Anleger am deutschen Aktienmarkt hoffen weiter auf ein schnelles Ende der Coronavirus-Krise. Zum Nachmittag verpufften die teilweise hohen Anfangsgewinne und der Dax drehte leicht ins Minus. "Die höchstwahrscheinlich verlängerten und teilweise neuen Lockdown-Maßnahmen, die am Mittwoch beschlossen werden, stehen zwar nicht ganz oben auf der Wunschliste der Anleger. Die Einschränkungen beziehen sich allerdings vor allem auf den privaten Bereich, während das wirtschaftliche Tun der Menschen größtenteils nicht eingeschränkt wird. Es gibt keine Ausgangssperren und das ist gut für die Börse, die den Pfad der konjunkturellen Erholung damit ein paar Wochen weiterschreiben kann", erklärte Analyst Jochen Stanzl von CMC Markets.

Biontech/Pfizer und AstraZeneca: Fortschritte bei Corona-Impfstoffen


Mehrere Meldungen zu Corona-Impfstoffen sorgten für gute Stimmung an der Börse. So rückt offenbar die Zulassung des Impfstoffes des deutschen Biotech-Unternehmens Biontech näher. Das Mainzer Unternehmen und sein US-amerikanischer Partner Pfizer stellten in den USA einen Zulassungsantrag. Anträge auf eine Zulassung für Europa und weitere Regionen seien zudem in Vorbereitung, teilten die Firmen ebenfalls mit. "Wir können innerhalb von Stunden liefern, wenn wir eine Genehmigung erhalten sollten", sagte eine Sprecherin von Biontech in Mainz. Falls der Wirkstoff zugelassen werde, könnten besonders gefährdete Menschen in den USA Mitte bis Ende Dezember mit dem Impfstoff versorgt werden.

Der Pharmakonzern AstraZeneca, der mit der Universität Oxford zusammenarbeitet, meldete einen Erfolg bei einer Impfstoff-Studie. Das Vakzin habe eine Wirksamkeit von im Mittel 70 Prozent gegen Covid-19, teilte das Unternehmen auf Basis von Zwischenergebnissen aus der wichtigen Testphase III am Montag mit. Berücksichtigt wurden Daten zweier klinischer Studien mit verschiedener Dosierung. Die Wirksamkeit der Vakzine von Pfizer/Biontech und Moderna liegt für Doppelimpfungen nach vorläufigen Daten bei rund 95 Prozent.

Fortschritte bei Corona-Impfstoffen bescherten auch den US-Börsen einen freundlichen Wochenauftakt. Der Dow-Jones-Index der Standardwerte eröffnete 0,8 Prozent fester bei 29.490 Punkten. Der breiter gefasste S&P 500 legte 0,6 Prozent zu auf 3578 Zähler. Der Index der Technologiebörse Nasdaq stieg um 0,6 Prozent auf 11.920 Stellen. Die Aussicht, dass binnen weniger Wochen die ersten Menschen gegen das Coronavirus geimpft werden könnten, wecke Hoffnung auf eine rasche Konjunkturerholung im kommenden Jahr. "In einer kurzen Handelswoche geben die Nachrichten den Börsen Schub, aber der Enthusiasmus könnte ein bisschen zu groß sein", sagte Peter Cardillo, Chefvolkswirt bei Spartan Capital Securities. "Es ist ja nicht so, dass der Impfstoff morgen ausgeliefert wird."

Doch auch bei der Behandlung der durch das Coronavirus ausgelösten Erkrankung gibt es Fortschritte: Die US-Pharmaaufsicht FDA erteilte einem Medikament von Regeneron die Notfallzulassung.

Was am Montag an der Börse außerdem wichtig war


RWE verkauft 49 Prozent-Anteil an Offshore-Windpark Humber Gateway
Der Stromerzeuger RWE will einen Anteil am Offshore-Windpark Humber Gateway verkaufen. 49 Prozent der Beteiligung sollen für 648 Millionen britische Pfund (726,7 Mio Euro) an den in Großbritannien ansässigen Investmentmanager Greencoat gehen, wie der Essener Konzern am Montag in Essen mitteilte. Mit einer Beteiligung von 51 Prozent bleibe RWE Mehrheitsanteilseigner des Projekts und werde den Windpark auch künftig weiter betreiben.

Hellofresh kauft Fertiggericht-Hersteller in den USA zu
Der Kochboxenversender Hellofresh verstärkt sich in den Vereinigten Staaten. Für bis zu 277 Millionen US-Dollar in bar vorbehaltlich üblicher Kaufpreisanpassungsmechanismen soll die US-Firma Factor75 gekauft werden, wie Hellofresh am Montag mitteilte. Es sei ein entsprechender Vertrag abgeschlossen worden. Factor ist US-amerikanischer Anbieter von fertig zubereiteten, frischen Mahlzeiten. Factor rechnet für das Geschäftsjahr 2020 mit einem Umsatz in Höhe von ungefähr 100 Millionen US-Dollar. Von dem Kaufpreis fließen den Angaben zufolge 177 Millionen US-Dollar am Tag des Vollzugs der Transaktion (Closing), der verbleibende Teil von bis zu 100 Millionen sei erfolgsabhängig. Mit dem Abschluss der Übernahme werde innerhalb der nächsten Monate gerechnet.

Compugroup baut Geschäft in den USA mit Zukauf aus
Der auf Arztpraxen und Apotheken spezialisierte Softwareanbieter Compugroup baut sein Geschäft in den USA durch eine Übernahme aus. Dafür werde die US-Gesellschaft eMDs gekauft, teilte Compugroup am Montag mit. Der Kaufpreis orientiere sich an einem Unternehmenswert in Höhe von 240 Millionen US-Dollar (203 Mio Euro).

Lebensmittelkonzern Danone setzt auf Sparprogramm und passt Ausblick an
Der französische Lebensmittelkonzern Danone reagiert mit einer Restrukturierung und Stellenstreichungen auf die Corona-Krise. Zudem passte das Unternehmen seine Mittelfristprognosen an. Bis 2023 wolle man bis zu einer Milliarde Euro an jährlichen Kosten einsparen, unter anderem durch den Abbau von bis zu 2000 Stellen in der Verwaltung, teilte Danone am Montag in Paris mit. Allein in der Konzernzentrale könnte damit bis zu einem Viertel der Stellen wegfallen. Die Kosten für den Umbau bezifferte der Konzern für 2021 bis 2023 auf insgesamt ungefähr 1,4 Milliarden Euro.

Betriebsrat und Gewerkschaft machen gegen Daimler-Sparpläne mobil
Beim Autobauer Daimler stellen sich Betriebsrat und IG Metall immer offener gegen die Umbau- und Sparpläne von Vorstandschef Ola Källenius. Am Montag riefen sie zu einer bundesweiten "Solidaritätsaktion" an sämtlichen Standorten auf. "Transformation, Covid, Rezession. Die Belegschaft leistet bei allen Herausforderungen ihren Beitrag: Qualifikation, Hygieneregeln, Sparbeitrag. Doch es reicht dem Vorstand nicht", kritisierte der Gesamtbetriebsratsvorsitzende Michael Brecht in einer Mitteilung. "In den Werken zittern die Beschäftigten und haben Angst um ihre Zukunft. Die Belegschaft in der Verwaltung fühlt sich verstoßen."

Wacker Chemie stellt Corona-Impfstoffkandidaten für Curevac her
Wacker Chemie und der Biotechkonzern Curevac arbeiten bei der Produktion eines Impfstoffkandidaten gegen Covid-19 zusammen. Der Spezialchemiekonzern wird im ersten Halbjahr 2021 Produktion der mRNA-Wirkstoffsubstanz für den Impfstoffkandidaten CVnCoV beginnen, wie beide Unternehmen am Montag gemeinsam mitteilten. Am Wacker-Standort Amsterdam sollen pro Jahr mehr als 100 Millionen Dosen des Impfstoffes von CureVac hergestellt werden. Zudem gebe es Erweiterungsoptionen. Die Wacker-Chemie-Aktien zogen auf die Nachricht hin an und notierten zuletzt rund 2 Prozent im Plus.

rtr/dpa-AFX/fh