationale Nachrichten
Anthropic schließt Hintertüren für chinesische Unternehmen zu Claude
Anthropic geht laut Financial Times aktiv gegen Umgehungsversuche vor, mit denen chinesische Unternehmen wie Ant Group und ByteDance trotz regionaler Sperren über Singapur-basierte Konten oder VPNs auf Claude zugreifen. Das Unternehmen kündigt an, sowohl direkte Umgehungsversuche als auch sogenannte „Transfer-Station"-Dienste zu unterbinden, die als Relais für Nutzer aus Festlandchina fungieren. Der Schritt erfolgt kurz nachdem Anthropic der US-Regierung gegenüber angekündigt hatte, Alibaba beschuldige man des illegalen Extrahierens von Fähigkeiten aus Claude.
Meta-Chef räumt Rückstand bei KI-Agenten ein
Mark Zuckerberg gestand in einem internen Town-Hall-Meeting ein, dass die KI-Agenten-Entwicklung bei Meta nicht so schnell vorankommt wie geplant und auch die jüngste Unternehmensumstrukturierung nicht die erwarteten Ergebnisse geliefert hat. Gleichzeitig lassen Berichte aufhorchen, wonach Meta plant, überschüssige KI-Rechenkapazitäten als Cloud-Dienst zu vermieten – ähnlich wie SpaceX, das seine ursprünglich für Grok gebauten Colossus-Rechenzentren an Google und Anthropic verleast. Die Eingeständnisse Zuckerbergs werden von Marktbeobachtern als weiteres Indiz für eine Überhitzung des KI-Investitionszyklus gewertet.
Securitize debütiert an der NYSE – Standard Chartered integriert USDC in Bankinfrastruktur
Das von BlackRock und Morgan Stanley unterstützte Tokenisierungsunternehmen Securitize feierte seinen Börsengang an der NYSE und lancierte gleichzeitig tokenisierte Versionen seiner Aktien auf den Blockchains Avalanche und Solana – ein Novum für ein frisch börsennotiertes Unternehmen. Standard Chartered wurde derweil zur ersten systemrelevanten Großbank, die institutionellen Kunden das direkte Prägen und Einlösen von Circle-Stablecoins USDC über ihre eigene Plattform ermöglicht. Zudem wurde bekannt, dass FBI-Direktor Kash Patel eine Strategy-Beteiligung mehrere Monate zu spät offenbart hatte, was Fragen zur Einhaltung von Offenlegungspflichten durch Regierungsbeamte aufwirft.
Tencent investiert 200 Millionen Dollar in Kuaishous KI-Videoplattform Kling AI
Das chinesische Videoportal Kuaishou hat für seine KI-Tochter Kling AI eine Finanzierungsrunde von rund 2,8 Milliarden Dollar abgeschlossen, an der auch Tencent trotz eines eigenen KI-Videokonkurrenten teilnimmt. Die Runde bewertet Kling AI vorab mit 15 Milliarden Dollar; Kuaishou hält nach der Transaktion noch rund 68 Prozent der Anteile. Die Plattform zählt bereits über 60 Millionen Nutzer weltweit und setzt zunehmend auf internationale Expansion, während der Wettbewerb im chinesischen KI-Videomarkt stark zunimmt.
SK Hynix schafft Preisobergrenzen in Langzeitverträgen ab
SK Hynix hat laut Branchenquellen damit begonnen, Preisobergrenzen aus seinen langfristigen Lieferverträgen zu streichen, sodass Spotpreisanstiege künftig vollständig in die Vertragskonditionen einfließen können – ein deutliches Signal wachsender Verhandlungsmacht der Speicherchiphersteller. Gleichzeitig verlängern SK Hynix und Samsung ihre Vertragslaufzeiten von bisher einem Jahr auf drei bis fünf Jahre, um den steigenden Langzeitbedarf der KI-Infrastruktur abzudecken. SK Hynix und Samsung kündigten zudem milliardenschwere Neuinvestitionen in südkoreanische Chip- und Packaging-Kapazitäten an.
Enthält Material von dpa-AFX