Investoren fehlten derzeit die Argumente, weiter in den Aktienmarkt einzusteigen, sagte Jochen Stanzl, Chef-Marktanalyst vom Handelshaus CMC Markets. "Mehr als das: Die Unsicherheit über die Länge des Lockdowns und die Ausbreitungsgeschwindigkeit der Virus-Mutationen halten sie davon ab." Zudem sorgten sich einige Investoren, dass steigende Energie- und Rohstoffpreise die Konjunkturerholung abwürgen und die künftigen Verbraucherausgaben einschränken könnten.

Aus Furcht vor einer anziehenden Inflation trennten sich Anleger von niedrig verzinsten Staatsanleihen. Dies trieb die Rendite der zehnjährigen Bundesanleihen auf ein Achteinhalb-Monats-Hoch von minus 0,331 Prozent. Vergleichbare T-Bonds rentierten mit plus 1,333 Prozent so hoch wie zuletzt vor einem Jahr.

STEIGENDE US-RENDITEN TREIBEN DOLLAR-KURS


Steigende Anleiherenditen machten Dollar attraktiver. Zusätzlichen Rückenwind erhielt er vom überraschend starken Anstieg der US-Einzelhandelsumsätze. Das Plus fiel mit 5,3 Prozent rund fünf Mal so hoch aus wie erwartet. Daraufhin stieg der Dollar-Index, der den Kurs zu wichtigen Währungen widerspiegelt, um 0,6 Prozent. Dies drückte im Gegenzug auf den Goldpreis, weil es das Edelmetall für Anleger außerhalb der USA verteuert. Gold verbilligte sich um knapp ein Prozent auf 1777 Dollar je Feinunze (31,1 Gramm).

Der Preis für die Rohöl-Sorte Brent aus der Nordsee stieg dagegen um bis zu 2,2 Prozent auf ein 13-Monats-Hoch von 64,75 Dollar je Barrel (159 Liter). Eine Kältewelle in US-Bundesstaaten behindert die dortige Ölförderung. Bis Anfang März könne das Rohöl-Angebot dadurch um insgesamt rund 16 Millionen Barrel geringer ausfallen als gedacht, rechneten die Experten der Citibank vor.

BITCOIN-RAUSCH HÄLT AN


Unterdessen ging die Rekordjagd von Bitcoin weiter. Die älteste und wichtigste Cyber-Devise stieg um 6,5 Prozent auf ein Rekordhoch von 51.726,75 Dollar. Das Zünglein an der Waage für die weitere Entwicklung bleibe das Engagement Teslas, sagte Analyst Timo Emden von Emden Research. Der Elektroauto-Bauer hat nach eigenen Angaben rund 1,5 Milliarden Dollar in Bitcoin investiert.

Bei den deutschen Werten geriet Beiersdorf ins Abseits. Die Aktien fielen um fast neun Prozent. Zwar hatte der Konsumgüterkonzern im vergangenen Jahr den Umsatzrückgang eingegrenzt, Anleger zeigten sich aber vom Ausblick auf 2021 enttäuscht. "Nach der Prognose dürfte es bei den ohnehin dem Gesamtmarkt hinterherhinkenden Aktien zu weiteren Kursverlusten kommen", sagte ein Börsianer. Die Analysten von Jefferies betonten, dass die Mittelfrist-Ziele oder andere speziellen Ziele nicht angehoben wurden. Das sei für Aktionäre ein weiterer Dämpfer.

Zalando-Papiere gaben gut fünf Prozent ab. Der schwedische Investor Kinnevik will seine Beteiligung an dem Berliner Online-Modehändler in Höhe von 21 Prozent an seine Aktionäre ausschütten. Kinnevik-Titel gaben in Stockholm 1,3 Prozent nach.

rtr