Mit Enttäuschung reagieren Anleger auf die US-Inflationsdaten. Dax und EuroStoxx50 gaben am frühen Dienstagnachmittag ihre zwischenzeitlichen Gewinne ab und fielen um jeweils etwa einem halben Prozent auf 13.355 beziehungsweise 3628 Punkte. Gleiches galt für den Euro, der sich auf 1,0048 Prozent verbilligte. Im Gegenzug drehte der Dollar-Index, der den Kurs zu wichtigen Währungen widerspiegelt, ins Plus und gewann 0,8 Prozent auf 109,09 Zähler.

Die Teuerungsrate ging den Angaben zufolge auf 8,3 von 8,5 Prozent im Jahresvergleich zurück. Analysten hatten allerdings mit einem Wert von 8,1 Prozent gerechnet. Außerdem stieg die Kernrate, bei der stark schwankende Preise von Lebensmitteln und Energie herausgerechnet sind, überraschend stark auf 6,3 Prozent.

"Die Zahlen bestätigen, dass die US-Inflation immer noch heißläuft", sagte Naeem Aslam, Chef-Marktanalyst des Brokerhauses AvaTrade. "Das macht die Lage für die Fed noch schwieriger, die ihr Bestes versucht, die Teuerung in den Griff zu bekommen." Die bisherigen hätten Zinserhöhungen nicht den gewünschten Erfolg gebracht.

BOND-RENDITEN ZIEHEN AN - ROHÖL TEURER

Vor diesem Hintergrund rechnen Börsianer zwar weiterhin mehrheitlich mit einer Zinserhöhung der US-Notenbank Fed um 0,75 Prozentpunkte in der kommenden Woche. Inzwischen halten sie aber auch eine Anhebung um einen vollen Prozentpunkt für möglich. Die Wahrscheinlichkeit hierfür sehen sie bei 20 Prozent. Diese Spekulationen lösten eine Verkaufswelle bei Staatsanleihen aus, wodurch die Renditen der zehnjährigen Bonds aus den USA und Deutschland auf 3,416 beziehungsweise 1,705 Prozent stiegen.

Aufwärts ging es auch mit dem Ölpreis. Die Sorte Brent aus der Nordsee verteuerte sich um 0,4 Prozent auf 94,36 Dollar je Barrel (159 Liter). Da die US-Produktion langsamer wachse als gedacht und die Opec+ bei Preis-Rücksetzern die Förderung drossele, werde sich dieser Trend voraussichtlich fortsetzen, prognostizierte Analyst Amarpreet Singh von der Barclays Bank.

OCADO AUF TALFAHRT - VERKAUF VON WERK HILFT STORA ENSO

Bei den Unternehmen stach Ocado mit einem Kursrutsch von zeitweise 14 Prozent heraus. Damit steuerten die Titel des britischen Online-Supermarkts auf den größten Tagesverlust seit sechs Jahren zu. Ocado Retail, ein Gemeinschaftsunternehmen mit der Kaufhauskette Marks & Spencer, hatte seine Gesamtjahresziele gekappt, weil viele Kunden wegen der steigenden Inflation die Gürtel enger schnallten. Außerdem drückten steigende Kosten auf die Marge. "Gewinnwarnungen kommen selten allein", warnte Neil Wilson, Chef-Analyst des Online-Brokers Markets.com. Die Papiere von Marks & Spencer sowie der Rivalen Tesco und Sainsbury gaben jeweils rund drei Prozent nach.

Gefragt waren dagegen die Titel von Stora Enso, die sich in Helsinki um knapp drei Prozent verteuerten. Der Papier-Hersteller verkauft sein deutsches Werk Maxau an die Schwarz-Gruppe, zu der unter anderem der Discounter Lidl gehört. Dies sei ein weiterer Schritt auf dem Rückzug aus dem strukturell schrumpfenden Papier-Geschäft, kommentierte Analyst Cole Hathorn von der Investmentbank Jefferies.Von Reuters