Einem der Nachrichtenagentur Reuters vorliegenden Entwurf zufolge wollen Bund und Länder im Tagesverlauf eine Verlängerung des Lockdowns bis zum 14. März beschließen. Das Augenmerk der Investoren richte sich aber nicht so sehr auf die aktuellen Beschränkungen, sondern auf die schleppenden Massen-Impfungen, sagte Marktanalyst Milan Cutkovic vom Brokerhaus Axi. "Kommt es hier demnächst nicht zu deutlichen Fortschritten, dürfte die Nervosität am Aktienmarkt wieder entsprechend zunehmen." Die Aussicht auf frischen Wind für die Weltwirtschaft durch die geplanten zusätzlichen billionenschweren Corona-Staatshilfen in den USA verhinderten größere Kursrücksetzer aber vorerst, sagte Anlagestratege Kiran Ganesh von der Bank UBS.

In Großbritannien hievten die Fortschritte bei den Corona-Impfungen das Pfund Sterling auf 1,3855 Dollar, den höchsten Stand seit fast drei Jahren. Ungeklärte Fragen im Verhältnis des Vereinigten Königreich zur EU nach dem Brexit überschatteten die Aussichten für eine Erholung der dortigen Wirtschaft allerdings, warnte Rabobank-Anlagestrategin Jane Foley.

US-KONJUNKTURPAKET TREIBT ROHSTOFFPREISE


An den Rohstoffmärkten waren die Konjunkturoptimisten in der Überzahl. Das wichtige Industriemetall Kupfer rückte um knapp zwei Prozent vor auf ein Acht-Jahres-Hoch von 8302,50 Dollar je Tonne. Der Preis für die Ölsorte Brent aus der Nordsee stieg um bis zu ein Prozent auf ein 13-Monats-Hoch von 61,61 Dollar je Barrel (159 Liter). Die aktuelle Rally basiere aber allein auf Produktionskürzungen, gab Bjornar Tonhaugen, Chef des Ölgeschäfts beim vom Brokerhaus Rystad, zu bedenken. "Die Nachfrage hat sich noch nicht erholt."

Parallel dazu verteuerte sich Gold um ein knappes Prozent auf 1853 Dollar je Feinunze (31,1 Gramm). Spekulationen auf eine anziehende Inflation, vor allem durch das US-Konjunkturpaket, trieben Investoren zum Kauf des Edelmetalls, sagte Analyst Peter Fertig vom Analysehaus Quantitative Commodity Research. Platin legte in der Spitze 5,4 Prozent zu und war mit 1238,97 Dollar so teuer wie zuletzt vor sechs Jahren. Das unter anderem in Katalysatoren verwendete Edelmetall profitiere vor der Aussicht auf eine steigende Nachfrage, fügte Fertig hinzu.

ETHEREUM AUF REKORDHOCH - GEWINNMITNAHMEN BEI BITCOIN


Bei Ethereum griffen Anleger ebenfalls zu. Die nach Bitcoin zweiwichtigste Cyber-Devise stieg um bis zu 4,5 Prozent auf ein Rekordhoch von 1849,30 Dollar. Die Einführung der Terminkontrakte auf diese Kryptowährung habe Profi-Investoren die Tür zu diesem Markt aufgestoßen, sagte Analyst Timo Emden von Emden Research.

Bitcoin-Investoren machten dagegen Kasse. Mit 45.709 Dollar blieb die Internet-Währung aber in Schlagdistanz zu ihrem Rekordhoch von 48.214,99 Dollar. "Bis zum Sprung zur 50.000-Dollar-Marke dürfte es nicht mehr lange dauern", prognostizierte Emden. Das milliardenschwere Investment des Elektroauto-Bauers Tesla in die Kryptowährung werde sicher Nachahmer finden.

Am deutschen Aktienmarkt gehörte Thyssenkrupp zu den Favoriten. Die Titel des Industriekonzerns stiegen nach überraschend starken Geschäftszahlen um bis zu neun Prozent auf ein Zwölf-Monats-Hoch von 10,84 Euro. "Die operativen Einheiten haben in diesem Quartal einen Betriebsgewinn erzielt", sagte ein Börsianer. "Ich kann mich fast nicht erinnern, wann wir das zuletzt gesehen haben."

rtr